Stadtbücherei in Monschau: Das Gedruckte hat noch nicht ausgedient

Von: Andreas Gabbert
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Auch in der Welt der Bücher gibt es Moden: Trixi Reichardt, die Leiterin der Monschauer Stadtbücherei, spricht von Wellenbewegungen. Zurzeit seien Krimis und Thriller gefragt, wobei der Autor Stieg Larsson inzwischen eher auf dem absteigenden Ast sei. Foto: A. Gabbert

Monschau. Der Mittelpunkt der Welt der Bücher liegt in diesen Tagen in Frankfurt, wo noch bis Sonntag die Buchmesse stattfindet. Auch Trixi Reichardt aus Imgenbroich lebt in der Welt der Bücher, ihr Mittelpunkt ist aber die Stadtbücherei in Monschau.

Seit mehr als 25 Jahren leitet sie nun schon die Bibliothek, die seit einigen Jahren in der Filiale der Sparkasse an der Laufenstraße untergebracht ist.

Ob in Frankfurt oder in Monschau – auch die Welt der Bücher verändert sich ständig. „Wenn ein neues Medium auf die Welt kam, haben die Bibliothekare den Untergang des Abendlandes und des gedruckten Buches vorhergesagt.

Das hat aber weder die Kassette, noch die CD geschafft, und das E-Book wird es auch nicht schaffen“, sagt die Büchereileiterin. Natürlich seien andere Medien auch wichtig und sie hätten auch ihren Platz in der Stadtbücherei, sie habe aber nicht den Eindruck, dass durch die neuen Medien insgesamt weniger gedruckte Bücher ausgeliehen würden. Veränderungen seien aber dennoch zu beobachten.

Comics sind immer noch gefragt

Drastisch zurückgegangen sei etwa die Ausleihe von Sachbüchern. „Nur wenige Gebiete laufen noch gut.“ Dazu zählt Reichardt Themen wie Garten, Natur, Reisen, Einrichten, Heimwerken und Medizin. Beim Thema Recht zum Beispiel sei die Informationsbeschaffung im Internet aber schneller und aktueller.

Auch beim Thema EDV habe das Internet die Nase vorn. „Kaum hatten wir die EDV-Bücher in unseren Bestand eingearbeitet, waren sie auch schon wieder überholt. Deshalb haben wir diesen Bereich schon vor Jahren aufgegeben“, sagt Reichard.

Was in Monschau gut nachgefragt wird, ist die Regionalliteratur. Insbesondere setzt sich die Bibliothekarin für die regionale Kinderliteratur ein. Sie hat in Monschau einen festen Platz. Steigende Nachfrage herrscht auch bei den Hörbüchern.

Die Vorteile eines E-Book-Readers will auch Trixi Reichardt nicht mehr missen. Jetzt muss sie sich zum Beispielen auf Reisen nicht mehr für eine kleine Auswahl an Büchern entscheiden, sondern nimmt einfach alles mit, was sie möchte – vom Gewicht her macht das keinen Unterschied. „Lieber lese ich aber gedruckte Bücher. Das ist wohl eine Typfrage“, sagt sie.

Comics sind für viele Kinder nach wie vor der Einstieg in die Welt der Bücher. Früher waren sie für Eltern oft ein rotes Tuch. „Auch hier ist ein Wandel zu beobachten. Ein Wandel der Einstellung, aber nicht der Zahlen. Comics werden immer noch gut ausgeliehen. Es gibt nur nicht so viele gute neue Comics“, sagt Reichardt. Sie findet es gar nicht so wichtig, ob Kinder Comics oder etwas anderes lesen. „Hauptsache die Kinder lesen etwas Gedrucktes.“

Warum viele Kinder nicht gerne lesen ist für sie klar: weil Lesen immer mit Schule verbunden werde. „Lesen ist Arbeit. Das Bild entsteht im Kopf und nicht vor den Augen. Es muss mit der Fantasie und den Gedanken erarbeitet werden. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, den Kindern zu vermitteln, dass das etwas Positives ist. Bücher können auch Spaß machen“, sagt Reichardt.

25 bis 30 Besucher kommen an den Öffnungstagen in die Bücherrei, um sich Krimis sowie blutige und böse Thriller auszuleihen. Die sind in Monschau zurzeit besonders gefragt. „Das sind Wellenbewegungen. Die Fantasywelle und die historische Welle ebben grad wieder ab. Das spiegelt sich auch im TV wieder“, erklärt die Bibliothekarin.

Jetzt im Herbst und im Winter werden auch wieder viele Gesellschaftsspiele ausgeliehen. „Die Eltern suchen meistens etwas, um gemeinsam mit ihren Kindern spielen zu können.“

An Zeitschriften bietet die Stadtbücherei einen guten Querschnitt. „Das haben viele aber nicht so auf dem Schirm“, sagt Reichardt. Um den Besuchern Bastel- und Sachbücher schmackhafter zu machen, hat sie umgeräumt, so dass diese jetzt besser und übersichtlicher präsentiert werden.

Außerdem setzt die Bibliothekarin bei der Präsentation der auszuleihenden Medien inzwischen öfter auf Aktionen, wie sie auch bei den großen Versandhändlern im Internet zu finden sind. Zum Beispiel stellt sie auf einem Tisch alles zum Thema „Blau“ zusammen.

Rund 15.000 Medien können in der Stadtbücherei ausgeliehen werden, bislang aber nur vor Ort und nicht online. Daran wird zurzeit gearbeitet. Reichardt hofft auf eine Umsetzung im Jahr 2016.

Zur Buchmesse in Frankfurt erwartet die Leiterin der Stadtbücherei wieder eine Reihe von Neuerscheinungen. Welche und wie viele Titel sie anschaffen kann, hängt nicht zuletzt aber auch von der knappen finanziellen Lage der Stadt Monschau ab.

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