Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Haft für FDP-Politiker

Von: wos
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Aachen/Monschau. Im Strafverfahren gegen den 50-jährigen Monschauer FDP-Politiker Paul H. (50) aus Monschau-Imgenbroich hat die Staatsanwaltschaft eine langjährige Haftstrafe gefordert.

Staatsanwältin Julia Westkamp forderte wegen 22-fachen sexuellen Missbrauchs einer minderjährigen Schutzbefohlenen und der Vergewaltigung seiner heute 18-jährigen Stieftochter eine Haftstrafe von neun Jahren für den Mann.

Die Staatsanwältin sah es als erwiesen an, dass der in Monschau-Imgenbroich wohnhafte Mann beginnend im Jahr 2005 das damals erst zwölfjährige Mädchen zu sexuellen Handlungen gezwungen hatte. Bis 2008 sei es in Urlauben des Familie und zu Hause zu vielfachen Berührungen gekommen. Zum Sex in vielfältigen Positionen und Ausführungen habe er sie dann im Jahr 2009 genötigt. Die Übergriffe hätten meistenteils in seinem Büro im Obergeschoss des Einfamilienhauses stattgefunden, und zwar zumeist dann, wenn die Ehefrau mit dem Hund außer Haus spazieren war.

Er habe, so die Staatsanwältin zum Hintergrund der Straftaten, das Mädchen als Gegenleistung mit Geschenken verwöhnt, die er mit ihr gemeinsam zumeist per Internet bei Ebay bestellte. Doch er habe sie gleichzeitig stark unter Druck gesetzt, ihr beispielsweise den Umgang mit Gleichaltrigen und hier insbesondere mit Jungen verboten oder zumindest beinahe unmöglich gemacht.

Das habe er getan, um sie in egoistischer Weise für seine Zwecke „als Ersatzehefrau” zu benutzen. Das sexuelle Verhältnis zur Mutter und Ehefrau sei in gleichem Maße erloschen. Den jüngeren Bruder habe er nach dem Umzug der Familie im Jahr 2004 von Würselen nach Monschau immer schlechter behandelt, vor allem, weil ihm seine schulischen Leistungen nicht reichten.

Die Staatsanwältin bewertete das Leugnen des Angeklagten als strafverschärfend. „Er hat damit das Opfer gezwungen, in einer 16-stündigen Zeugenvernehmung alle Vorkommnisse im Detail schildern zu müssen”. Dabei habe die intelligente Schülerin eine hohe Aussagekonstanz an den Tag gelegt, befand Westkamp. Die Staatsanwältin folgte den Ausführungen der psychologischen Sachverständigen Jeannette Kardas, die in ihrem Gutachten der 18-Jährigen eine hohe Glaubhaftigkeit bestätigte.

Sie wandte sich damit gegen die Ausführungen des Verteidiger Norbert Hack, der mit einem Ablehungsantrag gegen die Gutachterin vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen scheiterte. Hack bemängelte, dass die Gutachterin nicht nachvollziehbar alle Bewertungsinstrumente in ihrem Gutachten offengelegt habe.

Anwalt Thomas Polhammer beleuchtete als Vertreter der Nebenklägerin (es ist die 18-Jährige) die Belastungen des Opfers durch die mehrfachen und äußerst langen Vernehmungen. Das Verhalten des Angeklagten, der nicht nur geschwiegen, sondern seine Stieftochter als Lügnerin dargestellt habe, sei nicht angemessen. Vor allem auch dewegen nicht, weil er manches mal mit einem zynischen Lächeln dort gesessen habe. Der Prozess geht mit den Plädoyers der Verteidiger heute ab 9 Uhr im Aachener Landgericht weiter.
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