Rohren - SV Bergwacht Rohren: 90 Jahre Sport und soziales Engagement

SV Bergwacht Rohren: 90 Jahre Sport und soziales Engagement

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Die Männermannschaft ging im Jahr 1982 als Sieger der Liga hervor.
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Ende der 1980er Jahre begann die Erfolgsgeschichte des Damenfußballs bei der Bergwacht Rohren: Die damalige Mädchenmannschaft.
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DFB-Präsident Egidius Braun (2.v.l.) war regelmäßig zu Gast in Rohren, um Spenden für Mexiko-Hilfe des DFB entgegenzunehmen, so auch 1999.

Rohren. Einer der ältesten Sportvereine der Region, der SV Bergwacht Rohren 1927, hat Grund zum Feiern. Der Verein feiert mit einem großem Programm sein 90-jähriges Bestehen. Am kommenden Wochenende, 10./11. Juni, steht der festliche Teil im Mittelpunkt, am nachfolgenden Wochenende, 16. bis 18. Juni, zeigt sich die Bergwacht ganz von ihrer vielfältigen sportliche Seite.

In einer ansprechenden Festschrift zum Jubiläum wird die wechselhafte Geschichte des Sportvereins noch einmal vor Augen geführt. Deutlich wird dabei vor allem. dass der bereits 2002 festgestellte Wandel „unseres ehemals erfolgreichen Fußballvereins sich weiter fortgesetzt hat“, schreibt der 1. Vorsitzende Georg Dreuw seinem Grußwort.

Über viele Jahrzehnte definierte sich der SV Bergwacht Rohren in erster Linie über seine fußballerische Erfolge, die den kleinen Verein auch weit über die Region bekannt machten. Seit dem letzten Jahr spielt die Bergwacht jetzt in einer Spielgemeinschaft mit dem TV Höfen. „Dieser notwendige Schritt erweist sich inzwischen als durchaus positiv, unter anderem, weil wir auch für die SG unseren erfahrenen Trainer Christoph Brandenburg halten konnten“, bilanziert Dreuw.

Aktuelle Tendenzen

Beim Jugendfußball setzt sich auch in Rohren der allgemeine Abwärtstrend weiter fort. Auch hier heißt Kooperationen mit den Nachbarvereinen das Zauberwort. Die Leichtathleten und Läufer aller Altersgruppen hingegen konnten in den letzten Jahren mit Erfolgen und einer großen Anzahl an absolvierten Sportabzeichen und vielen erfolgreichen Teilnahmen an Laufwettbewerben punkten. Einen großen nachhaltigen Zulauf hat die Fahrradgruppe der Männer, und eine im letzten Jahr neu gegründete Eltern-Kind Turngruppe sowie die schon seit längerem existierende Frauengruppe mit Pilates-Training bereichern weiterhin das sportliche Angebot des Vereins.

Der letzte noch lebende Neugründer des SV Bergwacht Rohren im November 1945, Norbert Billig, hat die Schirmherrschaft für das Jubiläumsfest übernommen. „In seiner langen Geschichte hat unser Sportverein nicht nur große sportliche Erfolge erlebt, sondern auch Niederlagen und Enttäuschungen. So ist ein solches Jubiläum Anlass, auf diese bewegte und oft schwierige Geschichte zurückzublicken, aber auch in die Zukunft zu schauen.

Immer wieder waren Männer und Frauen bereit, aus Freude am Sport zahlreiche Stunden ihrer Freizeit für den Fortbestand des Vereins ehrenamtlich zu opfern. Darüber hinaus haben viele Bewohner von Rohren in langen Jahren mit wachem Interesse den Sportverein auf dem weiten Weg begleitet und ermutigt. Die Prinzipien, die die Gründer vor 90 Jahren verwirklichen wollten, bilden bis heute die Grundlage und den Zusammenhalt des Vereins“, schreibt Billig.

Gottfried Blum, seit Jahrzehnten in vielen Vorstandsfunktionen einer der Aktivposten des Vereins, hat in der Festschrift detailliert und lebendig die 90 Vereinsjahre des SV Bergwacht Rohren nachgezeichnet.

