Stress mit Telefondienstleister wegen acht Cent

Von: P. St.
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Der Griff zum Telefon kann man
Der Griff zum Telefon kann manchmal mit Risiken verbunden sein: Das erfuhr auch jetzt Helene Breuer aus Rurberg in Form einer Rechnung. Foto: imago/Sven Simon

Rurberg. „Protel bietet Ihnen die Möglichkeit, günstige Telefonate ins In-oder Ausland zu führen. Es freut uns sehr, dass Sie auch unsere Leistungen in Anspruch genommen haben.” So freundlich und verbindlich beginnt ein Schreiben des privaten Telefondienstleistungsunternehmens Protel GmbH mit Sitz in Düsseldorf.

Dabei handelt es sich bei dem Schreiben um eine Mahnung für eine nicht bezahlte Rechnung.

Das Schreiben ist an Helene Breuer aus Rurberg gerichtet, und dessen Inhalt hat die ältere Dame in leichte Unruhe versetzt, war sie doch bislang der Meinung, immer fristgerecht und exakt ihre monatliche Telefonrechnung der Telekom bezahlt zu haben.

Doch auf der Augustrechnung 2012 der Telekom, die auch für den privaten Anbieter Protel für die außerhalb des Telekom-Netzes geführten Gespräche die Gebühren einzieht, war ihr entgangen, dass Protel noch eine Restforderung von 0,08 Euro aufgelistet hatte. Diesen acht Cent hatte sie allerdings keine große Bedeutung beigemessen - bis zum 12. Oktober, als die Protel-Rechnung, diesmal mit Mahngebühren, ins Haus flatterte.

Mahngebühr von 4,76 Euro

Es ging nun nicht mehr um acht Cent, sondern um mehr. Schreibauslagen, Porto, Verzugszinsen, Aufwendungen und 19 Prozent Mehrwertsteuer summierten sich auf eine Mahngebühr von 4,76 Euro. Hinzu kam die inzwischen von acht auf zehn Cent aufgerundete Rechnungsforderung. Macht unter dem Strich 4,86 Euro.

Nach der anfänglichen Empörung haben sich bei Helene Breuer die Wogen inzwischen ein wenig geglättet. Da es wohl wenig Sinn machen würde, rechtliche Schritte einzuleiten, hat sie den der Rechnung beigefügten Überweisungsträger „unter Vorbehalt” bereits ausgefüllt, aber noch nicht bei ihrer Bank abgegeben.

Das Zustandekommen einer solchen Rechnung ist für sie dennoch nicht nachvollziehbar: „Wenn ein menschliches Gehirn dahinter stecken würde, dürfte so etwas nicht passieren.” Ihrer Meinung nach müsse ab einer gewissen Kleinstbetrag-Grenze eine Bagatell-Regelung greifen. „Das ist doch grotesk.” Am Ende muss Helene Breuer über die ganze Geschichichte dann doch ein wenig schmunzeln: „Das sieht man einmal, was daraus werden kann, wenn man 0,08 Euro nicht überweist.”

Dennoch sieht sie nun schon mit leichter Unruhe der nächsten Telefonrechnung entgegen und hofft, dass sie nicht wieder einen Bagatellbetrag übersehen hat.

Nichts Ungewöhnliches

Beim Telefondienstleister Protel sind solche Mini-Forderungen für die Nutzung des „Call by Call”- Angebotes durchaus nichts Ungewöhnliches wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage der Lokalredaktion bestätigt. Es handele sich um standardisierte Schreiben, die automatisch bei einer Zahlungsdifferenz an die Kunden geschickt würden. Nicht selten handele es sich dabei um kleinste Cent-Beträge. Bei mehreren tausend Kunden könne auch bei Mini-Forderungen da „einiges zusammenkommen”.

Im Falle von Helene Breuer aus Rurberg empfiehlt das Düsseldorfer Unternehmen, dass „die Dame sich mit uns in Verbindung setzen soll”. Die Unternehmenssprecherin: „Wir können das bestimmt regeln. Wir sind keine Briefkastenfirma sondern telefonisch erreichbar.”

Nicht immer sind Mahngebühren gerechtfertigt

Wer eine Rechnung nicht pünktlich bezahlt, muss längst nicht immer Verzugszinsen und Mahnkosten zahlen. Selbst wenn die Zahlung laut Rechnung bis zu einem bestimmten Tag erfolgen muss, gerät der Schuldner nicht automatisch in Verzug. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil aus dem Jahre 2007 festgestellt.

Rechtlich entscheidend sei, so die Richter, dass zur Zahlung von Zinsen und Mahnkosten verpflichtet sei, wer in Verzug gerate. Allerdings gebe es Ausnahmen: Der Mahnung bedürfe es nicht, „wenn für die Leistung eine Zeit nach dem Kalender bestimmt ist”. Eine solche Bestimmung einer Zeit liege nicht vor, wenn in der Rechnung bloß ein Zahlungstermin genannt werde. Nur bei einer Einigung darüber, dass der Gläubiger berechtigt sein soll, einen verbindlichen Termin zu setzen, liege eine solche Bestimmung vor.
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