Strategiewechsel bei Junker: Die Gießerei soll in neue Hände gehen

Von: Peter Stollenwerk
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In der neuen Lammersdorfer Spulenfertigungshalle: Auf Veränderung der Unternehmensstrukturen setzt die derzeitige Junker-Geschäftsführung mit (v. li.) Atilla Sumuncu (Anlagenbau), Udo vom Berg (Interims-Geschäftsführer) und Dr. Elmar Westhoff (Gießerei). Rechts Fertigungsleiter Michael Reuters. Foto: P. Stollenwerk

Lammersdorf. Der Lammersdorfer Industrieofenbauer Otto Junker möchte sich für die Zukunft stabil aufstellen und ist momentan dabei, die einzelnen Geschäftsbereiche neu zu ordnen. Von einem „Strategiewechsel“ spricht Udo vom Berg (63), der vor einigen Wochen interimsmäßig vom Aufsichtsrat eingesetzte neue Vorsitzende der Geschäftsführung.

Er ist ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrates und gehört dem Kuratorium der Otto Junker-Stifung an. Er rückte für manche Außenstehende etwas überraschend an die Stelle von Markus D. Werner, den bisherigen Vorsitzenden der Geschäftsführung. Werner, der seit 2010 auf der Führungsebene des Unternehmens tätig war, wurde beurlaubt.

Mit Frank Donsbach, zuständig für den Bereich Schmelzanlagen, wird zum 30. Juni zudem ein weiterer Geschäftsführer das Unternehmen verlassen, da im Zuge der Neustrukturierung die beiden Geschäftsbereiche Schmelz- und Wärmeanlagen zum 1. Juli zusammengeführt werden. Donsbach habe um Auflösung seines Vertrages gebeten.

Unterschiedliche Auffassungen

Was die Trennung von Markus D. Werner betrifft, spricht vom Berg von einer „längeren Vorgeschichte“. Bereits seit einigen Jahren sei innerhalb des Unternehmens darüber diskutiert worden, wie man die Ergebnisse verbessern könne. Zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat seien in dieser entscheidenden Frage die Meinungen immer weiter auseinandergegangen. Ab Mitte Februar habe man mit der Boston Consulting Group die Dienste eines Beratungsunternehmens in Anspruch genommen, um gemeinsam mit einem internen Junker-Team neue Strategien zu entwickeln. Zwischenzeitlich befinde man sich bereits in der Umsetzungsphase.

Ein wesentlicher Teil der Neuausrichtung betrifft den Geschäftsbereich der Gießerei, die von Dr. Elmar Westhoff geleitet wird und rund 140 Mitarbeiter beschäftigt. Demnach verfolgt Junker die Absicht, die Gießerei in neue Hände zu geben. Die Suche nach einem neuen Partner soll laut Udo vom Berg möglichst bald konkrete Formen annehmen „ohne etwas übers Knie zu brechen“. Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sollen ebenso sicher sein wie auch der Standort Lammersdorf. Möglicherweise würden auch nur Vermögensanteile abgegeben.

Wünschenswert ist laut Westhoff eine Wachstumssteigerung. Gleichzeitig verweist er aber auch auf die besonderen Herausforderungen der Gießerei, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten und den strengen Vorgaben des Gesetzgebers zu folgen. Gesucht sei ein Partner, „der investiert und modernisiert und sich perspektivisch dem industriellen Strukturwandel stellt“.

Im Zuge der Unternehmensanalyse, erläutert Udo vom Berg weiter, sei festgestellt worden, dass zwischen der Gießerei und dem Bereich Anlagenbau die Synergieeffekte ausgeblieben seien.

Positiv bewertet worden sei dagegen die Kompetenz des Unternehmens beim Anlagenbau. Hier sehe man noch Wachstumspotential. Eine wesentliche Empfehlung der Unternehmensberater sei es gewesen, die Servicedienstleitungen im Ofen- und Anlagenbau „deutlich auszuweiten“. Angesichts des immer größer werdenden Auftragsvolumens im Anlagenbau bedürfe es „neuer Strukturen“ , um den Erwartungen der Kunden gerecht zu werden.

Eindeutiges Ziel sei es, betont vom Berg, die Selbstständigkeit des Unternehmens Junker zu sichern und die Marktführerschaft auszubauen: „Wir brauchen eine höhere Rendite, um schlechte Zeiten zu überstehen“, sagt er. Wenn man auf die Verliererseite geraten sei, habe dies stets mit Ursachen im kaufmännischen Bereich zu tun, nicht aber mit der Technologie.

Über die jüngsten Entscheidungen des Aufsichtsrates wurden auch die Mitarbeiter in dieser Woche informiert. Wann ein neuer Geschäftsführer ins Unternehmen kommt, ist noch offen.

Interims-Geschäftsführer Udo vom Berg spricht von einem „gravierenden Prozess“, der in Gang gesetzt worden sei. Bislang sei er mit der Abwicklung zufrieden: „Das läuft partnerschaftlich. Wir wollen keine neuen Gräben aufreißen.“

Planmäßig laufen auch die Arbeiten am Bau der neuen Fertigungshalle 12. Zum 1. Juli soll die neue Spulenfertigungshalle, die für eine Investitionssumme von 4,1 Millionen Euro errichtet wurde, bezogen werden, um hier die Herzstücke eines jeden Induktionsofens unter optimierten Bedingungen zu produzieren.

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