Die ersten Bemühungen, in Rohren einen Fußballverein zu gründen, gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Nachdem 1913 in Roetgen ein Fußballverein gegründet wurde, versuchte man auch in den anderen Orten Vereine dieser Art ins Leben zu rufen. Jedoch hemmte der Krieg die weitere Entwicklung. Nach dem Ersten Weltkrieg waren es die Turnvereine, die mit ihren Handballmannschaften und Turnfesten einen geregelten Sportbetrieb im Monschauer Land aufnahmen. In Rohren selbst wurde auch auf einigen holprigen Wiesen Sport betrieben, doch hatte niemand die Initiative zur Gründung eines Sport- oder Fußballvereins ergriffen. Zu dieser Zeit, etwa 1920 bis 1927, existierte zwar in Rohren ein Gesellschaftsverein mit dem Namen „Laeticia“, der auch einige Sportveranstaltungen durchführte, doch durfte man diesem Verein erst nach dem 18. Lebensjahr beitreten.

Im Sommer 1926 kamen eines Sonntags die Turner des Höfener Vereins nach Rohren und versuchten, durch eine öffentliche Turnveranstaltung den Rohrenern diesen Sport schmackhaft zu machen. Mit Pferd und Wagen hatten sie ihre gesamten Turngeräte nach Rohren gebracht und auf einer Wiese hinter dem heutigen Vereinslokal Dederichs aufgebaut. Wenn auch in den folgenden Wochen die Rohrener Jugend an allen möglichen Zäunen und Hecken Turnübungen machte, so setzte sich doch nach einiger Zeit wieder die Jagd nach dem runden Leder durch.

So wurde es dann Frühling 1927, bis endlich einer durch Rohren zog und verkündete, es werde ein Fußballverein gegründet. Es war Johann Förster (Pitte Schang), der vom Monschauer Gymnasium die ersten konkreten Gedanken und Ideen zur Gründung eines Fußballvereins mitbrachte. Schnell hatte er eine Anzahl interessierter junger Burschen um sich versammelt, die dann beschlossen, den „Sportverein Rohren 1927“ zu gründen.

Die damalige Sportplatzfrage war übrigens schnell geklärt, denn bereits zu diesem Zeitpunkt befand sich das Vereinslokal im Hause Dederichs, das auch kostenlos ein Grundstück zur Verfügung stellte.

Erstes Punktspiel 1:0 gegen Rott

Während der Sommermonate 1927 wurden einige Freundschaftsspiele ausgetragen. Wie sich der damalige Mitgründer Hermann Förster aus Widdau noch zu erinnern wusste, wurde das erste Meisterschaftsspiel im September 1927 gegen die Mannschaft aus Rott mit 1:0 gewonnen. Torschütze des einzigen Tores soll Johann Förster gewesen sein, der Vater des Rohrener Fußballs.

Für das gesamte Kreisgebiet war es damals unfassbar, dass der kleine Ort Rohren in den Jahren 1930/31 bis 1932/33 dreimal Meister in der Jugendklasse wurde. Noch viele Jahre erinnerte man sich bei den Aktiven der damaligen Zeit an das Meisterschaftsspiel der Jugendklasse in Simmerath. Durch einen unglücklichen Umstand konnte die Rohrener Mannschaft mit nur sieben Spielern in Simmerath antreten. Diese machten das schier Unmögliche wahr, indem sie die komplette Mannschaft aus Simmerath mit 4:0 Toren besiegten.

In diesen Jahren war es aber nicht nur der Fußball, bei dem die „Bergwacht“ erfolgreich auftrat. Bereits vor dem Anschluss des Vereins an die DJK, und auch noch einige Jahre später, stellte man eine sehr erfolgreiche Leichtathletikmannschaft.

Bis in das Jahr 1943 führte Alois Förster den Verein, jedoch wurden während des Zweiten Weltkrieges nur noch vereinzelt Freundschaftsspiele ausgetragen, da bereits die Meisterschaft 1939/40 nicht mehr ausgespielt wurde. Mitte 1943 kam der gesamte Fußballsport im Kreis Monschau schließlich zum Erliegen.

Groß war der Idealismus der Männer, die in den schweren Zeiten des Jahres 1945 den Wiederaufbau des Vereins in die Hand nahmen. Im November traf sich die sportinteressierte Dorfjugend zu einer Versammlung im wieder hergerichteten Vereinslokal Dederichs. Auf dieser Versammlung wählten dann die 15 anwesenden Personen als 1. Vorsitzenden Walter Dederichs, Schriftführer wurde Norbert Billig, und zum Kassenwart bestellte man Leo Lauscher. Der Sportplatz war zu dieser Zeit in einem vollkommen unbespielbaren Zustand. Fast unglaublich erscheint es, wenn man heute im Vereinsarchiv ein Schreiben findet, worin die Besatzungsmacht eine baldige Minenräumung des Sportplatzgeländes zusagt. Allein über 75 Karren Erde wurden mit Pferd und Wagen auf dem Sportplatz verteilt.

