Hellenthal - Streit in Hellenthal eskaliert

Streit in Hellenthal eskaliert

Von: Klaus Pesch
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Spektakuläre Show: Direkt üb
Spektakuläre Show: Direkt über die Köpfe der Besucher fliegen die Greifvögel in der Show in Hellenthal. Der Betreiber der Greifvogelstation hat jetzt eine eigene Kasse aufgestellt und verlangt mit sechs Euro Eintritt 50 Prozent mehr als er bislang bekam. Der Betreiber des Wildgeheges verlangt an seiner Kasse den Anteil am Eintritt von vier Euro. Foto: KR/Elvira Hilgers

Hellenthal. Ein seit langem schwelender Streit im Wildgehege Hellenthal ist am Wochenende eskaliert. Karl Fischer, Besitzer der Greifvogelstation, hat ein eigenes Kassenhäuschen aufgestellt.

Konsequenz ist, dass die Besucher zweimal Eintritt zahlen müssen, die wie gewohnt die Greifvogelshow von Karl Fischer und das komplette Wildgehege des - nicht mit Karl Fischer verwandten - Betreibers Wolfgang Fischer besuchen möchten.

Bislang zahlten die Besucher am gemeinsamen Kassenhäuschen acht Euro Eintritt, von dem der Gehege-Fischer die Hälfte an den Greifvogel-Fischer weiterleitete. Jetzt zahlen die Gäste zunächst sechs Euro beim Greifvogel-Fischer, der die Ankommenden durch eine Barriere von hohen Holzpalisaden zu seinem neuen Kassenhäuschen leitet - und das des Wildgeheges verdeckt. Das Wegerecht in großen Teilen des Parks haben beide Fischers.

So kommen die Besucher aufs Gelände, aber der Greifvogel-Fischer führt von seinen Einnahmen nichts an den Gehege-Fischer ab. Doch hinter der Greifvogelstation beginnt - vor dem Kinderzoo und dem Spielplatz - das alleinige Wegerecht von Wildgehege-Betreiber Wolfgang Fischer. Seit Sonntag steht dort sein Bauzaun. Wer weitergehen möchte, muss vier Euro für diesen Bereich nachlösen. Macht für die Besucher zusammen zehn Euro - wobei nur Karl Fischer für seine Greifvogelshow den Preis um 50 Prozent auf sechs Euro erhöht hat. Wolfgang Fischer nimmt mit vier Euro das, was auch bisher sein Anteil fürs Wildgehege war.

Seit mehreren Jahren prozessiert der Greifvogel-Fischer gegen den Gehege-Fischer. Fragt man die Kontrahenten, womit die Streitereien begonnen haben, weiß niemand eine konkrete Antwort. Sehr konkret mutete allerdings vor einige Tagen das Herausdrehen einer Sicherung durch Karl Fischer an. Dies hatte den Effekt, dass dem Wildgehege die Stromzufuhr gekappt wurde. Nach Angaben von Wolfgang Fischer kommt die Hauptstromleitung im Keller des Restaurants an.

Das gehört der Greifvogelstation. „Der Fischer will, dass wir den Hauptverteiler aus dem Keller rausholen”, sagt Wolfgang Fischer. Das könne er verlangen, aber er hätte eine angemessene Frist setzen müssen, damit der Stromversorger ein neues Trafohäuschen setzen kann. Karl Fischer wiederum schildert den Vorgang folgendermaßen: Bis zum 8. April habe die Stromversorgung neu geregelt werden sollen. „Es passierte nichts, daraufhin ist der Strom halt abgestellt worden.”

Wolfgang Fischer fehlte der Strom, um mit dem Computer im Wildgehege die Tagesabrechnung zu machen. Die Folge: Karl Fischer erhielt kein Eintrittsgeld mehr. Der wiederum sagt über Wolfgang Fischer: „Er hat sich geweigert, das herauszugeben. Das dürfte geschätzt wohl eine Summe von 5000 bis 6000 Euro ausmachen.” Die Konsequenz: Das zweite Kassenhäuschen am Wochenende.

Wolfgang Fischer wehrt sich gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen seines Kontrahenten. Er hat drei einstweilige Verfügungen gegen die Greifvogelstation erwirkt. Die jüngste ist vom Landgericht Aachen gerade zugestellt werden: Darin wird Karl Fischer verpflichtet, die Holzbarrikaden am Weg zu seiner Kasse zu entfernen. Desweiteren wurde Karl Fischer eine einstweilige Verfügung zugestellt, wonach er dem Wildgehege wieder Zugang zum Stromnetz verschaffen muss. Der reagiert gelassen: „Die einstweilige Verfügung ist angekommen, aber das wird ja keinen interessieren.” Er werde den Strom nicht wieder einschalten: „Ich muss dafür einen Elektriker kommen lassen, und der hat gerade Urlaub.”

Die dritte einstweilige Verfügung stammt bereits vom 30. Dezember 2008. Danach musste die Greifvogelstation ihre zweite Kasse, die sie schon damals aufgestellt hatte, wieder schließen. Im Hauptsacheverfahren vor dem Landgericht Aachen aber bekam Karl Fischer Recht. Vor drei, vier Wochen, sagt er, habe der Richter seiner Partei bestätigt, dass man separat Eintritt nehmen dürfe.

Wolfgang Fischer beeindruckt das wenig: Karl Fischer dürfe dennoch nicht getrennt kassieren, denn: „Wir haben Berufung eingelegt. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.” Sein Anwalt Matthias Steinmetz betont, dass die einstweiligen Verfügungen gälten, bis das Oberlandesgericht Köln abschließend entschieden hätte. Bei Zuwiderhandlung seien eine Höchststrafe von 250.000 Euro oder sechs Monate Gefängnis angedroht. Man habe nun einen Strafantrag beim Landgericht gestellt, wonach die Betreiber der Greifvogelstation ein Ordnungsgeld zahlen sollen. Demnächst käme es dann wohl zu einer mündlichen Verhandlung vor Gericht.

Die Gemeinde Hellenthal informiert auf ihrer Internetseite noch nicht über die aktuellen Entwicklungen. Das überlässt sie den Kontrahenten auf ihren jeweiligen Internetseiten. Doch glücklich ist sie über die Ereignisse pünktlich zum Anfang der Osterferien nicht. Ein Gemeindevertreter habe ihn angerufen, sagt Karl Fischer, und erklärt, die Sache habe eine sehr traurige Entwicklung genommen. „Da sage ich, da gebe ich Euch recht.”
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