Spurensuche unter dem Kirchturmdach

Von: rpa
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Theo Steinröx, 2. Vorsitzender des Heimatvereins Konzen, interviewte Franz Huppertz vom Sägewerk Huppertz (Hardt-Matthes) als Zeitzeuge über den Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Dorfes Konzen. Rechts der frühere Ortsvorsteher Otto Theißen, 2. von links: Manfred Huppertz, Vorsitzender des Heimatvereins. Foto: R.Palm

Konzen. Die Glocken von Konzen - auch sie werden Gründonnerstag nach Rom fliegen. Der Legende nach fliegen alle Glocken am Gründonnerstag, nachdem sie zum Gloria noch einmal festlich geläutet haben, nach Rom, um dort Milchbrei zu essen, mit dem Papst Mahl zu halten oder sogar zu beichten.

In der Osternacht kehren die Glocken dann mit der Osterbotschaft an ihren angestammten Platz hoch oben im Turm der Kirche zurück. Wie die Glocken von Konzen dort hinkamen, dies erzählte Franz Huppertz (83) als Zeitzeuge auf der Jahresversammlung des Heimatvereins Konzen.

Gesprächspartner war Monschaus Alt-Bürgermeister Theo Steinröx als 2. Vorsitzender des Heimatvereins. Themen des Gespräches zwischen Theo Steinröx und Franz Huppertz waren die Rückkehr nach dem Krieg aus der Evakuierung, der Wiederaufbau des zerstörten Dorfes Konzen und der Wiederaufbau der Pfarrkirche.

Franz Huppertz, bestens bekannt als Hardt-Matthes Franz, vom Sägewerk und Zimmerei der Gebrüder Huppertz, erzählte vor großem Publikum, wie das neue Kirchendach in drei Abschnitten gebaut wurde: 1949 wurde das Dach über dem alten Chorraum und über dem Gewölbe errichtet, 1950 wurde das Dach über dem Mittelschiff gebaut, 1951 wurde dann von den Leuten des Betriebes Huppertz die Turmspitze gezimmert.

Noch heute künden die Kirchtürme von Rollesbroich, Haaren, Mützenich, Dedenborn Höfen und Konzen den guten Ruf der Konzener Firma. In den Februar- und Märztagen 1956 wurden dann „bei bitterer Kälte” die vier Glocken in den Glockenstuhl eingebaut. Franz Huppertz erinnert sich: Mit Manneskraft und einer schweren Seilwinde wurden die Glocken an der Außenwand des Kirchturms hochgezogen, die schwere Petrusglocke wiegt 1575 Kilogramm.

Die Winde war von der Firma Junker ausgeliehen. Oben am „Schallloch” wurden die Glocken mit einem Flaschenzug nach innen gezogen und montiert. Das war eine abenteuerliche und auch gefährliche Arbeit, erinnert sich Franz Huppertz. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurden die Glocken am 4. März 1956 geweiht, am 11. März haben sie dann zum ersten Mal geläutet, der Anlass: die Primizfeier des Jungpriesters Robert Frings. Noch heute erinnern die Glocken, wenn sie läuten, an dieses Ereignis.

Robert Frings (83) lebt nach vielen Jahren seines priesterlichen Wirkens mit Stationen in Düren, Mönchengladbach, Lendersdorf und vor allem Hoven und danach in Steckenborn, in seinem Konzener Heimatdorf und unterstützt das eucharistische Leben in der Gemeinschaft der Gemeinden Monschaus nach besten Kräften.

Wie sah Konzen nach dem Krieg aus? Was war die Hauptsorge? Wie lebten die Menschen damals ohne Strom? Wie wurde im Sägewerk gearbeitet? Theo Steinröx, 2. Vorsitzender des Heimatvereins, hat angeregt, in einer neuen Reihe des Heimatvereins Zeitzeugen zu befragen, und ihre persönlichen Erlebnisse zu dokumentieren.

Den Anfang machte nun Harth-Matthes-Franz, der unter anderem berichtete: Konzen war stark zerstört, rund 50 Häuser waren völlig vernichtet, überall Bombentrichter und Granateinschläge. Strom gab es erst wieder ab September 1946, eine Folge davon: Balken und Bretter wurden im Sägewerk Huppertz in Handarbeit gesägt (Trecksääch). Der Säge- und Zimmereibetrieb seiner Eltern hatte „so viele Aufträge, dass wir nicht wussten, wie das alles zu bewältigen war”, von früh bis spät habe man gearbeitet, es gab keine 40-Stunden-Woche, an Urlaub dachte keiner. Franz Huppertz: „Bezahlt wurde mit der fast wertlosen Reichsmark. Hin und wieder gab es einen Schinken, Butter oder sonstige Naturalien als Zulagen.” Franz Huppertz nennt weitere Ereignisse: Konzen hatte damals vier Bäcker, 1949 wurde schon wieder Karneval gefeiert, die ersten Gaststätten waren wieder geöffnet, die Trierer Straße wurde 1948 mit einer Packlage, mit Kleinschlag, Sand und einer Teerdecke ganz erneuert; 1953 wurde eine neue Wasserleitung gebaut - von der Hohe in Konzen nach Mützenich. „Allmählich ging es wieder aufwärts mit dem Dorf.”

Weitere Zeitzeugen

Weitere Zeitzeugen sollen künftig zu Wort kommen. Theo Steinröx hat die Themen dazu bereits vorgeschlagen: Landwirtschaft (und Handwerk, Tuchfabriken in Konzen, Post und Bahn, die öffentliche Verwaltung und Wiederaufbau der Schule). Ein Zeitzeuge wurde bereits engagiert: Der frühere Lehrer Johannes Palm, der heute als Bruder David (84) in der Benediktiner-Abtei in Kornelimünster lebt.
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