Wenn auch anfänglich etwas zögernd, so entwickelte sich doch nach und nach wieder ein reges Vereinsleben. Im Jahr 1967 ist es dann endlich soweit. Nach einem 3:2-Sieg in Simmerath wird die Rohrener 1. Mannschaft am 7. Mai 1967 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Meister in der 1. Kreisklasse Monschau. Die Mannschaft steht somit als Meister für die Qualifikationsspiele zum Aufstieg in die Bezirksklasse fest. Der Aufstieg zur Bezirksklasse wurde zwar nicht erreicht, doch geblieben war eine schöne Erinnerung an die Aufstiegsspiele.

Die Spielsaison 1969/70 brachte dem Rohrener Fußball einen seiner größten Erfolge. Am 10. Mai 1970 wurde die 1. Mannschaft mit einem 3:0-Sieg über den TuS Mützenich zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Meister der 1. Kreisklasse Monschau. Da in den Jahren zuvor der Modus zum Aufstieg in die Bezirksliga geändert wurde, war mit dieser Meisterschaft gleichzeitig der Aufstieg in die Bezirksliga geschafft.

Die Erfolge der Bergwacht liegen in diesen Jahren aber mehr in den Bereichen der Leichtathletik und des Skisports. So wird im September 1984 in Verbindung mit dem Verbandstag des Westdeutschen Skiverbandes, Bezirk Eifel, der neue Skihang im Kluckbachtal eröffnet. Die Strecke, die mit einer elektronischen Zeitmessanlage ausgerüstet ist, findet bei den Skisportlern großen Zuspruch. Am 20. Januar 1985 wird hier die legendäre Kluck-Abfahrt ausgetragen, bei der Edith Kirch und Heinz-Dieter Stein Vereinsmeister werden.

Anfang Februar 1986 werden auf dem Hang die Meisterschaften des Westdeutschen Skiverbands, Bezirk Eifel, mit 190 Skisportlern ausgetragen. Am 21. und 22. Februar 1987 führt die Skiabteilung in einer Großveranstaltung ein Punkterennen für den Deutschen Skiverband durch. Am 5. und 6. März 1988 findet wieder mit 110 Skiläufern die Kluck-Abfahrt statt.

Wer hätte damals gedacht, dass dies die vorläufig letzte Skiveranstaltung sein sollte? Der Winter hatte sich aus der Eifel verabschiedet, und es wurden in den Folgejahren wegen Schneemangels keine Veranstaltungen mehr ausgetragen.

Neue Breitensport-Angebote

Im Rahmen der neuen Angebote zum Breitensport wird zum Jahresende 1987 unter der Leitung von Walter Förster, selbst aktiver Tischtennissportler, erstmals im Saal Warbel ein Tischtennisturnier für Freizeitsportler angeboten.

Vom Erfolg gekrönt war das Jahr 1993 für die Damenmannschaft, die am 12. Mai mit einem 1:1 unter Trainer Helmut Schophoven in Schleiden bei Jülich den Meistertitel erringt. Mit einem Punktekonto von 35:5 und 65:21 Toren war der Aufstieg in die Verbandsliga geschafft. Doch leider konnte diese Spielklasse nicht gehalten werden, und im Frühjahr 1994 stieg die Mannschaft mit 11:25 Punkten wieder in die Landesliga ab.

Abschließend hält Gottfried Blum in seiner Vereinsbilanz fest: „Die erwartete Entwicklung der sportlichen Vereinsaktivitäten vom Leistungs- zum Freizeitsport hat sich aus heutiger Perspektive nicht nur bestätigt, sondern ist aktuell und höchstwahrscheinlich auch in der Zukunft eine tragende Grundlage unseres Vereinsgeschehens. Anhand der in den letzten 15 Jahren dokumentierten Vereinsereignisse ist diese Entwicklung abzulesen.“

Beim anstehenden Jubiläum dürfte diese Entwicklung auch ein großes Thema sein, aber mindestens so gerne wird man sich auch an unvergessliche Momente aus alten Zeiten erinnern.

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