Monschau - St.-Michael-Gymnasium: Integration steht auf dem Stundenplan

St.-Michael-Gymnasium: Integration steht auf dem Stundenplan

Von: Pia Sonntag
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Am Monschauer St. Michael-Gymnasium unterrichten Thomas Kaulard (li.) und Isabel Pilz (re.) seit Beginn des neuen Schuljahres die internationale Klasse.

Monschau. Der 14-jährige Mascha Marja aus Albanien rauft sich durch die Haare und ist froh, als sein Lehrer Thomas Kaulard ihm bei seiner Grammatik-Aufgabe weiterhilft. Die deutsche Sprache ist nicht einfach, gibt Mascha zu. Trotzdem ist er dankbar in der Förderklasse dabei sein zu dürfen.

Das St.-Michael-Gymnasium in Monschau bietet seit Beginn des Schuljahres eine sogenannte „Internationale Klasse“ an, in der nicht-deutschsprachige Kinder unterrichtet und integriert werden. Bereits seit Jahren wird an der Schule das Projekt „SWS“ (Sozialwirksame Schule) umgesetzt. Der Umgang mit den Schülern ist fürsorglich und liebevoll. „Schon jetzt können wir sagen, dass wir die Jugendlichen der Internationalen Förderklasse als große Bereicherung der Schulgemeinschaft empfinden und wir sehr stolz auf die Hilfsbereitschaft und das soziale Engagement der Schülerinnen und Schüler sind, “ halten die Lehrer fest.

Das oberste Ziel ist, dass sich die Kinder auf Deutsch ausdrücken und untereinander kommunizieren können. Zu diesem Zweck werden die ausländischen Schülerinnen und Schüler bis zu 20 Stunden pro Woche in Deutsch unterrichtet und weitere vier bis sechs Stunden sollen sie anhand von Arbeitsmaterial ihre Deutschkenntnisse selbstständig erweitern.

Derzeit werden acht Jungen und acht Mädchen aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen in der Klasse unterrichtet. Darunter befinden sich Flüchtlinge, aber auch Kinder, deren Eltern unter anderem wegen einer neuen Arbeitsperspektive nach Deutschland kamen. Die Schüler, die fliehen mussten und ein Trauma zu bewältigen haben, werden psychologisch betreut. „Die internationale Klasse ist ein weiterer wichtiger Schritt, durch eine liebevolle Aufnahme, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen,“ erklärt Isabel Pilz, die Koordinatorin und Lehrerin der Förderklasse.

Die Schüler werden individuell gefördert, da sie nicht auf dem gleichen Niveau sind. In der Klasse variieren die Muttersprachen zwischen russisch, polnisch, französisch und arabisch. Viele der arabisch sprechenden Jugendlichen und Kinder müssen zunächst einmal in den Alphabetisierungskursen die lateinische Schrift lernen, die sich wesentlich von den arabischen Schriftzeichen unterscheidet. Nach einiger Zeit werden sie in mehr Deutschkurse eingebunden. Erst wenn die Schüler ein höheres Niveau erreicht haben, können sie Sprachprüfungen ablegen, die auch bewertet werden.

Isabel Pilz ist begeistert von der Motivation ihrer Schüler: „Es herrscht ein tolles Klima in der Klasse, da sie versuchen, sich untereinander trotz der Sprachbarrieren zu helfen und alle mit Freude beim Lernen dabei sind.“ Die Kinder und Jugendlichen seien sehr dankbar für die warmherzige Hilfsbereitschaft und seien froh, neue Freundschaften knüpfen zu können.

Im Klassenraum sitzen die Kinder und Jugendlichen in einem Halbkreis nebeneinander und hören gebannt den Lehrern zu. An den Tischen, Bänken und Stühlen sind Schilder mit der passenden Bezeichnung befestigt. Spielerisch wird den Anfängern Deutsch mit „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist...?“ beigebracht. Gleichzeitig werden die Farben eingeübt, indem sie mit den Adjektiven rot, grün oder blau antworten sollen. Die Kinder haben Spaß beim Lernen, was ihnen dadurch leichter fällt. Die Atmosphäre im Klassenzimmer ist sehr harmonisch. Die 14-jährige Reem Meslimani aus dem Libanon ist seit fünf Monaten in Deutschland und spricht schon ein wenig Deutsch. Sie erklärt, dass ihr die Klasse sehr gut gefalle und sie mit dem Lernstoff im Moment gut zurechtkomme, obwohl es am Anfang schwierig war. Ihre Freundin Valentina Frasheri aus Griechenland, die seit einem Jahr in Deutschland lebt, stimmt ihr zu. Ihr Deutsch ist bereits ziemlich gut und deswegen hat sie auch kein Problem, ihren Klassenkameraden bei Fragen weiter zu helfen.

Beim Grübeln über den Aufgaben werden die Schüler nicht alleine gelassen. Thomas Kaulard, Deutschlehrer der internationalen Klasse, sieht aber auch die Schwierigkeiten: „Ich kann mich, wenn bei den Schülern keinerlei Vorkenntnisse in Deutsch oder Englisch vorhanden sind, manchmal nur mit Händen und Füßen verständigen. Trotzdem stellt das Problem kein Hindernis für mich dar.“ Die Anfänger machen zunächst einfache Wortschatzübungen und lerne Dinge aus dem alltäglichen Gebrauch. Zunächst muss ein Grundwortschatz aufgebaut werden, damit eine tägliche Verständigung funktioniert. Die Fortgeschrittenen setzen sich derweil mit den bestimmten und unbestimmten Artikeln auseinander und eignen sich die verschiedenen Zeitformen an.

Die deutschen Mitschüler zeigen eine große Bereitschaft, in ihren Freistunden zu helfen. Den Oberstufenschülern war beim Arbeiten im Selbstlernzentrum aufgefallen, dass sich ihre ausländischen Mitschüler, die im gleichen Raum ihr Arbeitsmaterial bearbeiteten, manchmal schwer taten, die Aufgabenstellung genau zu verstehen. Deshalb wandten sie sich an Isabel Pilz und fragten, ob es nicht sinnvoll sei, jedem ausländischen Schüler einen Paten an die Seite zu stellen, der Fragen zum Arbeitsmaterial beantworten und auch erklären kann, was zum Beispiel ein Wandertag ist.

Die Nachfrage, wer bereit sei in seiner Freistunde eine solche Patenschaft zu übernehmen, führte zu einer überwältigenden Menge Freiwilliger. Inzwischen ist dieses Patenschaftsprojekt angelaufen und zeigt auf beiden Seiten sehr positive Ergebnisse. „Die ausländischen Schülerinnen und Schüler integrieren sich mit einem Paten an der Seite viel leichter in die Schulgemeinschaft und unseren Schülern werden völlig neue Einsichten in die Lebenswirklichkeiten Jugendlicher aus Marokko, Afghanistan, Syrien, Griechenland und anderer Staaten vermittelt, die sie manchmal verblüffen, oft aber auch sehr nachdenklich machen“, sagen die Lehrer.

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