Straßenarbeiten halten die Gäste vom Besuch ab

Von: M. S.
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„Straßenschäden – „Route degradee“: Die Warnungen sollen in Zukunft nicht mehr nötig sein. Die Sanierungsarbeiten sorgen aber nicht überall für Freudensprünge. Die Betreiber des Naturzentrums „Haus Ternell“ klagen über ausbleibende Gäste. Foto: Archiv/ P. Stollenwerk
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Christoph Mertens vom Technischen Dienst der Stadt Eupen (rechts) und seine Fachleute vom Bau erläuterten Mützenichs Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz den Stand der Sanierungsarbeiten auf der Strecke nach Eupen. Foto: Manfred Schmitz

Nordeifel. Lange warnten Schilder auf Deutsch und Französisch am Wegesrand die Autofahrer auf der von tiefen Schlaglöchern durchsetzten Monschauer Straße nach Eupen: „Route degradee – Straßenschäden“ und „Sehr gefährliche Strecke“. Damit diese Warnungen in Zukunft nicht mehr nötig sind, wurden am 15. April mit umfangreiche Erneuerungsarbeiten eines wichtigen Teilbereichs der Monschauer Straße begonnen.

Der Abschnitt ist vier Kilometer lang, er beginnt einen Kilometer vor dem Naturzentrum und Ausflugslokal „Haus Ternell“ und reicht bis zur Eupener Stadtgrenze. Die Arbeiten werden sich bis einschließlich 20. Juni hinziehen.

Mützenichs Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz war jetzt vor Ort, bei den „Jungs vom Bau“, umzusehen und zu hören, wie das Projekt voran geht. Erste Instandsetzungsmaßnahmen der maroden Fahrbahndecke, weiß Christoph Mertens vom Technischen Dienst der Stadt Eupen, „erfolgten 2006, schon sechs Jahre zuvor hatten Hauptstadtvertreter der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit regionalen Landesbehörden über möglichst rasche Beseitigung des geradezu gefährlichen Straßenzustands der Route National Nr. 67 verhandelt.

Dann der berühmte Silberstreif am Horizont, als die Abschnitte Kreisverkehr Talsperrenstraße bis zur „Clouse“ (ein Kilometer) und ab Forsthaus Hattlich bis Grenze Mützenich (2,5 Kilometer) erfolgreich in Angriff genommen wurden. Nun, so hoffen alle am anspruchsvollen Vorhaben Beteiligten, sollen mit der Sanierung des Restabschnittes aller guten Dinge drei sein.

Das Finanzvolumen der jüngsten Investition beträgt fast zwei Millionen Euro. Christoph Mertens beschreibt die aktuell Fertigungsschritte: „Wir sind sehr vom Wetter abhängig. Bisher läuft es gut. Unsere Gewerke bestehen aus Ausbau der seitlichen Randsteine, Abfräsen des alten Straßenbelages, Verbesserung der Fundamente, Erneuerung der Betoneinfassungen, kompletter Ausbau des Straßenbelages einschließlich Decke und Anbringung von Straßenmarkierungen.“

Auf Höhe „Ternell“, erläutert Mertens, erfolge eine Kompletterneuerung der Straßenoberfläche nebst Anlage eines Fußgängerüberweges. Für die Zeit der Arbeiten werde die Verkehrsregelung durch gekennzeichnete Umleitungen vorgenommen. Sie führen über Monschau, Kalterherberg, Richtung Elsenborn, Richtung Sourbrodt und über Mont Rigi bis Eupen.

Aber nicht jeder ist glücklich mit dem Verlauf der Sanierungsmaßnahme. Roger Schwerdt ist Pächter des Gastronomie-Betriebes im Naturzentrum „Haus Ternell“. Er ist „tief enttäuscht weil es offenbar in der Bevölkerung nicht genügend publik gemacht wurde, dass unser Restaurant wie Museum durchaus für das Publikum erreichbar ist, von Eupen aus immer, rund um die Uhr, von Mützenich aus immerhin an Wochenenden“.

Außerdem findet der Gaststättenchef, die Beschilderung mit Hinweisen auf Art der Arbeiten und mögliche Umleitungsrouten sei „viel zu klein, verwirrend und ist während der Fahrt von den Autofahrern auf die Schnelle kaum zu entziffern“.

Die Einbußen im Besucheraufkommen und damit Umsatz, beobachteten Schwerdt und Christian Le Suisse, Leiter des Kultur– und Naturzentrums Ternell, schon während der ersten zehn Straßen–Sperrtage, seien „gewaltig, schlimmer als je erwartet, mindestens ein Drittel unserer treuen Stammgäste und spontane Ausflügler blieben prompt fern“. Beide sehen dem Gießen der Teerdecke schon mit Bangen entgegen: „Dann herrscht Vollsperrung in beiden Richtungen.“

Sonst, wissen Schwerdt und Le Suisse aus besseren Tagen, „sind unsere Gasträume und die Außenterrasse um diese Zeit mit Angehörigen vieler Nationen proppenvoll, nun hatte ich an einem langen Tag nur einen einzigen Gast, der kam hoch zu Ross. Der touristische Strom aus der deutschen Eifel, der sonst pulsiert, ist völlig zum Erliegen gekommen.“

Schwerdt erinnert daran, „dass unser Haus an den nahenden deutschen und belgischen Feiertagen für das Publikum geöffnet ist“. Weil er „laufend gruppenweise Absagen von zuvor fest gebuchten Reisegesellschaften erhält, die glauben, Ternell wäre mit dem Auto derzeit nicht zu erreichen, plant der Wirt als Notaktivitäten Sonderveranstaltungen wie Grillabende mit Unterhaltungsprogramm oder, dem jungen Publikumsgeschmack entsprechend, vegetarische Partys, um sein Geschäft nicht völlig erliegen zu lassen.

Christian Le Suisse registrierte in seiner Bildungsstätte „über 30 Prozent weniger Besichtiger, Wanderer und Exkursions-Teilnehmer“. Und Schwerdt ergänzt, „dass uns der extrem lange Winter zusätzlich ungeheuer zusetzte. Wir hatten zwar Kälte, aber nur zehn schneesichere Tage blieben uns für Ski und Wintersport, in anderen Jahren dauert die Saison drei Wochen“.

Da macht es den Ternell–Verantwortlichen ein wenig Mut, dass „Crie“, das umweltpädagogische Zentrum der Wallonie, unlängst auf Ternell zu einem Umwelt–Aktionsprogramm lud. Zum Veranstaltungserfolg trug auch Hermann Carls „Rollende Waldschule“ gebührend bei.

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