Steigende Friedhofsgebühren: Wenn das Wahlgrab zum Luxus wird

Von: hes
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Vier Friedhöfe leistet die Gemeinde Roetgen sich insgesamt, zwei davon alleine in Rott. Die Unterhaltung der Grünanlagen aber erfordert einen hohen Aufwand, der sich immer mehr auch in kräftig steigenden Gebühren äußert. Foto: Anke Capellmann

Roetgen. Das Sterben in Roetgen wird deutlich teurer. Auf breiter Front klettern in diesem Jahr die Friedhofsgebühren in allen Bestattungsformen. Allerdings erfolgt die Steigerung dabei weniger drastisch als in der ersten Gebührenbedarfsberechnung im November dargestellt.

Der Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss empfahl dem Gemeinderat nun die neuen Sätze, verbunden mit dem Auftrag an die Verwaltung, für die Zukunft „Maßnahmen zur Kostensenkung unter Beteiligung des Arbeitskreises umzusetzen“.

Dieser Arbeitskreis Friedhöfe hatte sich auch im neuen Jahr trefen müssen, nachdem in der letzten Sitzung des Hauptausschusses 2016 keine Einigung über die neuen Sätze hatte erzielt werden können. Aus dem Arbeitskreis berichtete Anita Buchsteiner (PRB) von einer „sehr angenehmen und sachlichen Atmosphäre“, in der man, begleitet von der Verwaltung, die neuen Sätze diskutiert habe.

Buchsteiner hatte nur einen Kritikpunkt, nämlich dass mit dem Doppelwahlgrab laut Kalkulation ausgerechnet die teuerste Grabform deutlich preiswerter werden sollte. „Das ist dem Bürger sicherlich schwer zu vermitteln“, so die PRB-Vertreterin. Ihrem Antrag, die Gebühr für das Doppelwahlgrab unverändert zu lassen, wurde dann ebenso entsprochen wie einem weiteren Antrag, das Kinderreihengrab nicht von 540 auf 898 Euro zu verteuern wie in der Kalkulation vorgegeben.

Keine Mehrheit fand dagegen ein Antrag von Günther Severain, eine Hilfskraft auf 450-Euro-Basis einzustellen, um die (teureren) Stunden der Bauhofmitarbeiter reduzieren und die Gebühren um rund zehn Prozent senken zu können.

Erreicht wurde die letztlich verträglichere Gebührengestaltung über den sogenannten grünpolitischen Wert. Dieser berücksichtigt, dass ein Friedhof neben seiner Zweckbestimmung als Ort der Bestattung und des Totengedenkens auch eine Funktionen als Erholungsraum besitzt. Dies legitimiert, dass eine Gemeinde allgemeine Haushaltsmittel in die Gebührenbedarfsberechnung einbringen darf. In der jüngsten Kalkulation hatte die Verwaltung diesen Ansatz von 25 auf 30 Prozent angehoben, gleichzeitig aber angeregt, diesen Wert in den kommenden Jahren schrittweise wieder auf 15 Prozent zu senken.

Mehrere Sprecher machten im Hauptausschuss deutlich, dass die geringer ausgefallene Gebührensteigerung dadurch letztlich vom Steuerzahler zu finanzieren sei. Die so zumindest in Teilen erwirkte Subventionierung aus Steuermitteln sei aber „eine bewusste politische Entscheidung, um Gebühren in einem erträglichen Rahmen belassen zu können“, sagte Michael Seidel (CDU). Auch Klaus Onasch (SPD) sah in dieser Verfahrensweise „nichts Verwerfliches“.

Für die Zukunft empfahl Silvia Bourceau dennoch, dass man sich „schnellstmöglich zusammensetzen“ müsse, um das Übel der permanenten Verteuerung an der Wurzel packen zu können. Die Friedhofsmitarbeiter, die auch bei den Treffen des Arbeitskreises dabei waren, hätten „aus der Praxis einige sehr gute Ideen gehabt“, wusste die UWG-Vertreterin.

In diese Kerbe schlug auch Bernhard Müller (Grüne), der vorrechnete, dass von knapp 100 Menschen, die durchschnittlich in Roetgen in einem Jahr sterben, nur noch etwa 60 auch dort begraben werden. „Das hat sicherlich einen Grund und muss schnellstmöglich geändert werden“, sagte Müller.

Nur Grabanfertigung in Roetgen ab 2017 etwas preiswerter

Vorbehaltlich der Entscheidung des Rates am 31. Januar gelten in der Gemeinde Roetgen ab 2017 die folgenden neuen Sätze.

Nutzungsrechte: Reihengrab bis 5 Jahre 540 Euro (unverändert), Reihengrab ab 6 Jahre 1577 Euro (bisher 1225), Reihengrab auf Rasenfläche/Sarg mit Platte inkl. Pflege 2177 Euro (2050), Urnenreihengrab 951 Euro (879), Urnenreihengrab auf Rasenfläche/Urne mit Platte inkl. Pflege 1251 Euro (780), Anonymes Urnenreihengrab 1218 Euro (780), Gebühr für die Aschenbeisetzung/Verstreuen 552 Euro (485); Einzelwahlgrab 3035 Euro (2473), Doppelwahlgrab 4991 Euro (unverändert), Urnenwahlgrab 2969 Euro (2379), Urnenkammer/Stelenwand für zwei Urnen 2327 Euro (2370).

Die Beilegung einer Urne in eine vorhandene Erdgrabstätte, die noch im Geltungsbereich der bisherigen Satzung erworben wurde, verteuert sich von 408 auf 526 Euro.

Grabanfertigung: Reihengrab bis 5 Jahre 633 Euro (658), Reihengrab ab 6 Jahre 709 Euro (729), Urnenbestattung 193 (228), Einzelwahlgrab 709 Euro (729), Doppelwahlgrab/Erstbestattung 724 (744), Doppelwahlgrab/Zweitbestattung 899 (907).

Friedhofskapellen: Nutzung für drei und mehr Tage 420 Euro, für zwei Tage 280 Euro, für einen Tag 140 Euro, Nutzung des Vorplatzes (alternativ zur Kapelle) 105 Euro (alle unverändert) (hes)

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