Streit über Windenergie-Ausbau in nächster Runde

Von: Anne Grein
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Mehr Windkraft? Oder weniger?
Mehr Windkraft? Oder weniger? Oder einfach nur woanders? Über die geplanten Anlagen im Münsterwald und in der Nachbarschaft zum bestehenden Windpark Vetschau (Bild) wird weiter heftig gestritten. Derzeit werden die Einwände der Bürger und verschiedener Organisationen von der Verwaltung geprüft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Krach um den Ausbau der Windkraft in Aachen geht in die nächste Runde. Insgesamt elf Windräder sollen in Vetschau in Aachens Norden und im Münsterwald im Süden an der Grenze zu Roetgen gebaut werden.

Das Verfahren zur entsprechenden Änderung des Flächennutzungsplans läuft, aktuell konnten die Bürger Einwände geltend machen. Davon wurde auch reichlich Gebrauch gemacht. Und wie nicht anders zu erwarten: Die unterschiedlichen Auffassungen prallen aufeinander.

Da wäre zum Beispiel der Solarenergie-Förderverein, der seinen Einwand gegen die Pläne gleich auf 54 Seiten formuliert. Er ist der Planung von Windenergieanlagen naturgemäß positiv gesinnt, bemängelt jedoch das Vorgehen der Stadt: Weil der Bund alle Flächen, die für Windenergie-Nutzung zur Verfügung stehen, bereits festgelegt habe, hätte „der für die Windenergie-Planung in Aachen betriebene Aufwand und die damit verbundene Aufregung völlig vermieden werden können”. Die Windkraftbefürworter kritisieren vor allem, dass die Stadt alles tue, um den Bau von Windrädern einzuschränken.

Werden Probleme abgewälzt?

So seien die windreichsten Standorte wie Schlangenweg, Schneeberg, Seffent, Preuswald und Aachener Wald ausgeschlossen worden. Deshalb müssten mehr Anlagen in windschwächeren Gebieten gebaut werden. Schließlich sei es für ein Gelingen der Energiewende laut Solarenergie-Förderverein nötig, 50 Prozent der Flächen, die der Bund als geeignet ausgewiesen hat, auch tatsächlich zu nutzen. Doch davon sei die Stadt meilenweit entfernt: Sie wolle die Windenergie-Nutzung auf 86 Prozent der vom Bund ausgewiesenen Fläche verbieten. „Die Aachener Bauleitplanung für die Windenergie folgt dem Sankt-Florians-Prinzip”, heißt es. Aachen wälze seine Probleme auf andere Kommunen ab, denn die müssten dann die Windenergie, die in Aachen zu wenig produziert wird, auffangen.

Weiter wird kritisiert, dass die Gebiete teilweise fehlerhaft bewertet worden seien. So seien zum Beispiel die Gebiete an der A 44 ohne Begründung von der Karte potenzieller Gebiete verschwunden, „obwohl sie im Hinblick auf den Anwohnerschutz, den Naturschutz und das Windpotenzial durchaus günstige Bedingungen erwarten lassen.”

Da setzt auch der Einwand des Naturschutzbundes (NABU) an: Die Fläche zwischen der A 44 und dem Brander Wald solle für Windkraftanlagen geprüft werden, genau wie die Flächen um das Gewerbegebiet Avantis, findet die Organisation. Außerdem fordert der NABU das schnellstmögliche „Repowering” in Vetschau. Das bedeutet, dass die bestehenden Anlagen durch neue, leistungsfähigere, aber auch deutlich größere Anlagen ersetzt werden. „Hier könnte mit weniger, aber leistungsfähigeren Anlagen ein Vielfaches an Energie erzeugt werden”, sagen die Naturschützer. Dieses Vorhaben war allerdings auf massiven Widerstand bei den Anwohnern gestoßen und schließlich vor der Kommunalwahl 2009 von der Politik nicht weiter verfolgt worden.

„Auf Münsterwald verzichten”

Auf Windenergieanlagen am Münsterwald solle die Stadt laut NABU verzichten, denn das würde für Fledermäuse und Schwarzstörche zu Problemen führen. Im Allgemeinen betont der Naturschutzbund, dass bis 2020 ein Anteil von zwei Prozent der Fläche jeder Kommune für die Windkraftnutzung ausgewiesen sein müsse und deshalb nicht nur Aachen, sondern auch die Kommunen der Städteregion wie Roetgen und angrenzender Kreise ihre „Hausaufgaben” zu machen hätten.

In Vetschau indes geht der Widerstand gegen die geplanten Windräder im Gebiet Vetschauer Weg/Bocholtzer Weg weiter. In ihrer Beschwerde bemängelt die Bürgerinitiative „Windparkprotest Vetschau” vor allem, dass die Stadt Aachen „die schädlichen Auswirkungen von Infraschall auf die Gesundheit der in der Nähe lebenden Menschen wiederholt kleingeredet” habe. Sicherheitsabstände seien nicht eingehalten, sagt die Bürgerinitiative. Statt den Menschen, die ohnehin schon durch den Autobahnlärm belastet seien, immer mehr Lärm zuzumuten, „wäre vielmehr eine Lärmminderungsplanung erforderlich und längst überfällig”. Weil konkrete Untersuchungen zum Schattenwurf der Windräder fehlten, fordern die Vetschauer Bürger die Erstellung eines Schattenwurfkatasters. Außerdem kritisiert die Bürgerinitiative, dass im betreffenden Bereich Vetschauer Weg/Bocholtzer Weg Ausgleichsflächen für Avantis lägen.

„Hin- und herschieben”

Die Stadt habe argumentiert, dass man die Ausgleichsflächen doch woanders auslegen könne, sagen die Vetschauer. „Es bleibt aber dennoch zu fragen, ob es dem Sinn von Arten- und Naturschutz nicht widerspricht, wenn Ausgleichsflächen je nach wirtschaftlichem Bedarf hin- und hergeschoben werden”, so die Vetschauer.

Ihre niederländischen Nachbarn unterstützen sie in ihrem Protest gegen die Anlagen: Auch der Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Simpelveld findet, dass sie bei der Planung ein Wörtchen mitzureden haben, schließlich bedeuteten die Windkraftanlagen auch für die niederländischen Bürger eine enorme Geräuschbelästigung. Beide, deutsche und niederländische Anwohner, fordern die Stadt auf, „sorgfältig Standorte zu suchen, welche der Vorgabe Nachhaltigkeit, wozu auch der Anwohnerschutz zählt, wirklich gerecht werden”.

Die Stadt muss die Einwände jetzt prüfen und Stellungnahmen abgeben, bevor es in die nächste politische Runde geht.
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