Stellt ein Elektro-Rollstuhl im Bus eine Gefahr dar?

Von: jb
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Stellt der Elektrorollstuhl von Werner Felden eine Gefahr dar?

Roetgen. Im Foyer des Seniorenzentrums Itertalklinik an der Bundesstraße in Roetgen wartet Werner Felden. Er sitzt auf seinem Elektro-Rollstuhl, auch Scooter genannt, und eine Sauerstoffflasche liegt vorne im Körbchen des Scooters. Relativ zügig fährt er durch die Gänge der Klinik, um sein Gefährt auf seinem „Privatparkplatz“ abzustellen und sich in seinem Zimmer auszuruhen. Wenn er woanders hin möchte, muss er nur wenige Schritte über den Flur gehen und schon wartet sein Scooter auf ihn.

So meistert Werner Felden den Alltag mit seiner Gehbehinderung. Doch nicht immer ist ihm der Scooter ein treuer Freund. Mehrfach wurde das Elektromobil inzwischen zum Auslöser für Ärger, nachdem dem Senior Fahrten mit dem Bus verweigert wurden. Beim ersten Zwischenfall wurde er im November nur auf Drängen anderer Faghrgäste mitgenommen.

Im März dieses Jahres sei dann ein Busfahrer auf halber Strecke zu ihm gekommen und habe ihn darauf hingewiesen, dass „es so etwas demnächst nicht mehr geben werde“, berichtet Felden. Zwei Monate später wurde ihm dann die Mitnahme ganz verweigert. Die nicht sichere Verankerung des Elektromobils im Bus bzw. die „explosionsgefährdete“ Sauerstoffflasche, die Werner Felden aus gesundheitlichen Gründen mitführen muss, dienten als Begründung.

Ein paar Wochen später, berichtet er weiter, habe dann ein Bus erst gar nicht mehr angehalten. Das schlimmste Erlebnis folgte für Werner Felden dann in Simmerath. Auf dem Rückweg nach Roetgen hielt ein Bus am Simmerather Bushof an, und der Fahrer erklärte Felden, dass er ihn nicht mitnehmen könne. Dafür sei sein Elektromobil zu schwer. Werner Felden schüttelt den Kopf: „Ich wurde eine Stunde lang im Regen stehen gelassen, bis der nächste Bus kam und mich nach Roetgen mitnahm.“

Nach diesem Zwischenfall schaltete sich dann Heimleiter Stefan Schotten ein. Er habe dem Bewohner beratend zur Seite gestanden und ein Beschwerdeschreiben an den RVE Regionalverkehr Euregio verfasst. „Ich muss mich als gesundheitlich Mitverantwortlicher fragen, wie man sich in den Medien als senioren- und behindertenfreundliches Unternehmen darstellen kann und sich dann so gegenüber eingeschränkter Menschen verhalten kann,“ fragte der Heimleiter kritisch in einer Kundenbeschwerde vom 22. Mai nach.

Die Reaktion von Dr. Sigrun Richter, der Pressesprecherin des RVE, folgte umgehend: Der sichere Transport eines Elektromobils sei nicht gewährleistest, da eine korrekte Arretierung des Gefährtes in einem Bus nicht vorgenommen werden könne. Der Dreipunktgurt für Rollstühle sei nicht auf den Elektro-Scooter zu übertragen. Zudem stelle die mitgeführte Sauerstoffflasche, falls der Rollstuhl kippen würde, einen Gefährdung für die anderen Fahrgäste dar. „Aus diesen Gründen kann jeder unserer Busfahrer vom Hausrecht Gebrauch machen und Herrn Felden im Hinblick auf die Gewährleistung der Sicherheit und Ordnung im Bus von der Beförderung ausschließen,“ betont das Verkehrsunternehmen.

Für diese Einschätzung hat Heimleiter Schotten kein Verständnis: „Das ist mehr als lächerlich. Das würde ja heißen, dass er vielleicht nicht mehr mit dem Bus zurückfahren kann.“ Stefan Schotten erinnert sich noch sehr gut, an den Tag als Werner Felden „klitschnass“ im Januar im Heim erschien. Er sei hier einer „absoluten Lebensbedrohung ausgesetzt“ gewesen, da der Patient unter einer chronischen Lungenerkrankung leide.

Werner Felden fühlt sich allein gelassen: Regelmäßig muss er nach Simmerath zum Arzt, doch am meisten liegt ihm der Kindergarten „Arche Noah“ am Herzen. Dort malte er mit den Kindern einmal im Monat, doch das sei ihm seit Ostern nicht mehr möglich, da er sich auf die Busse nicht mehr verlassen könne. Fairerweise fügt Felden aber auch hinzu, dass es auch einige sehr nette und zuvorkommende Busfahrer gebe und es nur in Einzelfällen Ärger gebe.

RVE-Sprecherin Richter macht allerdings auch Kommunikationsprobleme für die Misere verantwortlich: „Bereits vor einiger Zeit habe man Werner Felden angeboten, dass er dem Unternehmen seinen Fahrtwunsch telefonisch mitteile, so dass man sich „auf die entsprechenden Notwendigkeiten einstellen“ könne. In anderen Fällen funktioniere dieses Verfahren einwandfrei.

„Darauf einstellen“ bedeute für die RVE, dass auf der gewünschten Strecke dann ein entsprechender Bus zur Verfügung gestellt werde oder Begleitpersonal im Bus mitfahre. Doch auf diesen Vorschlag sei Felden nicht eingegangen, sieht die RVE-Sprecherin auch „mangelnde Kooperationsbereitschaft“. Heimleiter Schotten hält entgegen, dass Werner Felden den Bus fast täglich nutzen müsse.

Auf den Hinweis, dass Busfahrer auch verbal nicht gerade sensibel mit Felden umgegangen seien, antwortet Richter, dass die ihr zu Ohren gekommenen Zitate in Verbindung mit dem genannten Fahrer „total haltlos“ erscheinen würden. „Wir müssen auch unsere Fahrer schützen. Und es gibt Leute die sagen, der Kunde hat immer Recht, aber in diesem Fall ist es nicht so“, so Richter.

Das Problem der Elektroroller in Bussen ist damit für sie aber noch nicht aus der Welt. Sie hofft allerdings auf eine baldige Regelung, da erst kürzlich genau zu diesem Punkt bei der RVE eine Erörterung stattgefunden habe.

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