St. Hubertus Schmidt: „Wie eine Rolle rückwärts ins Mittelalter”

Von: P. St./sj
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Die amtsenthobenen Kirchenvorsteher von St. Hubertus fechten die Entscheidung des Bistums an. Foto: Johnen

Schmidt. Die vom Bischöflichen Generalvikariat ihres Amtes enthobenen Kirchenvorsteher von St. Hubertus fechten die Entscheidung des Bistums an. In einem Brief an die Bezirksregierung fordern sie die Regierungspräsidentin auf, die aus ihrer Sicht rechtswidrige Absetzung der gewählten Kirchenvorsteher und damit die vom Bistum angekündigte Einsetzung eines Vermögensverwalters zu überprüfen.

Zugleich kündigten die Schmidter an, die Schiedsstelle im Bistum anzurufen. Das Generalvikariat hatte den kompletten Kirchenvorstand vergangene Woche wegen „mehrfacher Verstöße gegen die Verschwiegenheitspflicht” ihrer Ämter enthoben. Aus Sicht des Bistums hatten die ehrenamtlich tätigen Mitglieder interne Informationen in die Öffentlichkeit gegeben. Die Schmidter fürchten nun um die Zukunft der Pfarre.

„Bistum schießt mit Kanonen”

„Das Generalvikariat verstößt gegen das Gesetz, das bemüht wird, um unsere Amtsenthebung zu begründen”, sagt Bert van London weiter. Paragraph 18 des Gesetzes über die Verwaltung des Katholischen Kirchenvermögens besagt: „Wenn der Kirchenvorstand wiederholt seine Pflicht gröblich verletzt, so kann ihn die bischöfliche Behörde auflösen.”

Nach Ansicht der entlassenen Kirchenvorsteher schieße - ganz abgesehen von der Frage, ob Interna ausgeplaudert wurden oder nicht - das Bistum „mit Kanonen auf Spatzen”. Viel wichtiger sei aber der zweite Satz des Paragraphen: „Mit der Auflösung ist sofort die Neuwahl anzuordnen.”

Die Einsetzung eines Vermögensverwalters bis Herbst 2012 ohne Neuwahl des Kirchenvorstandes sei daher rechtswidrig. Ziel sei die Auflösung und Fusionierung der Pfarre in naher Zukunft, mutmaßen die Amtsenthobenen. „Wer, glauben Sie, wird sich denn nach diesen Vorgängen noch zur Wahl stellen?”, fragt van Londen.

Weitere Argumente liefert den Kirchenvorstandsmitgliedern ein Kommentar eines Rechtsexperten über „Rechte und Pflichten des Kirchenvorstandes.” In dieser Schrift geht es auch um die Amtsverschwiegenheit, die nach Auffassung des Bistums ja grundlegend verletzt sein soll.

In der Kommentierung über das Sitzungsgeheimnis ist Folgendes nachzulesen: „Die Mitglieder des Kirchenvorstandes sind zur Amtsverschwiegenheit (nur) über Angelegenheiten verpflichtet, die im Einzelfall durch Beschluss oder von der Bischöflichen Behörde als vertraulich bezeichnet werden...” Es bestehe als keine allgemeine Verpflichtung zur Wahrung des Sitzungsgeheimnisses. Dazu bedürfe es jeweils eines gesonderten Beschluss, heißt es weiterhin.

„Da ist dem Bistum ein grober Fehler unterlaufen”, sieht van Loden die Argumentation ins Leere laufen.

Zum Vorwurf der Verletzung der Verschwiegenheitspflicht hält van Londen fest, dass man mit der Weitergabe von Informationen niemals den „kirchlichen Raum” verlassen habe. Die weitergegebenen Informationen seien nur innerhalb des Gemeindeverbandes verschickt worden. „Die Schritte in die Öffentlichkeit kamen vom Bistum.”

Es habe sich aber bereits in der Vergangenheit angebahnt, dass „wir kaltgestellt werden sollten”. Einst habe die Pfarre Schmidt innerhalb des Bistums wegen ihrer außergewöhnlichen Aktivitäten eine „Leuchtturm-Funktion” eingenommen. Jetzt aber seien die Aktivitäten dem Bistum offenbar zu intensiv geworden.

„In der Wüste, in der es nirgends Wasser gab, war St. Hubertus eine Gemeinde mit einem Brunnen. Das hat das Bistum gestört”, mutmaßen van Londen und seine Kollegen. Die Pfarre habe stets mit eigenen Ideen und Tatkraft versucht, Finanzierungslücken zu schließen, die Eigenständigkeit zu wahren, „und die Kirche im Dorf zu lassen”. „Wir haben auch stets dem aus Aachen vorgegebenen Kurs widersprochen, Personal abzubauen”, sagt van Londen. „Wir wollten nicht Menschen arbeitslos werden lassen.”

Kritik gab es aus Schmidt auch mehrfach an der Einführung der Verwaltungszentren. „Wir waren nie Kirchenvorsteher, die kritiklos alles abgenickt haben”, sagt van Londen. Nach „jahrelangen Querelen” mit dem eigenen Pfarrer, der mehrheitlich gefasste Beschlüsse ignoriert habe, habe das Gremium mehrfach Hilfe vom Bistum angefordert.

„Nach 79 Jahren Erfahrung, die wir einbringen, ist das nun die Antwort auf unser Engagement”, beurteilt Ex-Gremiumsmitglied Bernhard Haas die Amtsenthebung. „Das ist eine politische Entscheidung.” Statt engagierter Christen seien offenbar Jasager gefragt. „Sind wir eigentlich noch im richtigen Verein?”, fragt Haas. „Das Bild, das diese Kirche abgibt, ist katastrophal”, fügt Bert van Londen hinzu. Mit Menschen könne so nicht umgegangen werden. „Das ist wie eine Rolle rückwärts ins Mittelalter.”

Mit der Amtsenthebung ist in Schmidt für das Bistum aber nicht alles vorbei”, sagt van Londen. „Das ist keine Drohung, das ist eine Feststellung.”

Die enthobenen Kirchenvorstandsmitglieder besuchten am Samstagabend gemeinsam den Gottesdienst in „St. Mokka”, da angeblich von Pfarrer Heinz-Josef Biste ein Brief zur aktuellen Problematik verlesen werden sollte. Als dies zu Beginn der Messe aber nicht geschah, verließen die Mitglieder beim Einzugslied dezent das Gotteshaus.

Beim Hinausgehen, registrierte Bert van Londen, „haben einige Gottesdienstbesucher in der halb gefüllten Kirche und leise applaudiert.”
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