Sprache als Strategie im rechten Milieu

Von: Peter Stollenwerk
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Mit der Sprache und dem germanischen Mythos im Rechtsextremismus befasst sich das neueste Buch des in Roetgen lebenden Autors Prof. Dr. Dr. Georg Schuppener, der in der örtlichen Buchhandlung „Lesezeichen“ in Anwesenheit von Rose Blatz-Ommer (re.) und Claudia Küpper sein soeben erschienenes Werk vorstellte. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. „Wir glauben, dass der Kampf um die Gestaltung dieser Erde Teil des ewigen Kampfes ist“, heißt es im „Glaubensbekenntnis“ der rechtsextremistisch orientierten Organisation „Artgemeinschaft“. Die Formulierung einer Weltanschauung in dieser hochpathetischen sprachlichen Ausdrucksform klingt wie ideologisch gefärbte Propaganda aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Im Rechtsextremismus der Gegenwart aber ist diese Sprache ebenso wie der germanische Mythos auch heute noch ein wesentlicher Teil seiner Identität.

Mit den sprachlichen und mythosbezogenen Erfolgsstrategien rechtsextremer Kreise befasst sich ein soeben erschienenes Sachbuch, das der aus Roetgen stammende Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Georg Schuppener (48) unter dem Titel „Sprache und germanischer Mythos im Rechtsextremismus“ verfasst hat. Schuppener, der Autor zahlreicher Publikationen zur Sprach- und Kulturgeschichte ist, war es auch ein Anliegen, sein jüngstes Werk auch in der Roetgener Buchhandlung „Lesezeichen“ vorzustellen.

In unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Verbortsverfahren gegen die rechtsextreme NPD gewinnt die Veröffentlichung eine zusätzliche Aktualität. Der Autor hat in rund vierjähriger Recherche umfangreiches Material gesammelt, das belegt, dass der Rechtsextremismus sich nicht nur des Zugriffs auf die nordisch-germanische Mythologie bedient, sondern auch in seiner Sprache ein spezifischen Vokabular bevorzugt. Diesen beiden in der Fachliteratur bisher wenig beachteten Aspekten widmet sich Georg Schuppener.

Neben Symbolik und Redewendungen spielen in rechtsextremistischen Kreisen aber auch Musik und Kleidung eine zentrale Rolle. Der Autor wertete dafür unterschiedliche Quellen wie soziale Netzwerke oder gedruckte Publikationen aus. Manche dieser Quellen sind frei zugänglich, andere wieder agieren im Verborgenen.

Der Blick des Autors geht auch über die Bundesrepublik hinaus, „denn Rechtsextremismus gibt es in jedem Land“, nur begegne man in Deutschland dieser Thematik ganz besonders sensibel.

Schuppener schätzt, dass zwischen zwei und fünf Prozent der Bevölkerung dem Rechtsextremismus und damit dem „völkischen Denken“ zugewandt sind. Hierbei handele es sich um eine „sehr aggressive Minderheit, die die Demokratie abschaffen will“. Als Beispiel nennt er den NSU, nicht aber die AfD, die er dem „Rechtspopulismus“ zuordnet.

Ein wesentliches Merkmal des Rechtsextremismus sei auch, dass er sich nicht über Parteien, sondern über freie Zusammenschlüsse definiere. Die rechtsextremistische Szene sei in sich sehr zerstritten. In der gemeinsamen Ideologie herrsche zwar Einigkeit, aber eine gemeinsame Strategie, wie Ziele erreicht werden sollen, gebe es nicht.

Das Buch beleuchtet auch den Aspekt, dass Rechtsextreme für die Zwecke ihrer Selbstdarstellung Symbole, Sprache und/oder Musik missbrauchen. Die Legitimität für ihr Handeln und ihre Zielsetzungen in der Gegenwart bezögen diese Kreise aus der deutschen Geschichte bis hin zur germanischen Frühzeit.

Politische Aufgabe

Die einzelnen Kapitel widmen sich dem rechtsextremen Zugriff auf die nordisch-germanisch Mythologie, dem aktuellen Symbolrepertoire, den Begriffen Heimat und Dialekt innerhalb rechtsextremer Internet-Kommunikation sowie Botschaften der Gewaltbejahung und der rechtsextremen Phraseologie.

Am Ende kommt Georg Schuppener zu der Erkenntnis, dass das Phänomen Rechtsextremismus auch in Zukunft nicht nur ein Thema wissenschaftlicher Untersuchungen, „sondern aufgrund seiner gesellschaftlichen Bedeutung ebenfalls eine ständige Aufgabe der politischen Auseinandersetzung“ sein müsse.

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