Trotz Terror: Kaum Türkei-Stornierungen

Von: maxs
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Ab in den Urlaub: Ninja Havinga (rechts) und Birgit Pauls (Mi.) vom Reisebüro Flugbörse Monschau in Imgenbroich sind im Kundengespräch. Das Reiseziel soll hier die Türkei sein. Insgesamt ist allerdings die Nachfrage zu Reisezielen in dem an sich beliebten Urlaubsland um 40 Prozent zurückgegangen. Die Eifeler zieht es nun mehr nach Italien und Griechenland. Foto: Max Stollenwerk

Nordeifel. Den Sommer genießen, vom Alltag erholen und eine Abkühlung im Meer: Das ist wohl auch die ideale Vorstellung vieler Menschen in der Nordeifel von ein paar Wochen Urlaub. Das wechselhafte Wetter in der Nordeifel in diesem Sommer lässt dagegen nur selten ein ausgiebiges Bad in der Sonne zu.

Zahlreiche Sonnenhungrige suchen daher in wärmeren Regionen der Erdkugel Erholung.

„Spanien und Griechenland sind in diesem Sommer die großen Gewinner“, sind sich Manfred Knauf vom Simmerather Reisebüro Knauf und Kalscheuer, Christine Roßbach, Inhaberin zweier Reisebüros in Roetgen und Simmerath, und Birgit Pauls vom Reisebüro Flugbörse in Imgenbroich einig.

Aufgrund der Unruhen, Terroranschläge und des Putschversuches durch das türkische Militär sei die Nachfrage für eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen in diesem Jahr „deutlich, um bis zu 40 Prozent zurückgegangen“, sagt Christine Roßbach.

Familien mit Kindern würden teilweise auf andere Urlaubsziele umschwenken, während die regelmäßigen Türkei-Urlauber größtenteils auch in diesem Jahr ihren Urlaub dort verbringen würden. Während die Situation von Manfred Knauf bei einem „Rückgang von 20 bis 30 Prozent“ ähnlich eingeschätzt wird, erklärt Birgit Pauls, dass sie „die Anzahl der ausgebliebenen Buchungen in die Türkei auf weniger als zehn Prozent schätzt“.

Es habe keine Stornierungen aufgrund der Unruhen gegeben, im Winter werde die Türkei ohnehin nicht unbedingt bevorzugt und aktuell gebe es auch noch kurzfristige Buchungen in die Türkei, sagt Pauls. Manche Leute schwenkten lediglich auf andere Ziele um, sofern sie noch nicht gebucht hätten.

Übereinstimmend sagen die drei Reisebüros, dass Stornierungen „keine merkliche Rolle gespielt haben“. Lediglich der Gesprächsbedarf der Kunden, insbesondere von Türkei-Reisenden, sei gestiegen, betont Christine Roßbach.

Angesprochen auf die Sicherheitslage vor Ort ist die übereinstimmende Einschätzung, dass zum Beispiel die türkische Ägäis, die Riviera und das touristische Gebiet um Antalya „absolut keine Krisengebiete“ seien. Dort sei die Lage nach wie vor sicher und man könne guten Gewissens ein paar schöne Tage verbringen.

Aus Kreisen der Reisebranche ist in diesem Zusammenhang zu hören, dass in vielen Fällen mit zweierlei Maß gemessen werde. Nach den Anschlägen in Brüssel und Paris habe kaum jemand darüber nachgedacht, nicht an die nahe gelegene belgische Küste zu fahren oder in der Nähe der französischen Hauptstadt zu urlauben.

Auf die arabische Welt sei der Blickwinkel dagegen häufig kritischer. Obwohl die türkischen Baderegionen teils über 1000 Kilometer von den Anschlagzielen entfernt sind, würden viele Urlauber diese dennoch meiden. In Frankreich und Belgien seien die Terroranschläge viel näher gewesen, doch würden sie ganz anders beurteilt. Zudem gebe es in Teilen der arabischen Welt Terrorwarnungen für ganz Deutschland, so dass die Lage auch dort kritisch gesehen werde.

Eine Garantie für Sicherheit könne man zwar für kein Gebiet der Welt geben, jedoch sei die Sicherheitslage in den von den Metropolen wie Istanbul autonomen türkischen Baderegionen völlig in Ordnung. Manfred Knauf ist sich sicher, dass viele Urlauber eine Reise in die Türkei „zur Zeit grundsätzlich abblocken, da die Lage vor Ort von den Medien hochgepuscht wird“.

Nicht nur die Türkei, sondern auch die von Terroranschlägen erschütterten Länder wie Ägypten und Tunesien würden sich langsam wieder erholen und es gebe wieder verstärkt Buchungen, erklärt Roßbach. „Die großen Gewinner sind in diesem Sommer zweifellos vor allem Spanien und Griechenland“, bilanzieren die drei Eifeler Reisebüros.

Dort seien die Preise zwar aufgrund der enormen Nachfrage oftmals angestiegen und die Strände teilweise extrem überlaufen, doch auch das tue den Buchungen keinen Abbruch. Zudem sei Bulgarien aufgrund der teils moderateren Preise sehr gefragt.

Seit Jahren müssen sich die Reisebüros bekanntlich der verstärkten Konkurrenz durch Online-Buchungen stellen. „Ein großer Teil der Kunden informiert sich online, doch buchen tun letztendlich dann doch sehr viele im Reisebüro“, sehen die Betreiber der Reisebüros diese Entwicklung nicht zwingend negativ.

Zudem schätzten die Kunden den persönlichen Kontakt, die individuelle Beratung vor Ort und es sei ihnen wichtig, einen Ansprechpartner bei Problemen zu haben. „Da wir als Berater viele Regionen persönlichen kennen, können wir darüber hinaus wichtige Tipps geben, während es bei vielen Angeboten im Internet keinerlei Möglichkeit von Rückfragen gibt“, stellt Birgit Pauls klar.

Auch der Preisunterschied im Vergleich zu Online-Anbietern, insbesondere bei den Pauschalreisen, sei nicht gegeben, da die Reisebüros bei Pauschalreisen „den gleichen Preis bieten können“, wie Manfred Knauf nachdrücklich unterstreicht.

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