Nordeifel - Steht Fußball in den Kneipen der Nordeifel auf der Kippe?

Steht Fußball in den Kneipen der Nordeifel auf der Kippe?

Von: Alexander Barth
Letzte Aktualisierung:
6087403.jpg
Die große Fußballbühne in der kleinen Kneipe: Wirt Jürgen Strauch aus Monschau will weiterhin Bundesliga und Champions League zeigen – trotz eines seltsamen Abrechnungssystems bei Sky. Foto: P. Stollenwerk
6087391.jpg
Er hält Sky die Treue – vorerst: Kneipier Johann Willden aus Simmerath Foto: A. Barth

Nordeifel. Jürgen Strauch wählt klare Worte. „Mein Gott, wie furchtbar, wer soll denn da durchblicken“, sagt der Betreiber des Mon-Bistro in der Monschauer Altstadt. Strauch bietet TV-Spitzenfußball via Sky in seiner Wirtschaft an, doch der Münchener Bezahlsender zaubert seinen Kunden aus der Nordeifeler Gastronomie mittlerweile Sorgenfalten oder wahlweise riesige Fragezeichen auf die Stirn – mit einem offenbar ziemlich undurchsichtigen Bezahlsystem.

Mit dem Slogan „Die stärkste Liga aller Zeiten“ wirbt Sky um die Gunst der Fußballfans. Für Privatleute hat sich nicht viel geändert zur neuen Saison, die seit drei Wochen läuft – für Wirte, die ihren Gästen Bundesliga und Champions League anbieten, allerdings schon. Ein neuer Berechnungsschlüssel sorgt für Unruhe bei Wirten in Simmerath, Monschau und Roetgen. „Ich bin froh, dass ich die kleinste Raumgröße habe“, sagt Jürgen Strauch. Für ihn hat das neue System sogar angenehme Folgen: „Ich habe bisher 320 Euro im Monat gezahlt, jetzt ein Drittel weniger.“ Teuer sei das trotzdem, und die Mittel und Wege der Berechnung, wer was zu zahlen habe, „sind eine Katastrophe.“

Bislang richteten sich die Abschläge für das Sky-Abo nach der Größe der Räume, „jetzt kommen Aspekte wie Kaufkraft oder Bevölkerungsdichte in der Region dazu“, weiß Andy Kästner. Beim Wirt der Kneipe „Zur Sonne“ in Simmerath hat sich Ernüchterung breit gemacht, was Sky angeht. Kästner kalkuliert mit steigenden Kosten. Besonders ärgert ihn, dass Ecken und Winkel seiner Wirtschaft in die Abrechnung einbezogen würden, „von denen aus man den Fernseher gar nicht sehen kann. Das ist doch verrückt!“ Sky hat sich die alleinigen Rechte für drei Jahre gesichert und dafür 1,9 Milliarden Euro hingelegt – „und das holen sie sich jetzt bei den Gastronomen zurück“, glaubt Andy Kästner. „Ich werde jetzt abwarten, ob sich das lohnt. Ich bin selber Fußballfan. Aber Preisaufschläge, die könnte ich meinen Gästen nicht zumuten.“

Mit dem Rauchverbot und dem Gebührenstress beim Fußball-Bezahlsender kreisen gleich zwei „Hämmer“ in diesen Tagen über den Köpfen, findet Johann Wilden. Für den kollektiven Fußballgenuss in seiner Traditionsgaststätte in Simmerath wird auch er künftig mehr zahlen – 400 Euro im Jahr. Dabei gibt sich Wilden halbwegs gelassen: „Mal sehen, wie es sich entwickelt. Kündigen werde ich erstmal nicht. Fest steht aber: Allein für die Bundesliga lohnt sich Sky schon mal gar nicht. Wir setzen auch auf Besucher, die die Champions League sehen wollen.“

In der letzten Saison habe es immer wiede eine volle Hütte gegeben, „aber reich werden kann man mit dem Sky-Abo selbst dann nicht“, sagt Wilden mit einem Augenzwinkern. „Man muss schon eine Menge Bier verkaufen, um das Geld reinzuholen“, sagt auch Jürgen Strauch aus Monschau. Auch Wilden wundert sich über die Kriterien: „Sky richtet sich bei den Preisen jetzt auch nach der Einwohnerzahl. Nach dem Motto: Viele Leute in einem Ort bringen auch mehr Geld für den Wirt. Aber für mich ist das doch keine Garantie, dass die auch kommen und hier trinken.“

Mehr als bloß Ernüchterung regiert bei Reiner Zentner, Betreiber des „Hövel“ in Roetgen. Er hat das Sky-Abo abbestellt. „Es lohnt sich einfach nicht. Und dieses Beitragssystem finde ich völlig daneben. Da werden die Quadratmeter gemessen, ohne Rücksicht darauf, dass man gar nicht von allen Plätzen das Spiel sehen kann.“ Nur das Schild an der Fassade kündet noch vom Zugang zur großen Fußballbühne. „Das muss ich endlich mal abschrauben“, sagt Zentner zerknirscht.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert