Studenten liefern neue Ideen für Monschau

Von: Peter Stollenwerk
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In der Monschauer Altstadt liegt das Geld zwar nicht auf der Straße, aber das Potenzial für weitere Angebote ist vorhanden. Ideen und Vorschläge gibt es reichlich. Foto: P. Stollenwerk
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Neue Ideen für Monschau. Eine internationale Studentengruppe um Organisator Prof. Dr. Gerd Wassenberg schaute jetzt unvorgenommen auf die Stadt und präsentierte Bürgermeisterin Margareta Ritter die gewonnenen Erkenntnisse.

Monschau. Fehlt es der Monschauer Altstadt an etwas? Kaum ausgesprochen ist diese Frage, da hagelt es schon Antworten, doch das Problem ist, dass auf die immer gleiche Frage auch immer wieder die gleichen Antworten folgen. Doch es geht auch anders.

Es geht aber auch anders: Eine internationale Studentengruppe verbrachte jetzt eine Woche in Monschau mit der reizvollen Aufgabenstellung, einen unverstellten Blick auf die Altstadt zu werfen, sich anregen zu lassen und daraus konkrete und möglichst nachhaltige Ideen für die Zukunft der Stadt zu entwickeln.

An Kreativität mangelte es der 16-köpfigen Gruppe nicht. Die Teilnehmer, darunter auch mehrere Professoren, stammten aus Montenegro, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien. Außerdem waren fünf Studenten der Fachhochschule Aachen im Team.

Vier- bis sechsmal im Jahr kommen internationale Gruppen auf Vermittlung von RWTH-Professor Dr. Gerd Wassenberg zusammen. Der ausgewiesene Marketing-Experte hat diese so genannte „Summer School“ ins Leben gerufen, die nun wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit für das Projekt Monschau kurzerhand in „Pre Christmas Summer School“ umgetauft wurde.

Es geht bei diesen Treffen nicht um Weltverbesserung, sondern um möglichst konkrete und verwertbare Erkenntnisse für die Region. So ging es bei der vorangegangenen Veranstaltung in Mazedonien beispielsweise um das Thema Existenzgründungen, während für Monschau natürlich das Thema Tourismus auf dem Tablett serviert wurde.

Organisator Gerd Wasserberg: „Für unsere Treffen ist wichtig, dass am Ende ein Ergebnis steht.“ So waren die jungen Leute aufgefordert, unvoreingenommen, unbelastet und durch die Brille des Gastes, der zum ersten Mal die Stadt besucht, „Ideen zu sammeln, die zum weiteren Nachdenken anregen“. Außerdem wurden intensive Gespräche mit Gästen und Gastronomen geführt.

An Ideen, die in vier Arbeitsgruppen zu Papier gebracht wurden, mangelte es nicht. Gespannt auf das Ergebnis der vier Arbeitsgruppen war auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, die die Gruppe jetzt im Rathaus empfing.

Die ernüchternde Erkenntnis, dass der Monschau-Tourist durchschnittlich nur rund 30 Euro am Tag in der Stadt lässt, bedeutet noch viel Luft nach oben. Auffallend auf den ersten Blick war der hohe Leerstand in der Altstadt, mehrere geschlossene Hotels (im November) und die gähnende Leere in der Stadt, wenn die Tagesgäste wieder in ihre Busse geklettert sind. „Es klafft eine riesige Lücke zwischen dem lebhaften Tagestourismus und dem dürftigem Angebot am Abend“, heißt es.

Mehrsprachige Hinweisschilder wurden ebenso vermisst, wie auch eine attraktive nächtliche Illumination. Die Studenten vermissten auch einen Fahrplan für die Stadtbahn und bemängelten geschlossene Brücken auf den ausgewiesenen Nordic-Walking-Strecken. Bei der Bevölkerung, so ergaben Gespräche, vermisste man „Offenheit für Veränderungen“.

An Anregungen zur Motivations-Steigerung fehlte es hingegen nicht. Neben der etablierten Monschau-Klassik biete die Burg noch Potenzial für Musik-Events am Wochenende mit mehreren Bands. Kletterfelsen, Mini-Golf, Tennisplätze, Offroad-Strecken, Billard, Bowling, Rafting auf der Rur, eine Diskothek oder einen Indoor-Spielplatz setzten die Studenten ebenfalls auf die Vermisstenliste, wie auch eine Filiale der Senfmühle im historischen Ortskern.

Intensiv hatten sich die Arbeitsgruppen auch mit dem Thema Märchen-Festival beschäftigt, ein Angebot, das wie geschaffen sei für das zauberhafte Ambiente der Altstadt Monschau.

Vorstellbar sei auch eine Kreativ-Schule, in der die Gäste aktiv sein könnten, Modenschauen, ein Folklore-Festival, die stärkere Einbindung der heimischen Landwirtschaft oder auch die Bereitstellung von leerstehenden Häusern für Nachwuchs-Künstler.

Potenzial Fachwerkhäuser

Als größtes Potenzial der Stadt erkannten die Studenten die Fachwerk-Architektur in Monschau. 307 geschützte Fachwerkhäuser seien in Monschau registriert. Im Vergleich zur berühmten deutschen Fachwerkhaus-Stadt Rothenburg (350 an der Zahl) könne Monschau sich noch viel stärker in den Blickpunkt rücken.

Bürgermeisterin Margareta Ritter zeigte sich angetan von der Fülle der Ideen, „von denen einige bereits in der Umsetzung sind“. Ein Märchen-Festival sei bestimmt eine sehr attraktive Idee für Monschau, wobei sie wenig Begeisterung für ein ebenfalls vorgeschlagenes Mittelalter-Festival zeigte: „Das sehe ich die Gefahr der Rückführung in die Vergangenheit.“ Monschau aber brauche „ein modernes Gesicht“.

Die größte Herausforderung für die Zukunft bestehe ihrer Auffassung darin, „die in der Altstadt existierenden Defizite für junge Leute ausräumen“.

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