Trotz Multipler Sklerose: Im E-Scooter auf dem Jakobsweg

Von: Manfred Schmitz
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eicherscheid pilger
Mit dem Elektro-Scooter dem hl. Jakobus entgegen: Die unendliche Weite rechts und links des Jakobsweges empfanden die Eicherscheider Doris und Ludwig Siebertz als Balsam für die Pilgerseele. Foto: privat

Eicherscheid. Mehr als 150.000 Menschen wanderten 2013 über den spanischen Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus in der prächtigen Kathedrale von Santiago de Compostela. Doris und Ludwig Siebertz aus Eicherscheid zog es nun auch auf den berühmtesten Pilgerweg der Erde, um dem Zeichen der Muschel zu folgen - und es sollte eine ganz besondere Reise werden.

Als Fortbewegungsmittel nutzten sie einen batteriebetriebenen Elektro-Scooter. In acht Tagesetappen zu je durchschnittlich 20 Kilometer näherten sie sich dem Ziel. Die heute 65-jährige Doris Siebertz pilgerte schon in ihrer Jugend gerne, etwa nach Heimbach oder nach Barweiler.

Als die ausgebildete Drogistin 1989 an Multipler Sklerose (MS) erkrankte, dachten sie und Ehemann Ludwig (68), Ex-Prokurist des Lammersdorfer Industrieofenbauers Junker, „dass wir nun unseren gemeinsamen Traum, den Jakobsweg zumindest in Teilstücken zu bewältigen, wohl begraben können“. Auch Manche im Bekanntenkreis rieten von der strapaziösen Herausforderung ab: Für Menschen mit Handicap sei das unmöglich zu schaffen.

Doch Doris und Ludwig Siebertz wagten das Abenteuer, vertrauten auf ihre Entschlusskraft und ihren Optimismus, und bereiteten sich auf die Pilgerreise gründlich vor; auch ein mechanischer Rollstuhl gehörte dazu. Von ihrem gerade erst beendeten Projekt sind die Eheleute bei begeistert: Übernachtet wurde nach absolviertem Tagespensum in Herbergen (Hostels) und Hotels, ein Pilgermenü war für zehn Euro zu haben.

„Der Weg durch urige, oft weite, schwermütige und von Zivilisation scheinbar unberührte Landschaften hat uns tief und nachhaltig beeindruckt“. Ludwig Siebertz wünscht sich freilich „mehr verlässliche Literatur in Reiseführern, wo auf diesem schwierigen Parcours von sachkundigen Testern rollstuhlgerechte Routen empfohlen werden“.

Einmal, räumen Doris und Ludwig ein, überkam sie der Gedanke, „Plan B“ umzusetzen, nämlich das Unternehmen abzubrechen und nach Hause zu reisen: „Ein anderthalb Kilometer langes Stück des Weges führte extrem steil, steinig und staubig bergan, war nur äußerst mühsam zu meistern. Da bündelten wir unsere letzten Kräfte und vertrauten zu Recht dem 16-kg-Leichtgewicht unseres Scooters.“

Trotz Pilger-Kolonnen und vieler Einzelwanderer empfanden die Nordeifeler „den Weg niemals überlaufen, jeder hatte seinen Stil zu gehen, da zog sich das Feld nach dem Start in der Früh rasch auseinander.“

Auch die sommerlich-spanische Wärme von um die 30 Grad ließ sich gut ertragen. Tief beeindruckte sie die Begegnung mit Menschen aller Herren Länder. Die Reiseeindrücke wurden mit Australiern, Rumänen, Japanern, Schweizern und Franzosen ausgetauscht. Und auf einmal vernahmen sie heimatliche Töne in der Einsamkeit Nordspaniens: Der Dialog mit einem Eupener Ehepaar drehte sich nicht nur um das Thema Wallfahrt.

Und so nimmt es nach eitel positiven Erfahrungen nicht wunder, dass Doris und Ludwig Siebertz beim Anblick ihrer frisch geputzten Wanderstiefel schon wieder eine leichte Unruhe überkommt…

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