Treckertour: Mit lautem Knattern in die Vergangenheit

Von: Andreas Gabbert
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Teilnehmer unserer Aktion „7 x Sommer in der Nordeifel“ auf Treckertour: Sie hatten die Wahl zwischen einem Fendt „Dieselross“ Fix 2, einem Deutz „Knubbel“, einem Deutz D 25, einem Porsche Diesel Junior, einem Hatz TL 13 und einem weiteren Porsche Diesel Junior (v.l.). Foto: A. Gabbert
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Daumen hoch!: Die Teilnehmer der Treckertour zeigten sich begeistert. Nach mehr als drei Stunden hatten am Ende alle Teilnehmer die gleiche Frage: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ Foto: A. Gabbert
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Abseits der Hauptverkehrsstraßen lässt sich eine Treckertour am besten genießen. Foto: A. Gabbert
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Die Strecke führte auch am Reichensteiner Viadukt vorbei. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Als Thomas Steffens den Anlasser betätigt, hustet der Traktor wie ein alter Drache, Qualm stößt aus dem Auspuff, Dieselgeruch macht sich breit und der Motor nimmt laut knatternd den Betrieb auf.

Thomas Steffens aus Mützenich verleiht alte Traktoren für Ausflüge in der Eifel und hat an diesem Tag seine Treckerflotte für unsere Leseraktion „7 x Sommer in der Nordeifel“ zur Verfügung gestellt.

Die Teilnehmer haben die Wahl zwischen einem Deutz D 25 aus dem Jahr 1964, dem jüngsten Exemplar in Steffens Fuhrpark, einem Deutz „Knubbel“ aus dem Jahr 1955, eines der letzten Exemplare dieser Baureihe, einem Hatz TL 13 aus dem Jahr 1962 und einem Fendt „Dieselross“ Fix 2 aus dem Jahr 1961. Außerdem haben die Teilnehmer die Möglichkeit, einmal einen Porsche zu fahren, denn auch zwei Porsche Diesel Junior mit dem Baujahr 1959 stehen zur Verfügung.

Mit maximal 20 km/h

Bevor es richtig losgehen kann, steht eine Einweisung in die „Kunst des Treckerfahrens“ und eine Probefahrt auf dem Programm. Im Vergleich zu einem modernen Auto ist so ein alter Trecker nämlich gar nicht so leicht zu fahren und es gilt, einige Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Kupplung, die Bremsen und die Lenkung sind etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Bedienung erfordert im Vergleich zum Auto deutlich mehr Kraft.

Nachdem die Formalitäten erledigt sind, kann es endlich losgehen. Dröhnend setzt sich der ungewöhnliche Konvoi in Bewegung. Mit maximal 20 km/h geht es vom Kapellenweg in Mützenich über Straßen und Feldwege zur Reichensteiner Straße, durch das Leyloch am Kloster Reichenstein vorbei nach Kalterherberg. Dort führt der die Route vom Messeweg über Feldwege nach Küchelscheid. Viele Menschen, die die alten Traktoren bemerken, bleiben stehen und müssen bei diesem Anblick unwillkürlich Lächeln, einige winken den Fahrern auch freundlich zu. In Küchelscheid wird in einem Café ein kurzer Stopp eingelegt, um sich zu stärken.

„Es ist plötzlich so still“, bemerkt Erich Dahlmanns aus Roetgen, nachdem die Traktoren rückwärts eingeparkt und die Motoren abgestellt sind. Er ist mit seiner Frau Nicole und seinem sechsjährigen Sohn Valentin dabei. Während er sich in seine Jugendzeit zurückversetzt fühlt, als er öfter mal einen Traktor steuern durfte, freut sich Valentin darüber, mit einem richtigen Trecker unterwegs zu sein und nicht nur mit einem Rasenmähertraktor wie bisher. Nicole Dahlmanns hat derweil Muße, den Fahrtwind und die Aussicht auf die Landschaft zu genießen. „Die Fahrt schüttelt ein bisschen durch und macht locker“, sagt sie.

Marion Wildrath aus Vossenack ist von dem roten Porsche Diesel, den sie steuert, ganz begeistert. „So einen Porsche würde ich mir sofort kaufen“, sagt sie und erhält von ihrem Mann Gerd gleich Unterstützung. „Irgendwann kriegen wir mal einen. Wenn wir schon keinen Porsche als Auto haben, dann eben als Traktor“, sagt er. Es sei eben doch etwas anderes, mit dem Traktor unterwegs zu sein als mit dem Auto oder Motorrad, erklärt Marion Wildrath. „Man sitzt höher, kann in die Gärten gucken, erregt Aufmerksamkeit und kommt mit den Leuten direkt ins Gespräch“, sagt sie. „Das ist eben beschaulich. Es muss nicht immer schneller, höher und weiter sein – ganz im Gegensatz zum Alltag“, ergänzt er.

Heinz-Jürgen Goergens wurde von seiner Frau mit der Teilnahme an der dieser Ausflugsfahrt überrascht. „Du interessiert Dich doch für so alte Dinger“, hatte sie ihm gesagt. „Das ist Natur pur mit dem Duft von Heu und Diesel und auch ein bisschen Nostalgie. Das ist als ob man zu Oma zurückkommt“, schildert Goergens sein Erleben.

Gabi David aus Mützenich will eine Fahrt mit einem der Oldtimer-Traktoren selbst erleben, damit sie das Angebot später auch den Gästen ihrer Ferienwohnung präsentieren kann. „Das ist sehr aufregend und neu, aber sehr schön. Es fühlt sich schnell an, ist aber doch langsam. Besonders schön sind die Strecken ohne Autos und der Blick auf die Landschaft“, sagt sie.

Waldtraut Braun aus Roetgen drufte als Kind beim Bauern auf dem Traktor mitfahren und findet den Ausflug „einfach schön“, auch wenn sie sich an die Umstände erst mal gewöhnen und den Respekt vor den alten Maschinen ablegen muss. „Mir gefallen die Roten am besten“, sagt sie und meint damit natürlich die beiden Porsche Diesel. Im Vergleich zum Auto bedürfe die Fahrt mit einem alten Trecker etwas Umgewöhnung, erklärt sie. Aber eine Gemeinsamkeit entdeckt sie dann noch. „Der Trecker hat einen Wendekreis wie mein Nissan Micra“, sagt sie.

Nach der kleinen Stärkung steht auch schon wieder die Rückfahrt an. Inzwischen haben sich einige Kinder eingefunden, die die alten Traktoren bestaunen und eine Menge Fragen an die Fahrer haben.

Nach mehr als drei Stunden kommt die Gruppe wieder in Mützenich an und alle Teilnehmer haben die gleiche Frage: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“

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