Trash People: Nicht mehr Geld, aber mehr Interesse

Von: Guido Jansen
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Ein ausgesprochener Freund der Müllmenschen: Jochen Kaulard und sein Café profitieren unmittelbar von der Ausstellung. Wie alle anderen Gastronomen und Hoteliers betont er, dass der langfriste Werbeeffekt wesentlich wertvoller sei als ein paar Euro mehr in der Kasse. Foto: Guido Jansen

Monschau. HA Schult hat Monschau die Massen versprochen. Millionen kommen, um die Ausstellung der 200 Trash People zu sehen. Oder zumindest 100.000. „Der macht immer solche Späße“, sagt Wolfgang Kaever, der Chef des Café Weekend.

Von einer Touristenschwemme überflutet worden ist die Monschauer Innenstadt nicht der Müllmenschen wegen. „Trotzdem ist die ganze Sache ein absoluter Gewinn“, betont Kaever. Und genau das sagen alle befragten Gastronomen und Hoteliers in der Stadt. Sie denken langfristig. Sie denken an Werbung und daran, dass Monschau es schaffen muss, im Gespräch zu sein.

„Diese Aktion ist großartig. Wir brauchen noch viel mehr davon“, sagt Frank Suringh, der Chef des Carat Hotels. „Dank der Trash People nehmen uns jetzt auch die Menschen in Belgien und den Niederlanden wahr“, schildert Suringh das Feedback, das er von den Gästen erhält. „Ich kriege immer wieder mit, dass die Leute darüber diskutieren. Sie finden die Trash People schön. Oder auch nicht. Aber sie reden darüber.“

Mehr Hotelbuchungen verzeichnet Suringh der Müllmenschen halber nicht. Das Haus sei das gesamte Jahr über zu 80 Prozent ausgebucht. Da sei es schwer zu sagen, ob der Trash People halber ein paar Gäste mehr oder weniger kämen. „Trotzdem ist die Ausstellung gut für uns alle. Monschau muss etwas tun, um Touristen anzulocken. Schließlich liegen wir 35 Kilometer von der Autobahn entfernt“, so der Mann vom Carat Hotel.

Die Kassen klingen in Monschau nicht merklich lauter als sonst wegen der außergewöhnlichen Ausstellung, die auch schon auf der Chinesischen Mauer gestanden hat. „Monschau ist im Bezug auf Touristen in erster Linie wetterabhängig“, sagt Frank Vecqueray vom Lütticher Hof. Wenn der Himmel weint, dann würde auch die beste Ausstellung nicht helfen. „Ganz allgemein gesprochen sind die Trash People sehr gute Werbung für uns. Wir brauchen viel mehr solche Veranstaltungen.“

Kollege Wolfgang Kaever vom Cafe Weekend stimmt zu und betont den langfristigen Werbefaktor, den die Trash People haben. Kaever unterschiedet im Moment zwei Arten von Touristen. Die, die extra der Trash People halber anreisen. „Die stellen dann fest, wie schön Monschau ist.“ Und die, die als Tagestouristen anreisen und dann fasziniert feststellen, dass die kleine Stadt eine derart große Ausstellung zu bieten hat.

Jürgen Zishart vom Hotel Horchem hat ebenfalls weniger den kurzfristigen finanziellen Gewinn im Auge, sondern den Imagegewinn. „Jede gute Werbemaßnahme hilft Monschau. Wir brauchen mehr davon.“

Eine Nachhaltigkeit hat Werner Krickel vom Aktionskreis Monschauer Unternehmen beobachtet, schon jetzt, wo in Sachen Trash People erst Halbzeit ist. Die versprochenen Besucherzahlen seien zweitrangig, genau so wie der eine oder andere schnell verdiente Euro. Viel wichtiger sei, dass Monschau sich neben der Klassik und dem KuK derzeit noch mehr als Standort für Kunst und Kultur etabliere. Und zwar nachhaltig.

Krickel empfiehlt den Blick ins Internet, um den Wert der Trash People für Monschau zu bewerten. Schon jetzt seien viele Fotografieforen voll mit Bildern der Müllmenschen. „Diese Bilder sind da lange zu sehen. Genau der Effekt ist für Monschau besonders wertvoll.“

„Die Jungs stören mich nicht“

Einen kleinen Unterschied gibt es bei den Gastronomen, die unmittelbar am Markplatz mit Blick auf die Trash People angesiedelt sind. „Die Jungs stören mich nicht. Ich kriege keinen Streit mit denen. Ganz im Gegenteil“, scherzt Jochen Kaulard vom Café Kaulard. „Wir merken ganz direkt, dass extra der Ausstellung halber mehr Menschen nach Monschau kommen“, erzählt Kaulard von gut laufenden Geschäften. Wie alle anderen betont er die Bedeutung des langfristigen Effekts. „Diese Ausstellung ist ein unglaublicher Multiplikator für uns alle.“

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