Strick-Marathon: Dauereinsatz für die Leprahilfe

Von: Yvonne Schneider
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Dauerhaft im Einsatz für die gute Sache: Die Frauen des Leprakreises Rurberg treffen sich einmal wöchentlich im Pfarrheim. Foto: Yvonne Schneider

Rurberg. Montags ist Stricktag im Pfarrheim Rurberg: Von 14 bis 16.30 Uhr wird hier fleißig gestrickt. Insgesamt acht Frauen zwischen 80 und 90 Jahren treffen sich hier und stricken Decken, die an hilfsbedürftige Menschen gespendet werden. Der Strick-Marathon findet im Rahmen der Leprahilfe der Region Eifel statt.

Die Leprahilfe der Region Eifel wurde 1978 gegründet und setzt sich heute aus 51 Leprakreisen zusammen. Sie ist ein Teil der 1963 gegründeten Aktion Mission und Leprahilfe Schiefbahn e.V, welche aus ca. 2000 ehrenamtlichen Mitarbeitern besteht. Die Mitarbeiter haben es sich zur Aufgabe gemacht Menschen in Entwicklungsländern durch Aktivitäten wie Basare oder Spenden zu helfen.

Pater Roland der Initiator

Die Gründungsidee der Leprahilfe in der Eifel ist auf den Franziskanerpater Roland Bramkamp, der im Jahr 2012 verstarb und über viele Jahrzehnte als Internatsleiter und Pädagoge die Bildungseinrichtung prägte, zurückzuführen. Auslöser für seine Idee waren tiefgreifende Eindrücke einer Reise nach Kamerun. In Zentralafrika traf er auf die Priester Pierre und Raymond Jaccard, die in einem Krankenhaus über viele Jahre bereits Prothesen für Leprakranke herstellten. Durch diese Eindrücke angeregt, rief er den Weltlepratag ins Leben, ein jährlich stattfindendes Treffen im Franziskanerkloster in Vossenack.

In gemütlicher Atmosphäre, bei Kaffee und Kuchen stricken die Frauen in Rurberg gemeinsam und tauschen sich dabei auch über die Geschehnisse der vergangenen Woche aus. Die bunten Decken benötigen jeweils ca. 800 Gramm Wolle und setzten sich aus 48 individuell angefertigten quadratischen„Lappen“ zusammen, erklären sie. Eine Decke zu stricken, sei mit viel Arbeit verbunden und nehme mehrere Wochen Zeit in Anspruch. „Wenn man zügig strickt, schafft man einen Lappen pro Stunde“, sagt Lilo Wollgarten. Das anschließende Zusammennähen einer Decke dauere drei Stunden. Die fertigen Decken werden an die Leprahilfe Schiefbahn weitergeleitet und gelangen von dort aus in die Entwicklungsländer. Jährlich spendet der Leprakreis Rurberg ca. 70 bis 80 Decken an Bedürftige in der Welt. Einen Teil der benötigten Wolle wird von der Leprahilfe Schiefbahn bereitgestellt oder gespendet, doch oft bringen die Frauen ihre Wolle auch von Zuhause mit.

Was aber passiert eigentlich mit den Decken vor Ort? Der Koordinator der Leprahilfe in der Eifel, Ottmar Hilgers aus Roetgen erklärt, dass die Decken den Menschen in Krankenhäusern und Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung gestellt würden. Nach dem Klinik-Aufenthalt könnten die Decken mitgenommen werden.

Die acht Frauen in Rurberg sind zum Teil schon seit Jahrzehnten im Leprakreis aktiv. Lilo Wollgarten, Hedwig Bongard, Marialies Pieper und Silvia Lutterbach gehören bereits seit ca. 15 Jahren zu dem lebendigen und produktiven Kreis. Maria Braun und Leonie Schartmann sind seit über 30 Jahren aktiv, und die 87-jährige Thekla Frings ist schon von Anfang an dabei. Seit 1972 hält sie dem Leprakreis Rurberg die Treue. Auch privat strickt sie gerne und kann „ihre Hände nicht still halten“.

Übereinstimmend sagen die Frauen, dass bei den wöchentlichen Treffen die „christliche Nächstenliebe“ im Vordergrund stehe. „Wir wollen etwas Gutes tun“ erklärten sie. Marialies Pieper betont, dass die Krankheit Lepra immer mehr in Vergessenheit geraten sei, aber auch heute noch vielen Menschen, die unter der Krankheit litten, geholfen werden müsse. Doch nicht nur der gute Zweck bewege die Frauen an den wöchentlichen Treffen teilzunehmen. „Es macht uns Spaß und wir haben ein bisschen Unterhaltung“, sagen sie lächelnd.

Sehr bedauern die Frauen die sinkende Zahl der Aktiven in ihrer Runde. Anfangs seien es bis zu 20 Teilnehmerinnen gewesen, heute nur noch acht. „Viele der ehemaligen Teilnehmerinnen sind leider verstorben und jüngeren Frauen fehlt heute oft die Zeit an den Treffen teilzunehmen“, bedauern sie.

Auch insgesamt ist die Zahl der Leprakreise in der Eifel gesunken. Seit dem Jahr 2013 sei die Zahl von 55 auf 51 gesunken, sagt Ottmar Hilgers. Doch trotz der sinkenden Zahlen werden laut Hilgers jährlich immer noch 1000 bis 1500 Decken aus der Region Eifel in Leprakrankenhäuser nach Tansania, Ghana, Kamerun, Kenia und in Flüchtlingsunterkünfte in die Türkei gebracht. Zusammen mit weiteren Hilfsgütern wie Einrichtungsgegenständen, medizinischen und landwirtschaftlichen Geräten werden sie in Containern transportiert. Um möglichst viel Platz zu sparen, werden sie vorher gepresst. Zum größten Teil unterstützt die Leprahilfe in der Eifel den französischen Doktor Rousselot in Indien mit Spenden. Die Decken gelangen aufgrund der hohen Zölle nicht nach Indien, sondern in die anderen Gebiete.

Für die Zukunft wünschen sich die Frauen, „dass auch wieder mehr jüngere Frauen die Zeit finden, um für die Leprahilfe zu stricken , damit der Leprakreis in Rurberg erhalten bleibt.“

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