Theater „Theatrino“ spielt erstmals in Monschau

Von: P. St.
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Ausdrucksstark: Erika Domenik in Ludwig Mathars Erzählung „Der rote Lambert“. Foto. P. Stollenwerk

Monschau. Als „überhaupt nicht tragisch“ empfand es Regisseur Bernward Müller, der das seit rund 20 Jahren im ostbelgischen Rocherath ansässige Theater Theatrino leitet, dass sich bei den beiden ersten Aufführungen des Theaters in Monschau zusammen nicht einmal 20 Besucher einfanden.

Dabei hatte das Mini-Theater, dessen Gerüst Müller und die Schauspielerin Erika Domenik bilden, eigentlich ein echtes Heimspiel. Das Theater stammt sozusagen aus der Nachbarschaft, und das dargebotene Stück dreht sich um eine im Venn spielende Erzählung des in Monschau geborenen und verstorbenen Schriftstellers Ludwig Mathar.

Aber Bernward Müller hatte wohl schon die richtige Ahnung, als er im Vorfeld der Aufführung meinte, dass sein Theater „in München bekannter ist als in Monschau.“ Damit hat der leidenschaftliche Theater-Regisseur offenbar recht, denn obwohl „Theatrino“ bereits tausende von Aufführungen in ganz Deutschland gespielt hat , fehlt es der Kleinbühne in der Region an Popularität.

„Da muss man Geduld mitbringen“, sagt Müller, der sich mit der Aufführung des Ein-Personen-Stückes „Der rote Lambert“ vorgenommen hatte, „eine spannende Geschichte aus der Region für die Region“ auf die Bühne zu bringen.

In der Erzählung von Ludwig Mathar geht es hinein in eine vergangene Zeit, in die Jahre um 1900. Es geht hinein in eine dörfliche Gesellschaft – mit typischen Charakteren: Da gibt es den donnernden Hochwürden, die nichtsnutzigen Wilderer und Trunkenbolde, die rechtschaffen sich abmühen, den Torfstecher und Bauern oder die Witwe, die tapfer ihr mühevolles Leben meistert.

Einem Torfstecher namens Lambert wird vorgeworfen, einen Mord zu haben. An der preußisch-belgischen Grenze, mitten im Hohen Venn, irgendwo zwischen Sourbrodt und Jalhay, soll er beim Wildern das Verbrechen begangen haben. So ist es gewesen, aber es lag eine tragische Verwechslung zugrunde. Lambert ergreift die Flucht aus dem Dorf. Er möchte in der Stadt Geld verdienen, um damit die Witwe des Getöteten zu unterstützen.

Der Herausforderung, diesen Venn-Krimi als Ein-Personen-Stück auf die Bühne zu bringen, zeigte sich die erfahrene aus dem österreichischen Graz stammende Schauspielerin Erika Domenik bestens gewachsen. Spielort war die Galerie Beumers in der Monschauer Laufenstraße. Umgeben von Kunstwerken war das schmucklose Bühnenbild aufgebaut, in dessen Mittelpunkt sich ein Stehpult befand.

Hier beginnt die Darstellerin mit einer Lesung, die sich immer mehr zu einem kleinen Schauspiel entwickelt. Mit gestenreicher Mimik, und unterstützt von Musik, gewinnen die dargestellten Personen immer mehr an Gesicht. Und bald befindet sich der Zuschauer mittendrin im dramatischen Geschehen.

Die traditionelle und manchmal auch pathetische Sprachfärbung von Ludwig Mathar besticht auch heute noch durch Präzision und Emotionalität. Kraftvoll und klar beschreibt er die Gesetzmäßigkeiten in der dörflichen Gesellschaft. Nicht nur diese Erzählung unterstreicht, dass man Mathar mit der Bezeichnung „Heimatdichter“ nicht gerecht wird. Bernward Müller: „In jedem Satz steckt eine ungeheure Dramatik.“

Gezielt hat das mobile Theater sich für eine Geschichte entschieden, die in der Region spielt. Man möchte endlich auch am Sitz des Theaters die Popularität steigern. Der „kleine, knackige Krimi“ (Müller) nach der Erzählung von Ludwig Mathar konnte dieses Ziel in Monschau aber leider noch nicht erreichen.

Dafür ist ein anderes Ein-Personen-Stück des Theaters „Theatrino“ überaus erfolgreich und gehört laut Bernward Müller zu den „beliebtesten Stücken in Deutschland“. Dabei handelt es sich um das Stück „Der Bücherwurm“. Über 1000 Mal wurde die Geschichte des Bücherwurms gespielt, der in ein neues Buch einzieht und die Geschichte eines Eskimos kennenlernt.

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