Stadtkirche lässt das Herz von Baushistorikern höher schlagen

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Blickfang in einem an Postkartenmotiven reichen Ensemble der Altstadt Monschau: die evangelische Kirche.

Monschau. Die 1787 bis 1789 erbaute Evangelische Stadtkirche in Monschau lässt das Herz jedes Bauhistorikers höher schlagen. Sie ist neben der Kapelle des Schlosses Benrath der einzige Kirchraum im Louis-Seize-Stil im ganzen Rheinland. Baumeister war Wilhelm Hellwig aus Mülheim am Rhein.

Der Kirchturm wird bekrönt durch eine gut 100 Jahre ältere barocke Kirchturmhaube, die von der lutherischen Kirche aus Mülheim an Rhein stammt. „Die Kirche ist Zeugnis des Selbstbewusstseins und auch des Wohlstandes der lutherischen Monschauer Tuchmacherfamilien des 18. Jahrhunderts – Scheibler, Schlosser, Elbers, Schmitz oder Barkhausen“, erzählt Pfarrer Jens-Peter Bentzin, der selbst die bewegte jüngere Vergangenheit der Kirche erlebte und begleitete und unermüdlich für die Erhaltung und Sanierung des Gotteshauses wirbt und kämpft.

Im Oktober 2005 musste die barocke Kirchturmhaube wegen akuter Einsturzgefahr innerhalb von vier Wochen abgenommen werden. Holzzerstörende Pilze hatten die Tragfähigkeit der Kirchturmhaube und auch des Dachtragwerks erheblich geschädigt. Die vielfach fehlerhafte und kontraproduktive Ausführung von Instandsetzungsarbeiten hatte die Schadenslage dramatisch verschärft. So wurde unter anderem festgestellt, dass über eine Tonne hochgiftiger Holzschutzmittel eingebracht wurden, die mit einem Kostenaufwand von 250.000 Euro entfernt werden mussten.

Im Oktober 2006 konnte die instand gesetzte Kirchturmhaube nach intensiven Bemühungen der Kirchengemeinde, des Landes NRW, des Kirchenkreises Aachen, der rheinischen Landeskirche sowie vieler Spender wieder aufgesetzt werden, die Kosten der Instandsetzung der Kirchturmhaube lagen bei 450.000 Euro.

Katholisches Ausweichquartier

Doch die Ruhe währte nicht lange: Im Februar 2010 musste die Kirche teilweise gesperrt werden, da Teile der Stuckdecke abzufallen drohten. Gottesdienste fanden nun behelfsmäßig unter der Orgelempore statt. Im September 2011 begannen schließlich die Arbeiten am Dachtragwerk, die Kirche wurde ganz geschlossen. Die evangelischen Gottesdienste finden seitdem auf Einladung der katholischen Pfarrgemeinde in der Alten Pfarrkirche statt. „Wir sind dafür sehr dankbar“, sagt Pfarrer Bentzin, gleichwohl dem Tag entgegenfiebernd, an dem er den Gottesdienst im dann fast neu erstrahlenden Gotteshaus wird feiern können.

Die bauhistorische Bedeutung der Evangelischen Stadtkirche in Monschau hat die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) unter anderem mit der Ernennung zur Kirche des Monats im August 2012 gewürdigt. In der „Laudatio“ steht unter anderem zu lesen: „Ein Schwan thront auf dem Turm der evangelischen Stadtkirche in Monschau. Der goldfarbene Schwimmvogel ist ein Markenzeichen des Städtchens, ein seltenes, dafür aber besonders bekanntes Exemplar der ansonsten von Hähnen dominierten Gruppe der Kirchturmspitzentiere. Wetterschwäne kennzeichnen ihre Kirche als lutherisch: Der Legende nach soll der Vorreformator Jan Hus („Hus“ bedeutet im Tschechischen „Gans“) bei seiner Hinrichtung gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen.“ Dieser Ausspruch wurde später auf Martin Luther gedeutet.

Schwan, Kirchenschiff und Turm stehen unter Denkmalschutz. Wäre sie ein menschliches Wesen, würde man sie wohl als stattliche, ergraute Dame beschreiben, die mit großer Selbstverständlichkeit ihren Platz im Zentrum der Stadt einnimmt, gleich neben der Rur. Ansehnlich herausgeputzt ist das 1789 in rohen Bruchsteinen errichtete, klassizistische Gebäude. Das Kircheninnere bezaubert in Farbgebung, Ausstattung und Stuckatur durch seinen Louis-seize-Stil“.

Den Worten lässt die Stiftung KiBa indes auch Taten folgen und unterstützt die Gemeinde bei der laufenden Schadensbekämpfung mit 20.000 Euro.

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