Tag des Flüchtlings: 800 Schüler zu Lesung in Vogelsang

Von: Jessica Küppers
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800 Schüler setzen sich mit dem Thema „Flüchtlinge“ auseinander: Darunter auch drei Klassen der bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula aus Monschau. Foto: J. Küppers
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Khadra Sufi ist als Elfjährige mit ihrer Familie aus Somalia geflohen, weil dort Bürgerkrieg herrschte. Foto: J. Küppers

Nordeifel. „Ich nahm irgendwas in die Hand und stellte mir vor, es wäre eine Puppe“, die Textpassage aus dem Buch „Das Mädchen, das nicht weinen durfte“ von Khadra Sufi lässt 800 Schüler aus der Städteregion Aachen und den Kreisen Euskirchen, Düren und Heinsberg ganz still werden.

Sie waren am Freitag in die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang gekommen, um dort im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Eifel den „Tag des Flüchtlings“ mit Lesungen, Filmbeiträgen und Gesprächsrunden zu thematisieren.

Khadra Sufi ist so ein Flüchtling. Im Alter von elf Jahren floh sie mit ihren Eltern aus Somalia und machte in Deutschland einen Neuanfang. Nachdem die Familie in einem Bonner Asylantenheim unterschlüpfen konnte, hat sie es im Laufe der Jahre geschafft, sich zu integrieren und arbeitet nun als Moderatorin, Autorin und Botschafterin der UNO-Flüchtlingshilfe. „Es geht mir darum, auf dieses Thema aufmerksam zu machen und die Menschen zu sensibilisieren“, betonte Sufi.

Zuvor hatte sie schlimme Erfahrungen als Bürgerkriegs-Flüchtling gemacht. Den Tag, an dem ihre Eltern merkten, dass es für sie in Somalia keine Zukunft mehr gab und sie fliehen mussten, verbrachte sie in einem Keller, weil es schwere Gefechte gab. Der Diplomatenfamilie wurden in dieser Zeit jegliche Privilegien entzogen und ihre Eltern waren sehr verängstigt. Daraufhin beschloss Sufi für ihre Eltern stark zu sein und verbot sich selbst zu weinen.

Diese Zeit ihres Lebens hat sie nachhaltig geprägt: „Noch heute kann ich das Leid anderer schlechter ertragen, als mein eigenes“, erklärt Sufi, fügt aber hinzu, dass sie Glück gehabt habe, ihre Chancen in Deutschland nutzen zu können.

Dieses Glück haben nicht alle Flüchtlinge, die oft nach wochenlanger Flucht in einem anderen Land ankommen. Vor allem die fremde Sprache sei für viele Flüchtlinge ein großes Problem, schilderte Dietmar Kappe, Experte der UNO-Flüchtlingshilfe.

Um die Integration der Flüchtlinge künftig zu erleichtern, setzt sich Helmut Etschenberg als Städteregionsrat für mehr internationale Klassen ein. Dadurch soll die „Alphabetisierung“ gewährleistet werden.

Dass Sprachbarrieren den Kontakt zu anderen Menschen erschweren, hat auch eine Schülerin der bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula Realschule Monschau im vergangenen Jahr erlebt. Samantha Wilden (16) erzählt: „Im neunten Schuljahr sind zwei Griechinnen in unsere Klasse gekommen, die leider noch kein Wort Deutsch konnten.“ Die Schüler hätten die neuen Mitschülerinnen trotzdem „mit offenen Armen empfangen“, aber es sei sehr schwierig gewesen, „miteinander zu kommunizieren“, erklärt sie.

Um solche Hürden in Zukunft leichter zu nehmen und Wissen über Flüchtlinge und deren Kulturen zu vermitteln, wurden viele Schulklassen zu diesem Schülertag eingeladen.

Im Unterricht besprochen

Einige von ihnen haben das Thema „Flüchtlinge“ aus aktuellem Anlass schon im Unterricht thematisiert. So auch die Schülerinnen aus Monschau. Jasmine Drechsel (15) geht in die selbe Klasse wie Samantha Wilden und berichtet: „Wir haben viele Zeitungsartikel darüber gelesen und analysiert.“

Außerdem hätten sie mal die Möglichkeit gehabt, einen Lkw zu sehen, der Flüchtlinge transportiert habe. „Das war schon krass zu sehen“, schildert Mitschülerin Samantha ihre Eindrücke, „wir sind einmal durch den Lkw gelaufen – das war echt erdrückend.“ Solche Erlebnisse und Aktionstage wie der „Tag des Flüchtlings“ auf Vogelsang hinterlassen sichtlich Eindruck bei den Schülern. Etschenberg hofft, dass den Jugendlichen durch den Schülertag bewusst wird, „welches Glück es ist, hier aufwachsen zu dürfen“. Zudem soll auf diese Weise ein wichtiger „Grundstein für die Integration gelegt werden“.

Im Umgang mit den Flüchtlingen sei es besonders wichtig, sie nicht als „etwas zu sehen, was man aufgedrückt bekommt“, unterstrich Sufi. Wenn das gelinge, habe sich das Flüchtlingsthema schon zum Positiven gewendet.

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