SV Rott verteidigt den „Pott“ im Elfmeterschießen

Von: M. S.
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Die siegreichen Mannen von Pokalverteidiger SV Rott (gestreifte Trikots) und ihr durchaus ebenbürtiger Gegner, die Herthaner aus Walheim in Gelb, kurz nach dem Schlusspfiff der Finalpartie. Foto: Manfred Schmitz

Eicherscheid. Er war der wohl genialste Vollblutstürmer, den der Bezirks-Fußballligist SV Germania Eicherscheid in seiner fast 90-jährigen Geschichte je hervorbrachte. Aufgrund dauerhaft exzellenter Leistungen auf dem Platz vielfach geehrt, feierte der „Vollstrecker vom Dienst“ seinen spektakulärsten Triumph vor 30 Jahren im Trikot des renommierten königlich-belgischen Provinzklässlers RFC Sankt Vith, als er für dessen Farben in 313 absolvierten Meisterschaftsspielen 316 Tore erzielte.

Robert Löhrer, „Kopfballungeheuer“, aufgrund seiner Blitzdribblings und Rochaden gefürchteter Schrecken und Wirbelwind in gegnerischen Abwehrreihen, von verschworener Nordeifel-Fangemeinde wie euregional gefeierter „Eifelbomber“, erlag 1993 einer tückischen Krankheit. Nimbus und Legende des fairen, vorbildlichen Ausnahmesportlers aber leben, er wurde durch den von seinem Stammclub Germania ins Leben gerufenen „Robert-Löhrer-Gedächtnis-Cup“ unsterblich.

Das überregional beachtete Sommerturnier zu Ehren eines begnadeten Torjägers ging jetzt, ab dem 12. Juli und zum vierten Mal in Folge, über den Bachstraßenrasen und fand Sonntagnachmittag mit dem großen Finale wie mit der Partie um die Ränge drei und vier seinen krönenden Abschluss. Eine Woche Fußball auf hohem Amateurniveau, ein fachkundiges Publikum in der Germanen-Arena Bachstraße, Wetterkapriolen – von Hochsommersonne, Landregen bis früher Herbstkühle – und dennoch Bombenstimmung. Auf dem Rasen wie den Rängen.

Das Vermächtnis der „Eifelbombers“ fand würdige Sachwalter. Und nach fesselnden Partien stand als Turniersieger der Titelverteidiger aus dem Vorjahr erneut als glücklicher Sieger 2015 fest. Im Endspiel gegen den Bezirksligisten Hertha Walheim und einem 5:3-Erfolg nach Elfmeterschießen holte sich Landesligist und gesetzter Titelaspirant SV Rott wieder den Pott.

Schwerstarbeit für Schiedsrichter

Nach Ende der regulären Spielzeit, oft von peitschendem Regen und heftigen Windböen beeinträchtigt, hatte die Begegnung 3:3-Remis gestanden. Strafstöße mussten die Entscheidung herbeiführen. „Stadionsprecher“ Ludwig Siebertz hielt mit sachkundigen Kommentaren die Zuschauer stets auf Ballhöhe. Er gab bekannt, der Turniererste dürfe mit 750 Euro Prämie rechnen, selbst für den Achten in der Schlusstabelle waren noch 75 Euro für die Mannschaftskasse „drin“.

Das umsichtig leitende Schiedsrichtertrio – Joachim Hill, Orsbach, Michael Herpers, Laurensberg, und Marcel Mouklen-Schulz (Berger Preuß) bekam Mitte der zweiten Halbzeit tüchtig Arbeit und zückte farbige Karten; das Treffen wurde hektisch und ruppig. Eicherscheids künftiger Gegner in der Bezirksklasse, Walheim II, ging in der 22. Spielminute durch Denis Arige in Führung; ein Klassenunterschied zum Landesligisten Rott war bis dahin nicht zu erkennen.

Dann aber schlug, als die Unparteiischen mit Freistößen und sogar Elfmetern reihenweise grobe Fouls ahnden mussten und bunte Karten zückten, die Stunde des Rotter Stürmers Hassan Er. Trotz Unterzahl der Rot-Weißen nach Platzverweis, brachte Hassan Er seine Mannschaft zunächst auf die Siegesstraße. Er traf gleich dreimal, zweimal per „Traumtor“, einmal per Strafstoß.

Die tapferen Walheimer Gelbhemden focht´s aber nicht an; sie kämpften sich heran, machten einen 1:3-Rückstand durch fulminante Treffer von David Schrack und Noah Zigati wett. Spannung also bis zur 90. Minute. Im Elfmeterschießen aber hatte Rott das Glück des Tüchtigen und wandelte das Unentschieden zum Cup-Gewinn. Zur Siegerehrung in der Germania-Ecke spendete Petrus reichlich Segen von oben.

Zu einem wahren Schützenfest geriet die Begegnung um den dritten und vierten Platz. Hier standen sich der TuS Lammersdorf und die gastgebenden Eicherscheider Germanen gegenüber. Die Paarung verlief anfangs ausgeglichen. Die frühe Führung des Ausrichterteams (Marcel Hermanns, 5. Minute) glich Til Krank für die Laimischer zehn Minuten später aus. Dann aber brachen alle ihre Abwehrdämme. Nach dem umstrittenen 2:1 für Eicherscheid fielen die Tore wie reife Früchte: Daniel Krott, Nico Wilden (drei Torerfolge und butterweiche Vorlagen für vollendende Mitspieler), Sascha Treitz und Jens Lutterbach trugen sich in die Scorerliste ein, am Ende hieß es 8:1 für die Gastgeber. Doch beileibe kein Debakel für die tapfere TuS-Garnitur! In der Vorrunde hatten sich die Mannen aus dem „Junkerdorf“ ihrerseits in einen wahren Torrausch gespielt, als sie ihre Namensvettern aus Mützenich wie die Eicherscheider Zweitgarde mit 8:0 bzw. 7:0 schlugen.

Im Halbfinale am Freitag hatten sich die Lammersdorfer beim 2:4 gegen den drei Klassen höheren SV Rott ebenfalls sehr gut geschlagen. Überraschender war da die 0:1-Niederlage der Gastgeber gegen die U23 von Hartha Walheim. „Manni“ Wilden, fünf Jahre Trainer der Lammersdorfer, über das heutige Team: „Die Jungs sind gut drauf, bieten technisch reifen Sport mit hoher Torausbeute. Nicht von ungefähr ist Leopold Schorr mit sieben Einschlägen ins gegnerische Gehäuse der erfolgreichste Torschütze des Turniers.“

Vier Spiele in einer Woche

Kommentator Siebertz („Zur reibungslosen Abwicklung unserer Sportveranstaltung setzte der SV Germania 15 freiwillige Kräfte ein“) sieht auch die harten konditionellen Anforderungen an die Spieler als Grund für den Einbruch beim Turniervierten: „Viermaliger Kräftevergleich binnen einer Woche, und das bei teilweise tropischen Temperaturen – das geht an die Substanz! Alle Achtung vor den jungen Akteuren!“

Da war es nur zu verständlich, dass sich die Gegner der vergangenen Tage zur „dritten Halbzeit“ freundschaftlich in der Germania- Ecke einfanden. Hier herrschten zur Siegerehrung Biergarten-Gefühle – und da musste der Schnürlregen eine Auszeit nehmen!

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