Imgenbroich - Tischlermeisterin ist der Traumberuf

Tischlermeisterin ist der Traumberuf

Von: ines Kubat
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Hohe Ziele hat sich Lisa Merkens aus Imgenbroich gesetzt. Die Tischlermeisterin wurde jetzt bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Aachen als Preisträgerin ausgezeichnet. Foto: Ines Kubat

Imgenbroich. Zwischen Frauen und Männern gibt es einen markanten Unterschied, wenn sie einen Handwerksberuf ausüben: „Ich werde als Frau nicht so oft angebrüllt“, lacht Lisa Merkens aus Imgenbroich.

Vor einigen Wochen wurde der 25-jährigen, die im Imgenbroicher Tischlerei-Betrieb Neuss arbeitet, der Meistertitel verleihen. Mit Auszeichnung. Bei der Meisterfeier der Handwerkswerkskammer Aachen im Eurogress erhielten 250 Fachkräfte in festlicher Atmosphäre ihre Meisterbriefe. Außerdem erhielt Lisa Merkens wegen ihrer hervorragenden Prüfungsergebnisse gemeinsam mit fünf weiteren jungen Meistern den Preis der Sparkasse.

Wie arbeitet es sich so als Frau in einem Beruf, den man vor allem mit großen Maschinen, derben Sprüchen, und Testosteron in Verbindung bringt? Männliche Dominanz ist für sie eigentlich kein Thema. Offenbar weiß sie, was sie kann. Und die Kollegen auch: „Ich fühle mich hier respektiert“.

Im Jahr 2010 hat sie in der Tischlerei Neuss als blutige Anfängerin die ersten Meter Holz gesägt, verleimt und abgeschliffen. Es ist ein kleiner Betrieb mit mittlerweile drei Meistern, zwei Lehrlinge und drei Gesellen. Nach Jahren des Lernens übernimmt die 25-jährige Meisterin nun auch organisatorische Aufgaben im Büro – eine Möglichkeit, die sie sich bewusst mit dem Lernen für den Meistertitel erarbeitet hat.

Denn es gibt einen Unterschied, der es Frauen tatsächlich schwerer macht, in dem Tischlergewerbe dauerhaft zu arbeiten – und das ist der körperliche Unterschied zu Männern: Denn Schreiner arbeiten mit vielen Metern Holz pro Tag. Da muss jeder mit anpacken. Merkens will da als Frau nicht anders behandelt werden und weniger leisten als andere. Wenn es allerdings beispielsweise darum geht, viele Male am Tag Fenster einzusetzen, die heutzutage häufig „4-fach verglast“ sind, da stoße sie auf Dauer an körperliche Grenzen. Um ihre Gesundheit also nicht allzu sehr zu beanspruchen, suchte Merkens nach neuen beruflichen Optionen, und fand sie in der Weiterqualifizierung mittels der Meisterschule. Von einer solchen Suche nach neuen Zielen ist ihr gesamter Werdegang geprägt: Der Abschluss an der Realschule reichte der Schülerin nicht, also schloss Lisa Merkens direkt das Abitur hinten an.

Dabei wollte sie damals gar nicht unbedingt studieren. Es ging eher um die Türen, die sich ihr mit der Hochschulreife neu öffneten. Es ging ihr darum, alle Möglichkeit zu haben. Mit dem Abitur in der Tasche war dann jedoch schnell klar, dass der Weg ins Handwerk führen sollte:„Ich habe schon immer viel selbst gebaut, und meinem Vater geholfen.“

Die Begeisterung für Holz stellte sie dann letztendlich vor die Wahl zwischen Zimmerei oder Tischlerei. Weil sie jedoch lieber kreativ arbeiten wollte, fiel die Wahl auf das Tischlerei-Gewerbe. Und damit scheint die junge Frau ihren Traumberuf gefunden zu haben: Sie liebt den Umgang mit Vollholz, findet den Materialmix zum Beispiel zwischen Holz und Glas spannend, und sie ist dankbar für das gesammelte Know-how, das ihr bei Reparaturen in den eigenen vier Wänden oft von Nutzen ist.

Mit rund 20 anderen Jung-Handwerkern büffelte sie rund ein Jahr lang Vollzeit für die Meisterprüfungs-Klausuren und wurde schließlich für ihre herausragenden Leistungen von der Sparkasse ausgezeichnet. Das scheint sie eher mit gelassener Bescheidenheit zur Kenntnis zu nehmen.

Stolz merkt man Lisa Merkens erst an, wenn sie über ihr Meisterstück spricht, das seinem Namen auch alle Ehre macht: Es ist ein Eck-Regal mit drehbaren Kisten-Elementen, die noch eigene Funktionen haben.

Man sollte meinen, am Ende eines Tages könne sie kein Holz mehr sehen und würde sich freuen, die Sägespäne endlich von Ihren Klamotten abzuschütteln. Aber weit gefehlt: „Wenn ich Zeit habe, mache ich gerne Intarsien-Arbeiten“. Aus hauchdünnen Holzschichten lässt sie plastische und höchst filigrane Bilder entstehen. „Für so viel Arbeit ist vermutlich niemand bereit, Geld auszugeben.“ Denn Intarsien seien ziemlich aus der Mode gekommen. Aber es sei ja schließlich nur ein Hobby für sie selbst. Stillstand erträgt Lisa Merkens kaum: „Ich suche schon nach neuen Möglichkeiten der Fortbildung. Es gibt noch so viel zu lernen.“

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