Telefonzellen werden kunstvolle Bücherschränke

Von: pp
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Kunstaktion: Im Heimbacher Bauhof verwandelten fünf Künstler und Kinder der Offenen Jugendarbeit Titz fünf ausrangierte Telefonzellen in kunstvolle Bücherschränke. Initiatoren des Projekts waren der Lit.Eifel e.V. und die Kunstakademie Heimbach. Foto: Thomas Schmitz/pp

Heimbach. Es ist so etwas wie der Friedhof der Telefonzellen, den die Deutsche Telekom in Brandenburg an der Havel betreibt. Rund 3000 ausrangierte, weil im Handyzeitalter nutzlos gewordene Häuschen, entweder in Gelb oder in Magenta, stehen dort herum.

Weil das auch der Telekom zu viel wurde, beschloss das Bonner Unternehmen, die Zellen an Privatleute zu verkaufen. Sieben solcher Telefonzellen hat der Verein Lit.Eifel erworben. Allerdings werden die Fernsprechkabinen zweckentfremdet und zu Bücherschränken umfunktioniert. Zwei der Sprechzellen erhält die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien. Die anderen fünf Häuschen werden in Kommunen aufgestellt, die bei der Lit.Eifel teilnehmen. Welche Stadt oder Gemeinde sich glücklich schätzen darf, wird ausgelost.

Doch bevor die Telefonzellen aufgestellt werden können, mussten sie noch hergerichtet werden. Schlosser Bernd Maaßen, Geschäftsführer von Hermanns Schmiede und Schlosserei in der Altstadt von Monschau, fertigte das Innenleben, sprich, die metallenen Bücherregale an und installierte sie.

Im Heimbacher Bauhof wurden die Zellen schließlich künstlerich verschönert. Einzige Bedingung: Die Künstler müssen mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten. Nach dem Sichten der Entwürfe war klar, dass fünf Dozenten der Kunstakademie Heimbach – Beatrix von Bock, Michael Koch, Antonio Nuñez, Maf Räderscheidt und Wieslawa Stachel – sich der Sache annahmen.

Vergangene Woche begannen die Künstler und 14 sie unterstützende Kinder aus der Offenen Jugendarbeit in Titz mit der Arbeit. Schon auf den ersten Blick war zu erkennen: Alle fünf Künstler hatten vollkommen unterschiedliche Ansätze, sodass alle Zellen echte Unikate sind.

Maf Räderscheidt widmete sich bekannten Märchen. Auf himmelblauem Untergrund fanden sich nicht nur die Geschichten der Brüder Grimm. Weil auch zwei Flüchtlingskinder aus Albanien mit den Kindern aus Titz nach Heimbach gekommen waren, durften sie die albanische Sage vom Mann, der einen Felsblock trägt, neben „Dornröschen“ verewigen. „Die Mädchen wollten unbedingt Rosen malen“, erklärte Räderscheidt diese Wahl.

Der Kölner Maler Michael Koch wählte einen sehr freien Ansatz. Bereits am Freitag hatte er die Zelle mit Farbe besprüht. Bei ihm konnten die Kinder und Jugendlichen Botschaften hinterlassen. So befand sich der Name eines Smartphones ebenfalls auf der Zelle wie das Logo von Batman oder eine Huldigung an den Fußballprofi Lionel Messi. „Ein paar Dinge habe ich selbst gezeichnet, etwa die Spinne, um Anreize zu schaffen“, erzählt Koch.

Wieder etwas ganz anderes machte Beatrix von Bock aus Jülich. Ihre Zelle wurde mit einer besonderen Drucktechnik verziert. Gemusterte Tapetenstücke wurden auf Farbe gepresst und anschließend gegen die grün gestrichene Telefonzelle gedrückt, so dass die Muster auf dem Häuschen abgebildet waren.

Ebenso kunterbunt wie abstrakt waren die Ansätze, die Wieslawa Stachel, die in Köln und im polnischen Chelm lebt, sowie Antonio Nuñez aus Aachen verfolgten. Stachel ist eine Vertreterin der rhythmisch-organischen Malerei und zeigt das auch auf der pink gefärbten Telefonzelle.

Auf den Scheiben und den großen Flächen hat sie bunte Muster gezeichnet, die für Bücher stehen: Senkrecht verlaufende Striche für das im Regal stehende Buch mit seinen aneinander gepressten Seiten, andere Formen stehen für das aufgeschlagene Buch mit losen Seiten oder das Blättern in einem literarischen Werk. „Sowohl von innen als auch von außen sollen die Menschen positiv angesprochen werden“, sagte Stachel.

Nuñez hingegen arbeitete mit Maler-Kreppband. Es wurde auf die Zelle geklebt, eingefärbt und wieder abgezogen. So entstanden präzise, immer gleich breite waagerechte und senkrechte Streifen. Farbschicht für Farbschicht lag am Ende übereinander. Dabei hatte Nuñez zunächst eine andere Idee: Er wollte die Namen von allen Literaturnobelpreisträgern auf der Zelle verewigen, verwarf den Vorschlag dann aber. Mehr als Hundert Namen (der Literaturnobelpreis wird seit 1901 verliehen) waren ihm nämlich doch zu viel.

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