Talsperre halbvoll: Rursee tief gesunken

Von: Ernst Schneiders
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Ein Bild des Jammers bietet der Blick auf den Rursee . Die Optik sei nicht angenehm, heißt es dazu bei WVER. Wasserwirtschaftlich bestehe allerdings kein Grund zur Sorge. Foto: Ernst Schneiders

Rurberg. Mehr als 200 Millionen Kubikmeter Wasser fasst die Rurtalsperre, doch seit Wochen ist der Anblick bejammernswert, und es wird gefühlt täglich schlimmer.

Der Rursee, Herzstück des Eifeler Talsperrensystems und bei Vollstau doppelt so groß wie die restlichen Talsperren zusammen, sieht zur Zeit aus wie eine große Pfütze kurz vor dem Austrocknen. Der Pegel liegt inzwischen etwa 15 Meter unter der optischen Normalität. Bootsanleger hängen herab wie schlaffe Einkaufstüten.

Viele Wassersportler und Angler schneiden mittlerweile Gesichter. Hinzu kommt, dass Sedimente, Laub und Schlamm inzwischen auf dem Trockenen liegen und bei sommerlichen Temperaturen wie am vergangenen XXL-Wochenende beginnen zu gären. Dabei entstehen zum Teil recht übelriechende Gase, die bei den Ausflüglern Naserümpfen auslösen.

Trinkwasserversorgung sicher

So sehr Marcus Seiler, Pressesprecher des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER), auch Verständnis aufbringt, der unangenehme Geruch in einigen „toten Ecken” sei ein „natürlicher Vorgang”. Wasserwirtschaftlich gibt es für den WVER ohnehin keinen Grund, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Zwar sei die Rurtalsperre derzeit rechnerisch nur zur Hälfte gefüllt, doch reiche das noch eine ganze Weile aus, um die Trinkwasserversorgung zu sichern und den wasserrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. So gebe es beispielsweise Verträge mit der Dürener Papierindustrie, die täglich eine gewisse Menge Wasser aus der Rur für ihre Produktionsprozesse entnehmen dürfe, unabhängig von der Witterung. Seit dem Frühjahr gebe die Talsperre täglich mehr Wasser in die Rur ab als „von oben” in sie hineinkomme. Das Ergebnis sei deutlich sichtbar.

Als die Talsperren gebaut wurde, hätten der Hochwasserschutz und die Nutzung des Wassers durch Mensch und Wirtschaft im Vordergrund gestanden, klärt Seiler auf. Der Tourismus habe sich „drangehängt” und sei inzwischen ein wichtiger Faktor geworden. „Die Philosophie war allerdings damals eine andere.”

Zu trockenes Frühjahr

Ein Grund für einen so niedrigen Pegel wie selten zuvor ist laut Marcus Seiler das ungewöhnlich trockene Frühjahr. Im Winter müsse man für die Schneeschmelze und starke Niederschläge zum Hochwasserschutz erheblichen Stauraum vorhalten. Im März könne man dann wieder mit dem Anstau der Talsperren beginnen. Doch von März bis Mai gab es nichts anzustauen, weil so gut wie kein Niederschlag fiel, und die paar Tropfen, die fielen, wurden sofort von der Vegetation aufgesaugt. Das galt auch nach dieser Trockenperiode für den vergleichsweise feuchten Sommer.

Das Regenwasser wurde von der Vegetation aufgesaugt, kam gar nicht erst in die Flüsse und Bäche und erreichte somit auch nicht die Rurtalsperre. Und weil die Witterung an den anderen Talsperren nicht anders war, lief von dort auch kaum etwas über. Nicht einmal vom Trinkwasserreservoir Obersee, der voll angestaut bleibt und nur dann überläuft, wenn der Pegel die Oberkante der Staumauer übersteigt.

In diesem, spätestens aber im nächsten Monat geht Marcus Seiler von Besserung aus. Dann ist die Vegetation im Winterschlaf und das Regenwasser, das um diese Jahreszeit in unseren Breiten reichlich fällt, erreicht über die Fließgewässer wieder die Talsperre.

Marcus Seiler möchte sich nicht darauf festlegen, dass die extreme Wetterlage eine Folge der Klimaveränderung ist: „Ein Jahr macht noch keinen Klimawandel. Wir hören auch nur das, was uns Experten sagen, und das geht in die Richtung, dass es künftig im Jahresdurchschnitt nicht weniger Niederschlag geben wird, dass er aber anderes fällt, dass sich Starkregenereignisse mit Trockenperioden abwechseln werden.” Darauf könne sich der WVER problemlos einstellen und die Lenkung der Talsperren gezielt anpassen, sollten sich die klimatischen Verhältnisse auf Dauer umstellen. „Dazu sind wir flexibel genug.”

Völlige Extremsituationen erwartet der WVER-Pressesprecher indes nicht. Im Jahr 1976, erinnert er sich, war es das bisher letzte Mal, dass die Bewässerung der Gärten und die Autowäsche wegen großer Trockenheit und befürchteter Wasserknappheit untersagt wurden. Marcus Seiler: „Von einer solchen Situation sind wir heute noch weit entfernt.”

Sollten sich allerdings wider Erwarten klimatische Verhältnisse wie in der Sahara einstellen, dann, so Seiler, „haben wir noch ganz andere Probleme”.
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