Starker Rückgang: Nur noch 20 Flüchtlinge im Sonnenhof

Von: P. St.
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Seit Anfang Juli 2015 Flüchtlingsunterkunft: Das frühere Hotel Sonnenhof auf dem Hostertberg in Einruhr bleibt trotz aktuell schwacher Belegung bis auf weiteres als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes erhalten. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Die Aufregung hat sich längst gelegt: Die Flüchtlingskrise ist inzwischen nicht mehr durchgängig das Thema Nummer eins in der Öffentlichkeit. Seitdem die Durchlässigkeit der europäischen Grenzen massiv erschwert wurde, kommen deutlich weniger Flüchtlinge in Deutschland an.

Diese Tendenz spürt man auch in der Eifel. Die hier im Laufe des vergangenen Jahres eingerichteten vier Notunterkünfte für die Erstaufnahme von Flüchtlingen in der Stadt Monschau und der Gemeinde Simmerath sind zum Teil gähnend leer. Nur noch insgesamt 323 Flüchtlinge sind in den vier Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht, die insgesamt Kapazität für knapp 800 Personen bieten.

Am massivsten ist der Rückgang in Einruhr. Im dortigen ehemaligen Hotel Sonnenhof hielten sich Anfang der Woche nur noch 20 Flüchtlinge auf. Die Maximalbelegung dieser Unterkunft, die Anfang Juli 2015 in einer überaus hektischen Aktion vom Land von einem Privatmann angemietet wurde, lag bei 134 Personen.

Die Einruhrer Bürger waren vollkommen überrascht worden von dieser Aktion, und die dafür verantwortliche Bezirksregierung musste sich kritische Fragen gefallen lassen. Trotz der aktuell dünnen Belegung möchte das Land die Unterkunft auf dem Hostertberg „bis auf weiteres“, so die Auskunft der Städteregion Aachen, vorhalten.

Gleiches gilt auch für die Unterkunft Monschau-Haag. Im Gebäudekomplex der ehemaligen Hauptschule ist Platz für 400 Flüchtlinge. Aktuell befinden sich in der Erstaufnahmeeinrichtung 128 Personen. Auch an dieser Unterkunft, die seit Ende September 2015 belegt ist, möchte das Land bis auf weiteres festhalten. Seitens der Stadt Monschau ist allerdings bereits ein neue Liegenschaft ins Gespräch gebracht worden. Wenn die letzten Schüler im Sommer 2018 das Auslaufmodell Elwin-Christoffel-Realschule verlassen, soll der Schulkomplex im kleinen Laufenbachtal als Flüchtlings-Notunterkunft dienen, falls dann noch Bedarf besteht.

Die einstige Hauptschule, so lauten die aktuellen Bestrebungen, könnte eine externe Lehreinrichtung der Fachhochschule Aachen werden.

Relativ stabil sind die Flüchtlingszahlen dagegen im Gebäude der ehemaligen „Funk“ in Höfen. In der Liegenschaft des Bundes, die von der Städteregion Aachen betreut wird, ist Kapazität für 172 Flüchtlinge. Derzeit sind in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Heidgen, die seit Oktober 2015 zur Verfügung steht, 126 Personen untergebracht. Die Städteregion will diese Einrichtung noch bis Ende 2016 vorhalten.

In der vierten Notunterkunft der Region, einem nicht genutzten Internatsgebäude auf dem Gelände des Berufsbildungs- und Gewerbeförderungszentrums (BGZ) in Simmerath, stehen die Zeichen bereits auf Abschied. In dieser weiteren von der Städteregion betreuten Einrichtung stehen seit Oktober 2016 90 Plätze zur Verfügung. Derzeit belegt sind nur 36. Der Mietvertrag mit der Handwerkskammer endet hier definitiv am 30. April 2016.

Für Marlis Cremer, Leiterin des Amtes für Ordnungsangelegenheiten, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz bei der Städteregion Aachen, kommt diese aktuelle Entwicklung nicht überraschend, da in den Wintermonaten mit dem spürbaren Rückgang der Flüchtlingszahlen zu rechnen gewesen sei.

Außerdem habe das Land inzwischen große eigene Flüchtlingsunterkünfte mit teilweise über 1000 Plätzen anbieten können. Beispielhaft nennt sie die neuen Erstaufnahmeeinrichtungen am Westbahnhof Aachen, in Jülich oder auch die geplante Großunterkunft auf dem Gelände Vogelsang. Somit könne die damals spontan benötigte Amtshilfe der Kommunen wieder zurückgefahren werden. Die NRW-Kommunen hätten im Zuge dieser Amtshilfe insgesamt 270 Erstaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Unter diesen Notunterkünften befanden sich auch mehrere Turn- und Sporthallen in der Städteregion und der Stadt Aachen. Die Städteregion brachte unter anderem ihre beiden Sporthallen am Berufskolleg Simmerath und Stolberg ins Gespräch. Während die Halle am Standort Simmerath ganz knapp an einer Flüchtlingsbelegung vorbeikam, wurde die Halle am Standort Stolberg zur Notunterkunft. Die Halle wird nach dem 30. April für den Schul- und Vereinssport wieder zur Verfügung stehen.

Mit dem Schwinden der Flüchtlinge in den Notunterkünften können auch die Dienste der Betreuungsorganisationen wie z. B. DRK oder Johanniter deutlich zurückgefahren werden. Diese Dienste hatten wegen der Fülle der Aufgaben teilweise kurzfristig noch Personal unter Vertrag genommen. Viele dieser befristeten Verträge würden nun nicht verlängert, macht Marlis Cremer auf einen Aspekt am Rande der Flüchtlingskrise aufmerksam, der bislang nur wenig Beachtung gefunden habe: „Man muss sehen, dass an der Betreuung der Flüchtlinge auch viele Arbeitsplätze hängen.“

Freia Johannsen, Pressesprecherin der Bezirksregierung Köln, sagte am Dienstag, dass es landesweit viele freie Kapazitäten in den NRW-Erstaufnahmeeinrichtungen gebe. Dies liege vor allem daran, dass das Land inzwischen zur Entlastung der Kommunen neue Notunterkünfte geschaffen habe. Die vorhandenen Erstaufnahmeeinrichtungen würden aber Bestand haben: „Wir gehen davon aus, dass sich die Situation wieder ändern wird.“

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