Kalterherberg - Südflügel macht Mönchen große Sorgen

Südflügel macht Mönchen große Sorgen

Von: Peter Stollenwerk
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Es gibt noch viel zu tun: Projektleiter Pater Peter Lang vor dem baufälligen und einsturzgefährdeten Südflügel des Klosters Reichenstein, der jetzt als erstes eine Notsicherung Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. Ein riesiges Loch klafft im Südflügel, Steine und morsche Balken türmen sich, die Dachkonstruktion biegt sich leicht durch. Da hält man sich lieber in sicherer Entfernung.

So sieht es aus hinter den Kulissen von Gut Reichenstein. Wer den Innenhof der 800 Jahren Klosteranlage auf der leichten Anhöhe im Rurtal zwischen Mützenich und Kalterherberg betritt, ahnt nicht, dass hinter der Kapelle der Zahn der Zeit damit begonnen hat, die historische Gebäudesubstanz zu Fall zu bringen. Vor rund 10 Jahren brach fast die Hälfte einer Seitenwand weg.

Zuerst eine Notsicherung

Nachdem das gesamte Areal im Jahr 2008 von der Piusbruderschaft St. Pius X. erworben wurde, soll auf Gut Reichenstein ein neues Zeitalter beginnen. Für jeden sichtbar wird diese Absicht mit der Start der Bauarbeiten in der vorigen Woche. Zimmerleute aus Thüringen haben im ehemaligen Stall Position bezogen, um mit Holz aus dem Reichensteiner Wald massive Konstruktionen für Notsicherung des völlig baufälligen Südflügels zu errichten.

Erst wenn diese 90.000 Euro teure Konstruktion steht, kann das Gebäude wieder gefahrlos betreten werden. Die Sicherungsarbeiten werden etwa vier Wochen dauern, ehe dann für das Frühjahr 2011 mit den eigentlichen Ausbauarbeiten begonnen wird.

In den nächsten Wochen soll der Bauantrag eingereicht werden. Um weitere Details abzuklären, fand am Dienstag in Reichenstein eine Baubesprechung statt. Unter anderem ging es darum, die Frage des Brandschutzes (hier will man sich des nahegelegenen Weihers bedienen) abzuklären, wie Projektleiter Pater Peter Lang von der Piusbruderschaft am Dienstag vor Ort erläuterte.

Der Südflügel des Klosters Reichenstein machte den zum Einzug bereit stehenden Mönchen aus dem französischen Kloster Bellaique derzeit die größten Sorgen, soll dieser Bereich doch einmal das Zentrum ihrer Aktivitäten bilden. An den Südflügel sollen eine Sakristei und der Kreuzgang angebaut werden. Von beiden Gebäuden wird es dann einen Zugang zur Kapelle geben, die auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben wird.

Im Obergeschoss des Südflügels sollen dann die Zellen für die Mönche eingerichtet werden, darunter finden sich später einmal Speiseraum, Küche und Vorratsräume. Wenn alles planmäßig läuft, sollen Ende 2011 die ersten fünf bis sechs Mönche in die Eifel kommen. Ausgelegt werden soll das Kloster aber für 25 bis 30 Mönche.

Vorratsräume spielen für neue Besitzer des Klosters Reichenstein im übrigen eine wichtige Rolle, denn die Mönche möchte soweit es geht, unabhängig von der Außenwelt leben. So sehen die weiteren Pläne auch vor, die Stall- und Wirtschaftsgebäude als Werkstatt- und Produktionsgebäude zu nutzen. Keineswegs aber, betonte Pater Lang, möchte sich das Kloster der Öffentlichkeit entziehen, im Gegenteil: Es hat vorgesehen, Gästezimmer einzurichten für Menschen, die das Klosterleben einmal näher kennen lernen möchten, außerdem ist die Bevölkerung am 15. August zum Patrozinium eingeladen.

Dass die Öffentlichkeit teilweise mit Skepsis die Veränderungen auf Gut Reichenstein beobachtet, ist auch Pater Lang nicht entgangen, doch möchte er die Gemüter beruhigen: „Die Mönche möchten nur den ganz normalen Glauben weiterleben.”

Der „ganz normale Glaube” bedeutet aus der Sicht der Piusbruderschaft die Verpflichtung gegenüber dem lateinischen Ritus der heiligen Messe. Die 1970 gegründete Bruderschaft gehört zu den stark traditionalistischen Kräften in der katholischen Kirche. Nach der Exkommunizierung ihres geistigen Führers, Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988, hat Papst Benedikt XVI. vier von Lefebvre geweihte Bischöfe der konservativen Bruderschaft in diesem Jahr rehabilitiert.
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