Aachen - Städteregion: Für die Prävention wird das Geld knapp

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Städteregion: Für die Prävention wird das Geld knapp

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Gut möglich, dass das Gesundheitsamt der Städteregion in Kürze seinen Internetauftritt überarbeiten muss.

In dem dort eingestellten Video wird die „Prävention in Schulen und Kindergärten” noch als Schwerpunktthema dargestellt. Doch ausgerechnet diese Abteilung muss nun einen personellen Aderlass hinnehmen - als Folge des rigiden Sparkurses der Städteregionsverwaltung.

Damit passiert im Gesundheitsamt derzeit das Gegenteil dessen, was die Landesregierung gerne in die Wege leiten würde. Denn eine vom Land in Auftrag gegebene Prognos-Studie hat soeben ergeben, dass Vorsorge besser und vor allem preiswerter ist als Nachsorge.

Wer mehr Geld in die Bildung und Betreuung von Kindern stecke, könne laut Gutachten zweistellige Milliardenbeträge für später fällige „Reparaturkosten” sparen.

Solchen Einsichten zum Trotz werden derweil die Ausgaben für die vorbeugende Politik und Vorsorge - etwa im Bereich Zahnpflege, Ernährung und Bewegung - im Gesundheitsamt eingefroren, de facto also zurückgefahren.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales verkündete der zuständige Dezernent Günter Schabram die dauerhafte Streichung einer halben Stelle, andere sind wegen Elternzeit und Krankheit unbesetzt.

Offiziell will sich aus der Abteilung niemand zu den aktuellen Arbeitsbedingungen der Präventionsteams äußern, doch die Unzufriedenheit ist groß. Von schmerzhaften Einschnitten und einem Qualitätsverlust der Arbeit ist die Rede. Wichtige Aufgaben könnten nicht mehr erledigt werden.

Der Einschnitt tue auch ihm in der Seele weh, sagt Schabram. Zugleich verweist er jedoch darauf, dass angesichts der Kassenlage die Luft im öffentlichen Dienst immer dünner wird. Ein sogenanntes Ökonomieprogramm soll in der Städteregion dafür sorgen, dass die Ausgaben nicht aus dem Ruder laufen.

Es sieht unter anderem eine Deckelung der Personalkosten bis 2014 vor. Höhere Gehälter führen demnach automatisch zu Kürzungen an anderer Stelle - betroffen sind meist die sogenannten freiwilligen Ausgaben, zu denen auch die präventiven Maßnahmen gezählt werden.

Alleine im letzten Jahr habe die Städteregion auf diese Weise 2,4 Millionen Euro eingespart und rein rechnerisch etwa 44 Stellen abgebaut.

Solche Beschlüsse haben natürlich Konsequenzen, sagt Schabram. „Man kann nicht immer mehr Arbeit mit immer weniger Personal erledigen.” Zwangsläufig gebe es in allen Abteilungen Leistungseinschränkungen für die Bürger.

„Der Baum brannte auch an anderer Stelle”, sagt er - so muss unter anderem im Sozialamt aufgestockt werden, um das Bildungs- und Teilhabepaket für die Kinder der Hartz-IV-Empfänger bearbeiten zu können.

Und auch die von der Bundesregierung beschlossene neue Ausweiskarte für Ausländer führt zu Personalmehrkosten, die an anderer Stelle eingespart werden müssen.

Ob die Kostendeckelung tatsächlich wie geplant duchgehalten werden kann, vermag auch Schabram nicht zu sagen: „Es wird schwierig.” Unterdessen beklagt der Personalratsvorsitzende Franz Josef Loch schon jetzt, den „enormen Druck” auf seine Kollegen.

Die Arbeitsbelastung ist das eine, die Folgen für die Kinder sind das andere. Schabram hält die Präventionsarbeit nach wie vor für unverzichtbar. Nicht zuletzt deswegen befördert die Städteregion als vom Land ausgewählte Pilotkommune von Samstag an die Kampagne „Check your kid”. Damit sollen Eltern motiviert werden, die U-Untersuchungen für ihre Kinder ernstzunehmen.
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