Störche auf dem Weg nach Spanien stoppen in der Eifel

Von: P. St./ho
Letzte Aktualisierung:
6031864.jpg
Nur auf Kurzbesuch in der Eifel: Eine größere Gruppe Weißstörche ließ sich Montagabend an der Trafostation an der Jägerhausstraße in Lammerdorf nieder. \ Foto: Hoffmann

Lammersdorf. Landwirt Heinz Schümmer traute seinen Augen nicht. Die Wiese zwischen seinem Hof an der Jägerhausstraße und der Trafostation in Lammersdorf war am Montagabend als Storchenlandebahn genutzt worden. Kurz vor 20 Uhr hatten dort 17 Störche auf ihrem Weg in den Süden zur Landung angesetzt, um dann zunächst einmal Nahrung aufnehmend über die Wiese zu stolzieren.

„So etwas habe ich in meinem Leben auch noch nicht gesehen“, stellte der 77-jährige Heinz Schümmer beeindruckt fest.

Der im Ruhestand befindliche Landwirt erinnerte sich allerdings daran, dass sein Vater ihm von einem ähnlichen Ereignis Ende der 1930er-Jahren erzählt hatte. Damals landete ebenfalls eine große Anzahl von Störchen auf einer Scheune in Hofnähe. Die jetzt gelandete Fluggruppe von „Air Adebar“ schien auf jeden Fall von der zurückgelegten Tagesflugetappe erschöpft und legte im Dorf der Bessemsbenger eine Pause ein. Dabei gehört die Eifel eigentlich überhaupt nicht zum Überfluggebiet der Weißstörche sondern das Rhein- und Moseltal, wenn die nach Spanien und Nordafrika zum Überwintern aufbrechen.

„Weißstörche in der Eifel sind eigentlich keine Seltenheit“, berichtet Vogelkundler Günter Krings aus Dedenborn, „aber diese hohe Zahl ist absolut ungewöhnlich“, weiß der Experte, der seit über 40 Jahren das Vorkommen der Störche in der Nordeifel aufzeichnet.

In der Regel Anfang August, aber auch zu anderen Zeiten, werden Störche in der Eifel gesichtet. Das zuletzt beobachtete und gemeldete größere Vorkommen von Weißstörchen stammt aus dem August 2011. Damals rastete eine größere Gruppe bei Konzen. Die Angaben schwankten zwischen 30 und 80 Exemplaren.

Beobachtungen seit 1971

Die Störche landen in erster Linie nicht aus Erschöpfung sondern um Nahrung aufnehmen. Auf dem Landeplatz in Lammersdorf dürften das in erster Linie Insekten gewesen sein, denn Frösche auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sind selten geworden. Auch Mäuse stehen auf dem Speiseplan der Weißstörche, doch auch damit werden die Vögel in diesem Jahr nicht viel Glück haben. Günter Krings: „Man sieht in diesem Jahr kaum Mäusebussarde. Das deutet auf ein mäusearmes Jahr hin.“

Seit 1971 notiert Günter Krings das Zug- und Landeverhalten des Weißstorches (Ciconia ciconia) in der Eifel aufgrund eigener Beoachtungen und Meldungen. Am 5. Mai 1971 beispielsweise wurden drei am Lönsdenkmal bei Witzerath gesichtet, während im Herbst 1974 nach Angaben eines Beobachters die enorme Zahl von rund 200 Störchen Station bei Huppenbroich gemacht haben soll.

In den Folgejahren wurde immer wieder kleine Gruppen oder Einzeltiere gesichtet. Im April 2003 waren es zehn Vögel, die sich am Römerbach bei Kalterherberg niederließen und im Oktober 2004 sollen 30 Störche beim Überflug in Simmerath gezählt worden sein. Zum letzten Mal wurden Weißstörche auf Zwischenlandung in der Eifel im April 2012 gemeldet. Anwohner hatten zwischen Strauch und Rollesbroich zwei Tiere entdeckt.

Laut Beobachtung von Günter Krings ist den zurückliegenden 20 Jahren auch der seltenere Schwarzstorch in der Region heimisch geworden. Dass der Schwarzstorch sich im Münsterwald angesiedelt hat, wie die Gegner des dort geplanten Aachener Windparks wissen wollen, hält Krings für durchaus wahrscheinlich: „Hier handelt es sich um ein altes, ruhiges Waldgebiet mit vielen Bächen. Das ist ein idealer Lebensraum für den Schwarzstorch“.

Dass sich in der Eifel aber einmal Weißstörche dauerhaft ansiedeln, hält Krings für nicht denkbar: „Brütende Störche hat es in der Eifel noch nie gegeben. Dafür ist das Nahrungsangebot einfach zu gering.“

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert