Stieglitz wird Vogel des Jahres: Immer weniger Lebensraum

Von: gük
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Der Vogel des Jahres 2016 steht fest: Es ist der bunte Singvogel Stieglitz. Er wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) ausgewählt.

Nordeifel. Der Vogel des Jahres 2016 steht fest: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) wählte den Stieglitz, der zu den buntesten Singvögeln in unserer Heimat gehört. Mancherorts oder in manchen Büchern wird der Vogel mit dem bunten Federkleid auch Distelfink genannt.

Sein Flugruf „stig-litt“ wurde zum Namensgeber, und da er vorzugsweise Distelsamen als Nahrung aufnimmt, lag die Bezeichnung als Distelfink nahe. Auch der wissenschaftliche Gattungs- und Artname „carduelis“ weist auf die Distel als Nahrungspflanze hin. Cardus heißt übersetzt nämlich „die Distel“.

Der Stieglitz gehört zu den einheimischen Brutvögeln. Und wo kann man ihn in der näheren Umgebung sehen? Beobachtet wurde er bereits in Mützenich, Konzen, Dedenborn, Eicherscheid, Woffelsbach, Einruhr sowie in Rurberg, Brückborn bei Konzen, Kranzbruch bei Simmerath, Witzerkuhl, NSG Lenzbach bei Paustenbach, an mehreren Stellen am Ravel–Radweg, im Wollerscheider Venn, im oberen Kalltal, in Höfen – Rohren, Steckenborn – Woffelsbach, sowie im Windpark bei Strauch, und in Hoscheit.

Wie man aus dieser Aufstellung entnehmen kann, siedelt und lebt der Stieglitz nur in Siedlungen und in halboffenen Landschaften. Man wird ihn vergeblich in geschlossenen Wäldern und auf den großen, baumlosen Agrarflächen suchen. Bevor also in unserer Region Menschen Dörfer bauten und Landwirtschaft betrieben, wird es hier wohl keine Stieglitze gegeben haben. Er ist als Kulturfolger den Siedlern aus dem Süden und Osten gefolgt.

Der Stieglitz gehört zur Familie der Finken und ist einer der farbenprächtigsten Singvögel unserer Heimat. In seinem Gefieder findet man nicht nur die Farben Weiß, und Rot, sondern auch Schwarz und Gelb.

Er ernährt sich von halb reifen und reifen Samen von Stauden, Wiesenpflanzen und Bäumen, wobei er die Samen der verschiedensten Distelarten bevorzugt. Nachgewiesen als Nahrungspflanzen sind rund 152 Pflanzenarten. Tierische Nahrung ist allerdings eher die Ausnahme. Während der Brutzeit werden Samen vor allem in milchreifem Zustand an die Jungen verfüttert.

Der Neststand befindet sich in der Regel im äußeren Bereich einzelner oder locker stehender Bäume sowie in hohen Büschen, fast immer im dichten Laubwerk und gut gegen Sicht gedeckt. Das Durchschnittsalter freilebender Stieglitze beträgt rund fünf Jahre, in der Gefangenschaft können sie allerdings auch bis zu 16 Jahre alt werden.

In milden Wintern können Stieglitze ganzjährig beobachtet werden und können dann auch Trupps bis zu 30 Individuen bilden, bei Kälteeinbrüchen verziehen sie sich jedoch in Richtung Frankreich bis ins Mittelmeergebiet.

Aber warum hat der NABU nun den Stieglitz zum Vogel des Jahres 2016 gewählt? „Es wird eng für unseren Jahresvogel. Denn immer weniger Landstriche in Deutschland bleiben unberührt: Brachflächen fallen der Agrarpolitik zum Opfer oder werden in Städten zubetoniert. Das raubt dem Stieglitz den Lebensraum und lässt die Nahrungsquellen versiegen.“ So die Begründung des NABU für die Wahl des Stieglitzes zum Vogel des Jahres.

Und wie sieht es bei uns mit dem Stieglitz aus? Wenn man die Beobachtungen aus den 70er, 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit den heutigen Beobachtungsdaten vergleicht, dann stellt man schnell fest, dass der bunte Singvogel heute weitaus seltener beobachtet wird als noch vor 30 Jahren.

Der Grund: Das Ackerland in früherem Stil ist verschwunden, Brachflächen werden immer weniger, die Grundstücksflächen in den Dörfern immer kleiner, so dass dort keine Gartenanlagen mit Gebüsch entstehen können.

Verheerend für Insekten, Vögel und Blumen ist auch die Tatsache, dass unsere Gemeinden schon sehr früh im Jahr die Wegraine mähen, obwohl das zu dieser Jahreszeit völlig unnötig ist.

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