Streit um Windräder: Weitere Geräuschmessungen im Winter

Von: Peter Stollenwerk
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Ein Gutachten bestätigt Kläger Otto Theißen aus Raffelsbrand störende Geräusche durch Windräder. Nun soll noch eine weitere Dauermessreihe im Winter folgen. Foto: P. Stollenwerk

Raffelsbrand. Vier Windenergieanlagen mit Nabenhöhen zwischen 65 und 98 Meter befinden sich am Standort Raffelsbrand. Hier liegen die landwirtschaftlichen Gehöfte weit auseinander, und die meisten Betriebe sind als Anteilsnehmer am Windpark beteiligt. Otto Theißen (63), der mit seinem Hof am Rande der Siedlung liegt, verfolgt dagegen mit Unterstützung seines Rechtsanwaltes ein anderes Ziel.

Er möchte die Windräder, die seiner Aussage nach eine nicht akzeptable Lärmbelästigung darstellen, am liebsten zum Schweigen bringen. Auch den Schattenwurf der Anlagen, die bis auf 300 bzw. 425 Meter an seinen Hof heranreichen, empfindet er als Beeinträchtigung. Theißen, der einen Hof mit 32 Kühen bewirtschaftet, weiß, dass er ein einsamer Kämpfer gegen die Windmühlen ist, aber aufgeben will er nicht, und erst recht nicht, wenn er, wie kürzlich geschehen, einen kleinen Teilerfolg verbuchen kann.

Das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) nahm im Auftrag des Kreises Düren in diesem Frühjahr (20. März bis 24. April) eine Überwachungsmessung der Gesamtimmissionen am Wind-Standort Raffelsbrand vor.

Dazu wurde eine Dauermessstation errichtet, die die Daten aufzeichnete. Die Messung erfolgte im Auftrag der Behörde, weil eine Einzelperson sie nicht veranlassen kann. Den für ihn wichtigsten Satz im jetzt vorliegenden 20-seitigen Gutachten hat Otto Theißen dick unterstrichen: Die Lanuv-Gutachter registrierten Geräusche „mit einer außergewöhnlich starken Störwirkung“.

Den höchsten Störfaktor erzeugte erwartungsgemäß die dem Gebäude am nächsten stehende Windkraftanlage. Daher empfehlen die Gutachter eine Prüfung, ob diese Anlage nicht wenigstens nachts so betrieben werden könne, „dass die Impulse weniger auffällig werden“. Die Gutachter konnten allerdings nicht den Nachweis erbringen, dass im Überwachungszeitraum der Nacht-Richtwert von 45 Dezibel (dB(A)) um mehr als ein Dezibel überschritten wurde.

Daher ergeht die Empfehlung, im anstehenden Winter bei zu erwartenden höheren Windgeschwindigkeiten erneut eine Messreihe vorzunehmen. Dabei sollten die vier Windanlagen während der Messungen auch zeitweise ausgeschaltet werden, um eine Korrektur durch Fremdgeräusche vornehmen zu können.

Seitens des Kreises Düren werde eine zweite Messreihe im Winter befürwortet, sagte auf Anfrage Josef Kreutzer, der Sprecher der Kreisverwaltung Düren, da nicht auszuschließen sei, dass andere Umgebungsbedingungen (u. a. durch laubfreie Bäume) Einfluss auf die Messungen nehmen könnten. Der Anwalt von Otto Theißen fordert vom Kreis auch die Herausgabe der sogenannten „Data locks“, das sind die intern aufgezeichneten Datensammlungen der einzelnen Windkraftanlagen.

Diese Daten, sagt der Behördensprecher, seien dem Kläger wenig hilfreich, da sie keine kritikwürdigen Auffälligkeiten zeigten.

Für Otto Theißen zählt unabhängig von allen Messungen vor allem aber seine persönliche Wahrnehmung der Windkraftanlagen: Nachts im Bett vernehme er „rauschende Schlaggeräusche“, die Windradschwingungen seien regelrecht „fühlbar“ und er leide verstärkt unter Kopfschmerzen. Und nicht zuletzt seien seit dem Errichten der Anlagen „alle Fledermäuse aus Stall und Scheune verschwunden“.

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