St. Ursula: Ganztagsschule heißt hier „Silentium”

Von: Hanna Rohé
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Die „Damen vom Grill” bereiten nicht nur täglich leckeres Essen für die aktuell 128 Silentiumsschülerinnen zu, sie müssen auch zahlreiche strenge Vorschriften beachten, Fortbildungen besuchen und täglich eine Portion für eine Woche einfrieren, falls beispielsweise Salmonellen auftreten. Vorgekommen ist das aber noch nie.

Monschau. Immer mehr Mädchen strömen in den Gang und stellen sich trotz ihres großen Hungers vorbildlich hinten an der Schlange vor der Essensausgabe an. Das übliche Stimmendurcheinander eines Schulflures liegt in der Luft und vermischt sich mit dem Duft nach frisch gekochtem Essen.

Kein Wunder, denn die „Drei Damen vom Grill”, wie Schulleiter Franz-Peter Müsch seine Küchenkräfte immer nennt, brutzeln jeden Tag ein leckeres Mittagessen für die Schülerinnen des Silentiums zusammen.

Silentium, das ist sozusagen die offene Ganztagsschule der Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau. 128 Schülerinnen sind aktuell für das freiwillige Silentium angemeldet und werden nach dem Unterricht noch bis 15.45 Uhr in der Schule betreut.

Mit Hilfe eines modernen Dämpfers, der 48 Essen gleichzeitig aufwärmen kann, ist es für die „Damen vom Grill” kein Problem, auch unter strikten hygienischen Vorschriften die Mädchen mit ausgewogenem Mittagessen und einem leckeren Nachtisch zu versorgen. Nachschlag kann jeder Zeit geholt werden und all das für nur 1,80 Euro pro Essen. Das einzige, was die Schülerinnen mittags leisten müssen, ist das Decken der Tische und das Abräumen hinterher.

In zwei zu Essensräumen umfunktionierten Klassenzimmern nehmen die Schülerinnen zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern an langen Tischen Platz. „Das ist wichtig für die Kommunikation zwischen den Schülerinnen und Lehrern”, sagt der Schulleiter, „denn so kommen alle ins Gespräch”.

Für 48 Euro voll versorgt

„Die Nachfrage wird immer größer”, so Franz-Peter Müsch, „das ist auch kein Wunder, da die gesamte Mittagsbetreuung mit Essen, Hausaufgabenbetreuung und einem breiten Freizeitangebot im Monat nur 48 Euro kostet”. Die Eltern, die selbst diesen Betrag nicht bezahlen können, werden von der Schule unterstützt, sodass deren Mädchen trotzdem in die Nachmittagsbetreuung gehen können.

Jetzt, bei dem schönen Wetter genießen einige der Mädchen draußen die Sonne, die Anderen „chillen” im „Ruheraum” zwischen den weichen Kissen, und die ganz Fleißigen fangen schon mit den Hausaufgaben für den nächsten Tag an. „Wenn die Mädchen nicht genug Pause gemacht haben, werden sie von den Lehrern auch noch mal rausgeschickt, um eine Runde um die Schule zu laufenÓ, beschreibt der Schulleiter die wichtige Funktion der Mittagspause.

Doch spätestens um 13.40 Uhr müssen alle Schülerinnen zurück in die Klassen, um dort in entspannter Atmosphäre zu arbeiten. „Jetzt so kurz vor den Ferien geben die Lehrer kaum noch Hausaufgaben auf”, bemerkt der Schulleiter, denn dann sei es für die Aufsicht schwerer, die Kinder ruhig zu halten und zu beschäftigen.

In jeder der möglichst nach Stufen und Klassen aufgeteilten Gruppen steht immer ein Lehrer, Referendar oder Student zur Verfügung, um noch nicht Verstandenes nochmals zu erklären. Franz-Peter Müsch findet, „dies ist schon fast ein Nachteil für die Schülerinnen, die nicht ins Silentium kommen”.

Um 15 Uhr beginnt dann das Freizeitangebot, das von ausgebildeten Sozial- und Sportpädagogen angeboten wird. Mit den Sozialpädagogen können die Mädchen jeder Zeit über ihre Sorgen reden, und das brauchen sie laut Franz-Peter Müsch auch, da es vor allem in dem Alter, in dem die Mädchen im Moment sind, zu vielen Problemen, sei es mit der Familie, der Schule oder Freunden kommt.

Während der Silentiumzeit trifft man überwiegend jüngere Schülerinnen im Schulgebäude an. „Dies liegt daran, dass die Mädchen im achten Schuljahr in eine schwierige Phase kommen und ihre Freizeit nicht mehr in der Schule verbringen wollen”, meint der Schulleiter. Im neunten und zehnten Schuljahr kämen einige dann wieder zurück, da sie wieder mehr für die Schule tun würden.

Pädagogen helfen bei Sorgen

Nach den Osterferien wird an St. Ursula auch nachmittags Unterricht stattfinden, wie er in den höheren Klassen schon jetzt praktiziert wird. In den Nachmittag lege man aber nur die Fächer Kunst, Musik, Sport, Hauswirtschaft und Textilgestaltung, „da man so spät keine Mathematik oder kein Englisch mehr unterrichten sollte”, sagt Müsch.

Da man bei Nachmittagsunterricht für alle Schülerinnen ein Mittagessen vorhalten muss, wird die Silentiumsküche demnächst um einen „Mittagssnack” erweitert. Eine zusätzliche Kraft bereitet Sandwiches mit Salat oder Ähnliches vor, die dann vom Hausmeister ebenso wie Getränke ausgegeben werden. Dafür muss der Kiosk noch etwas umgebaut und erweitert werden, damit es nach den Osterferien losgehen kann.

Zwei mal in der Woche müssen die Neunt- und Zehntklässlerinnen dann bis in den Nachmittag hinein in der Schule bleiben; die Siebener und Achter werden nur einen langen Tag in der Woche haben. So seien die Realschülerinnen, die nach dem Abschluss auf ein Gymnasium wechseln, auf den langen Unterricht in der Oberstufe vorbereitet, erläutert Franz-Peter Müsch.

Ab dem neuen Schuljahr muss an allen weiterführenden Schulen eine geregelte Nachmittagsbetreuung angeboten werden. Genau diese Regelung hat die Mädchenschule St. Ursula aber schon seit ihrer Gründung vor 300 Jahren mit dem Silentium.

Viele weiterführende Schulen müssen jetzt bis nach den Sommerferien so umgebaut werden, dass ein Mittagessen für die Schülerinnen und Schüler angeboten werden kann. Grund für diese Neuregelung ist das Abitur nach zwölf Jahren, das die Gymnasien zwingt, den Unterricht bis in den Nachmittag auszudehnen, und die steigende Nachfrage der Eltern nach einer Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder.
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