Stumme Zeugen eines sinnlosen Krieges

Von: Anneliese Lauscher
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Durch frisch gefallenen Schnee wanderte die Gruppe am Westwall; Mario Cremer wusste viele Details über die Geschehnisse auf der Paustenbacher Höhe. Foto: Anneliese Lauscher

Paustenbach. Das Wetter war nicht gerade einladend, als sich am Samstag eine knapp 20 Personen starke Gruppe auf den Weg zur Paustenbacher Höhe machte: Gegen den eisigen Wind stapften die Teilnehmer der Exkursion durch Schneewehen bergan.

Die „ZIF“ hatte eingeladen. Die Abkürzung steht für „Zeitgeschichte: Interdisziplinäre Forschungsgruppe“; diese Gruppe ist ein Zusammenschluss von Historikern, Heimatforschern, Fachautoren und Sozialwissenschaftlern aus dem Raum Aachen/Köln, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die regionale Zeitgeschichte zu erforschen und zu präsentieren, dabei arbeiten sie mit örtlichen Geschichtsvereinen zusammen.

Zu ihrer „friedenspädagogischen Arbeit“ gehören Exkursionen wie die am Samstag; an Orten mit historischer Bedeutung wird den Teilnehmern das Geschehen vor Augen gehalten.

Diesmal hatte man den Weg von der Bickerather Grillhütte hoch zur Paustenbacher Höhe gewählt. „Dieses Gelände galt als eines der am stärksten befestigten Gebiete im Westwall südlich von Aachen beziehungsweise im Hürtgenwald“, so die ZIF. Menschen jeden Alters interessieren sich offensichtlich für die lokale Historie; die jüngsten Besucher waren 30, der älteste 87 Jahre alt. Aus Holland waren Gäste gekommen; sogar aus den USA reiste ein Ehepaar an – der Großvater hatte hier gekämpft.

Mario Cremer aus Heimbach führte die Exkursion und wartete mit Einzelheiten zum Kriegsgeschehen auf, die sich hier ereignet hatten. „Am 13. September 1944 kamen die Amerikaner hier an“, berichtete er. Er ging besonders auf die Bedeutung des Westwalls ein, dessen Relikte hier noch stark ins Auge fallen. „So ganz unbedeutend war der Westwall nicht“, gab er zu bedenken, „er hat durchaus den Angriff am Boden aufgehalten. Kein amerikanischer Panzer hat die Höckerlinie im Kampf überwunden.“

Am Eifelkreuz „auf der Kopp“ verweilte die Gruppe; erst im Juni des letzten Jahres wurde das Holzkreuz zum fünften Mal neu errichtet und im Oktober eingeweiht. Erwin Finken, der Vorsitzende des Ortskartells Simmerath, erläuterte die Geschichte des Eifelkreuzes und des Gedenksteins.

Mario Cremer las aus Feldberichten der 16-tägigen Kämpfe auf dieser Höhe vor, was unter den Anwesenden Betroffenheit hervorrief. Man konnte sich trotz des Schnees gut vorstellen, welch weiten Blick man hier bei guter Sicht hat und dass diese Höhe deshalb von strategischer Wichtigkeit war.

Das Gedicht „Paustenbacher Höhe 1947“, das der heute 87-jährige Paustenbacher Oswald Jansen im Jahre 1947 geschrieben hat, trug Erwin Finken vor; in sehr beeindruckender Weise wird hier die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges anprangert.

Die Gruppe ging wieder hinunter zur Grillhütte, mit Autos fuhren alle zur K20 ins Kalltal, um noch den „Bunker 220“ zu besichtigen sowie die „Pack-Garage“ am Härrisberg. Hier sei die Einsatzzentrale für die Verteidigung der Kopp gewesen, erklärte Mario Cremer, die erbitterten Kämpfe während 16 Tagen haben viele Tote und Verletzte gefordert.

Die Teilnehmer bedankten sich für die interessanten Ausführungen und waren sich einig, dass man die traurigen Ereignisse nicht vergessen dürfe.

Die Gruppe ZIF sieht es auch als einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit, Zeichen der Versöhnung über die Grenzen hinweg zu setzen: Für den 9. März ist die Einweihung des Friedenskreuzes an der Mestrenger Mühle geplant. Am 23. März führt eine weitere Exkursion zum „Ochsenkopf“ bei Vossenack-Germeter.

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