Starke Zweifel am zugesicherten Gewinn angebracht

Von: Ernst Schneiders
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Roetgen. „Wir haben für Ihr Recht gekämpft”, schreibt die Dr. Neumann & Partner Ltd. - Finanzdienstleistungen einer Leserin unserer Zeitung in Roetgen (Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt). Anlass für diese unerwartete Hilfeleistung: Der Gewinn der „Firma Lotto Gewinn-Service”, der unserer Leserin zustehen soll, den sie aber bisher noch nicht erhalten hat.

Der wird angeblich am 21. Juni ausgezahlt, aber nur dann und nur bei persönlichem Erscheinen. Die Gewinnsumme sei mittlerweile dem Kundenkonto der Roetgenerin gutgeschrieben worden, versichert ein Sachbearbeiter namens Hartmann.

Es angeblich geht um einen Betrag von 1000 Euro, zuzüglich Zinsen seit dem 17. Februar (20,32 Euro). Als „Kampfgebühr” behalten Dr. Neumann & Partner lediglich 53,60 Euro ein. 20 Euro werden zudem für Post und Telekommunikation einbehalten. Auf unsere Leserin warten folglich 946,72 Euro in bar. Die unbekannte Wohltäter erwarten Antwort bis zum 8. Juni. Danach sei die Frist verstrichen und eine Übergabe nicht mehr möglich, weil das Kundenkonto „aus Datenschutzgründen nur eine gewisse Zeit weitergeführt werden darf”.

Das alles erschien unserer Leserin nicht koscher. Für eine bis zum 8. Juni erwartete Terminzusage gibt es keine Postanschrift, keine Telefon- oder Faxnummer, keinen Internetlink und keinen Mail-Account. Dr. Neumann & Partner sind also für Normalsterbliche nicht zu erreichen. Auch der Ort, an welchem zum Sommerbeginn die Glücksfee ihr Füllhorn ausschütten soll, ist nicht genau fixiert. In dem Schreiben ist von „unserer Zweigstelle in der Nähe von Roetgen” die Rede. Allerdings stellen Dr. Neumann & Partner Busse für die Hin- und Rückfahrt „kostenlos zur Verfügung” heißt es weiter.

Der Gipfel der Fürsorge: „Für Sie, Ihre Begleitung und alle anderem Gewinner aus Ihrem Ort” sei eigens ein „wunderschönes Rahmenprogramm mit einem kostenlosen Frühstück organisiert” worden. Sogar „ein warmer Imbiss steht für Sie bereit”.

Sozusagen als Sahnehäubchen gibt es dann noch „eine Zusatzprämie aus den Lagerbeständen der betroffenen Firmen”. Welche Firmen inwiefern betroffen sind, wird verschwiegen. Allerdings soll unsere Roetgener Leserin einen „nagelneuen Express-Kaffee-Automaten” erhalten.

„Kalter Kaffee”

Für die Polizei ist diese Masche „kalter Kaffee”. Polizeisprecher Michael Houba jedenfalls war nicht sonderlich überrascht, als er davon erfuhr. Man müsse den angeschriebenen Personen klar machen, dass heutzutage niemand etwas zu verschenken habe. Hinter dieser „bekannten Masche” stehe nicht die Gewinnauszahlung. In aller Regel, so Houba weiter, sei damit eine Kaffeefahrt oder eine ähnliche Zusammenkunft verbunden, bei der Ware feilgeboten werde, „die qualitativ im Nachhinein nicht den Erwartungen entspricht”.

Houba sprach von einer „juristischen Grauzone”, die nicht sofort einen Betrugsverdacht zulasse. Dazu seien Ermittlungen der Polizei nötig, deren Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet würden. Die Justiz habe letztlich zu entscheiden, wie die Sache weiter angepackt werde.

Um aber überhaupt Ermittlungen aufnehmen zu können, müsse eine der betroffenen Personen Anzeige gegen Unbekannt wegen versuchten Betruges erstatten. Das will unsere Leserin aus Roetgen machen, wie sie nach kurzem Überlegen entschieden hat. Das rät die Aachener Polizei auch allen anderen Personen, die einen solchen oder einen ähnlichen Brief erhalten haben.
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