Streit um NS-Maler Werner Peiner erhitzt Eifler Gemüter

Von: Elke Silberer, dpa
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Möchte mit der Ausstellung des 1984 gestorbenen NS-Malers Werner Peiner vor allem Aufklärungsarbeit leisten: Dieter Pesch, Leiter des Kunstforums in Gemünd mit einem Bild Peiners. Foto: Klein

Gemünd. Autor und Kabarettist Hubert vom Venn spricht den kritischen Eifelern aus der Seele: „Muss man denn einen Nazi, den keiner kannte, aus der Versenkung holen?” Wer war denn dieser Werner Peiner? Bis vor kurzem kannten vielleicht mal Kunsthistoriker den Namen.

Werner Peiner (1897-1984) zählte zur national-sozialistischen Kunst-Elite. Nun streiten Menschen in der Region, ob die Eifel dem 1984 gestorbenen und fast vergessenen Maler, der auch in der Eifel arbeitete, Beachtung schenken sollte.

Kunsthistoriker sehen in Peiner eine interessante Figur. Günstling der beiden mächtigsten Männer im Reich: Für Adolf Hitler war der Rheinländer einer der wichtigsten zeitgenössischen Maler. Göring soll sich sogar ein Bild seines Protegés übers Bett gehängt haben. In der „Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg” - eine Art Landakademie - habe Peiner Auftragsarbeiten des Nazi-Regimes übernommen und den deutschen Maler-Nachwuchs erzogen, sagt der Leiter des Kunstforum Eifel, Dieter Pesch. Nur einige Kilometer entfernt davon zog die NSDAP auf der „Ordensburg” Vogelsang ihre Eliten ran. Ein Schwerpunkt war die Rassenkunde.

„Ich will das als Eifeler nicht.”


Pesch lieferte mit seinem Projekt den Stein des Anstoßes, über den in den Zeitungen mit Leserbriefen und im Internet diskutiert wird. Seit Jahren recherchiert der frühere Leiter eines Freilichtmuseums zu Peiner. Das Projekt ist erst für 2012 geplant. Die Ausstellung soll Peiners Rolle im NS-Regime kritisch beleuchten. Aufklärung, nicht Würdigung, ist Peschs Ziel.

Die Nazi-Zeit sei lange tabuisiert worden. „Man kann nicht sagen: Es muss jetzt gut sein mit der NS-Zeit. Es darf nie gut sein”, sagt der Kurator. Es gibt die Kritiker und die Empörten in der Region. Es gibt aber auch Menschen, die helfen bei dem Projekt, stellt der Ausstellungsmacher fest. Sie bieten Dokumente und Gemälde an und wollen als Zeitzeugen berichten.

„Ich will das als Eifeler nicht.” Hubert vom Venn ist beim Thema Peiner kompromisslos. Der Mann ist überzeugter Eifeler. Er freut sich, dass sich in der Region jede Menge tut, dass die Eifel in Aufbruchstimmung ist - auch kulturell. Peiner würde die Region zurückwerfen, meint vom Venn. Ausstellung schafft Aufmerksamkeit - andere Gegner verstehen die Ausstellung sogar als „Hommage” an den Maler.

Das Zeigen von NS-Kunst sei das falsche Signal, sagt vom Venn. „Sie werden Figuren anlocken, die Sie nicht haben wollen”, schrieb der Kabarettist dem Ausstellungsmacher Pesch in einem öffentlichen Brief. Peiner wurde bisher kaum umfassend gezeigt. Für Rechte vielleicht die Gelegenheit.

Diese Befürchtung ist nicht neu. Als das belgische Militär Ende 2005 die frühere NS-Eliteschule Vogelsang verließ, war die Region zum Handeln gezwungen. Seitdem mühen sich sechs Eifelkreise und Kommunen mit der Umnutzung des Nazi-Denkmals zum touristischen Ziel ab.

Für Nazikunst-Kenner Professor Olaf Peters (Halle) ist die Ausstellung keine Frage: „Man muss es machen”, sagt er nachdrücklich. Künstlerisch sei Peiner nur zweitklassig gewesen. Aber der Mann sei eine „historisch interessante Figur”. In den letzten Jahren hatten sich zwei Dissertationen mit dem in Düsseldorf geborenen Maler beschäftigt. Peiners Schaffen umfasse die Weimarer Zeit, das Dritte Reich und die Bundesrepublik - auch wenn er da keine große Rolle mehr gespielt habe. „Da gibt es viele interessante Fragestellungen.” Ein kritischer Zugang sei wichtig und eine eindeutige Fragestellung.
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