„Theater an der Wien“ : Hamlet-Oper vom Imgenbroicher Komponisten

Von: js
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Nahm im „Theater an der Wien“ den Beifall des Premierenpublikums entgegen: der Imgenbroicher Komponist Anno Schreier (2.v. l.) mit Mitgliedern des Ensembles. Foto: Karl Schöndorfer

Nordeifel/Wien. William Shakespeare, der Welt größter Dramatiker, wird wieder einmal gefeiert.Das „Theater an der Wien“, das berühmte und traditionsreiche Haus in der österreichischen Hauptstadt, hatte zum gegebenen Anlass sogar eine neue Oper in Auftrag gegeben; dieser Auftrag ging an den aus Imgenbroich stammenden Komponisten Anno Schreier.

Das Thema war Shakespeares Hamlet. Das große rätselhafte Werk war aber nur die Vorlage. Der Librettist Thomas Jonigk hatte das Stück sozusagen ganz neu geschrieben, hatte zum Ganzen neue Aspekte hinzugefügt, die Handlung verknappt und radikalisiert. Nur sechs Personen stellen ein Familiendrama dar, das es in sich hat.

Da ist der junge Prinz Hamlet und der Geist seines gleichnamigen Vater, der von seinem Bruder Claudius umgebracht worden war, um die Herrschaft selber an sich reißen zu können. Dann die Mutter Gertrud, die sich nur schwer zwischen ihrem Sohn und dem Schwager entscheiden kann, der sie aber heiraten will. Und die – krass gestaltete – Edelhure Ophelia, die den Sohn erotisch ablenken soll, aber sich unversehens in ihn verliebt (und umgekehrt). Dazu noch als Buffogestalt ein Pastor, der unter anderem vorgibt, das berühmte „Sein oder Nichtsein“ verfasst zu haben.

Letzteres – wie auch einige andere originale Shakespeare-Texte – wurden vom Chor gesungen, den der berühmte Arnold-Schönberg-Chor darstellte. Die mit Spannung erwartete Uraufführung war in der vergangenen Woche und wurde vom Publikum stürmisch gefeiert. Anteil daran hatten selbstverständlich die Sänger, die in Starbesetzung mit größtem Einsatz das neue Werk auf die Bühne brachten.

Ebenso war das Sinfonieorchester des Österreichischen Rundfunk unter Michael Boder bestens in Form und brachte die Musik mit spürbarem Engagement zum Klingen. Die Hauptsache war aber natürlich – besonders für die ansehnliche Delegation aus Deutschland, die sich das Ereignis nicht entgehen lassen wollte – die Musik von Anno Schreier. Nicht zum ersten Male konnte der Imgenbroicher Komponist ein Werk im Ausland präsentieren; schon vor ein paar Jahren gab es ein Werk von ihm im Züricher Opernhaus. In Wien waren die Umstände für das neue Werk aber offensichtlich besonders günstig.

Österreichs Presse berichtete vor und nach der Aufführung ausführlich über die theatralische Neuheit; und zwar in höchst zustimmender und wohlwollender Art. Der Komponist ließ es sich denn auch nicht entgehen, in seine Partitur einen Gruß an Wien einfließen zu lassen.

Nicht schlecht staunten die Zuhörer, dass mitten in den schwierigen Abläufen der Handlung auf einmal eine Passage im walzerartigen Dreivierteltakt – wenn auch ironisch verfremdet – daherkam. Überhaupt geht es dem jungen Komponisten ja darum, Musik für die Menschen zu schreiben. Musik nicht für den Elfenbeinturm, sondern Musik, die packt und berührt. Den begeisterten Reaktionen nach zu urteilen, ist dieses Ziel auch diesmal erreicht worden.

Anno Schreiers Oper wurde bereits als Audio-Aufzeichnung im Österreichischen Rundfunk gesendet. Am kommenden Freitag, 23. September, ab 19 Uhr ist sie als Live-Stream auf der Online-Plattform myfidelio.at zu sehen. Das Fernsehprogramm ORF III zeigt die Oper am 20. November um 20.15 Uhr.

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