Täter hockt in der Hundehütte

Von: Ernst Schneiders
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Einer der drei Täter wurde bei einem Bauernhof festgenommen. Foto: sm

Simmerath. Als Polizeisprecher Paul Kemen am Freitagmorgen um halb sieben aus den Federn steigt und aus dem Fenster schaut, da sagt er zu seiner Frau: „Es ist so ein schöner Tag. Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich am liebsten in die Eifel fahren!” Er musste arbeiten - und er fuhr in die Eifel.

Nach Simmerath, wo morgens um acht ein Gebrauchtwagenhändler von drei bewaffneten Männern überfallen worden war.

Gegen 8.45 Uhr löst die Polizei Großalarm aus, und speziell an der Monschauer Straße herrscht für Stunden Ausnahmezustand: Massen von Polizisten bevölkern die Umgebung, ein Hubschrauber knattert über dem Gebiet - es herrscht die Befürchtung, dass irgendjemand mit einer Waffe auftaucht, der da nicht hingehört. Ein Anwohnerin schildert später ihre Angst: „Ich habe aus dem Fenster geschaut, und da waren plötzlich bewaffnete Polizisten im Garten. Sie legten die Zeigefinger auf ihre Münder, ich solle ruhig sein. Ich wusste doch gar nicht, was los war.”

Unterdessen machen einige Gäste der bei Motoradfahrern und Ausflüglern beliebten „Biker Ranch” in der Nähe ihre Witze über den Aufmarsch der Ordnungshüter, andere schauen doch etwas beunruhigt auf das, was sich jenseits des Kreisverkehrs abspielt.

Nachmittags um drei ist die Polizei dann weitgehend abgerückt, die Straßensperren aufgehoben, die besten Plätze auf der Biker Ranch leer. Noch einige Streifenwagen stehen an der Monschauer Straße. Eine Hundeführerin durchsucht mit ihrem Vierbeiner einen Garten. Anwohner stehen in kleinen Gruppen auf dem Bürgersteig und diskutieren. Die Angst scheint gewischen. Es kehrt so etwas wie Normalität ein.

Auch auf dem Bauernhof der Familie Breuer, wo einer der Täter in einer Hundehütte gestellt werden konnte. Sein Sohn Wilfried habe den Täter auf dem Hof entdeckt, berichtet Altbauer Georg Breuer. Der Mann habe noch gebettelt „bitte, bitte, nichts sagen”. Sein Sohn habe jedoch sofort die Polizei hinzugerufen. Aber es habe in dem verzweigten und verwinkelten Gehöft noch eine Stunde gedauert, bevor sie ihn hatten, quasi neben dem Hundenapf. „Zehn Polizisten mit Waffen und Schutzkleidung standen um ihn herum”, berichtet Breuer. „Da hat er gesessen. Ziemlich untersetzt war er, aber er sah eigentlich völlig normal aus, nicht wie ein Verbrecher.”

Den ganzen Vormittag haben Wilfried und Georg Breuer die Polizei über den Hof geführt, den Ermittlern alle möglichen Verstecke gezeigt. „Die waren sogar in den Schlafzimmern”, erinnert sich Breuer, „aber das ist mir lieben, als wenn nachts einer unter dem Bett hervorkriecht.” Dazu wird er wohl nicht kommen, denn die Polizei vermutet nach zwei Festnahmen den „dritten Mann” nicht mehr in der näheren Umgebung.

Dennoch verläuft der Einsatz nicht ohne Panne. Vor dem Tatort in Rollesbroich steht am Nachmittag ein dunkler Opel Ascona mit offener Motorhaube. „Ah, das Täterfahrzeug!?” Polizeisprecher Paul Kemen verneint, senkte den Blick und murmelte leise: „Nein, das ist nicht das Täterfahrzeug. Das ist ein Dienstwagen der Kripo. Der hat gerade noch bis zum Tatort gehalten. Der muss an den Haken.” Spricht´s, und schon biegt der Abschleppwagen um die Ecke.

Nach dem dritten Täter wird im Moment noch gefahndet. Er soll 1,65 Meter groß sein und von kräftiger Statur. Laut Polizei hat er einen auffallenden Entengang. Ein Polizeiseelsorger betreut zurzeit die unter Schock stehenden Zeugen. Die umfangreichen Ermittlungen zur Identität der zwei Festgenommenen dauern noch an. Bei der am Tatort gefundenen Waffe handelt es sich um eine Spielzeugpistole.
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