„Spiegelwelten“: Dialog aus Farben, Klängen und Worten

Von: avl
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Sie bereiteten dem Publikum einen Nachmittag mit vielen Höhepunkten: Musiker Uwe Gäb (v.l.n.r.), Komponist Anno Schreier, Sofie Schiffer, Musikerin Ingeborg Gäb, Künstlerin Harpreet Sodhi und die Literaten Josef Schreier, Vincent Rudolf und Jósef Górka. Foto: van Londen

Monschau. „Ist das nicht ein schöner Tag?“, fragte Harpreet Sodhi bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste, die zur inzwischen zweiten Veranstaltung im Rahmen ihrer Ausstellung „Spiegelwelten – Bilder im Dialog mit Musik, Tanz und Literatur“ in den Bürgersaal des Auklosters gekommen waren.

Ja, der Tag war schön – vor allem nach den eineinhalb Stunden voller nicht alltäglicher Kunst, die berührte und mitnahm in eine Welt der Farben, Klänge und Worte. Allesamt trugen diese dazu bei, das Leben zu verstehen, es anzunehmen und dessen Sinn zu erfahren. Das, was das Leben im Inneren zusammenhält, ist die Spiritualität – diese Erkenntnis war das Ansinnen der Künstlerinnen und Künstler und wurde vom Publikum dankbar aufgenommen.

Abwechselnd interpretiert

Eine Musikerin, ein Musiker, ein Komponist und drei Literaten begleiteten mit ihrer Kunst die zahlreichen klein- und großformatigen Gemälde der indischstämmigen Ärztin und Malerin Harpreet Sodhi. Neben der Gemeinsamkeit im Geiste verband alle aber noch ein weiterer Umstand: alle teilnehmenden Künstler kommen aus Imgenbroich.

Abwechselnd trugen alle dazu bei, die einzeln vorgestellten Bilder von Harpreet Sodhi in den unterschiedlichen Genres zu interpretieren und zu ergänzen. Von melancholisch über heiter, sphärisch, bedrohlich, wohltuend, meditativ, kraftvoll bis hin zu Augenblicken mit Gänsehautfaktor – der musikalische Bogen der Veranstaltung war weit gespannt.

Zu Bildern mit Titel wie „Weg der Erkenntnis“, „ … und Gott sah“, „Metamorphose“, „Farbenspiel“, „Perpetuum mobile“, „Kosmische Harmonie“, „Antlitz der Wüste“, Einklang“, Der Wald“, „Bergland“, „Tanzekstase“ und „Paradiesvogelblume“ brachten die Literaten Dr. Josef Schreier, Jósef Górka und Vincent Rudolf Lyrik und Poesie zu Gehör und Herz.

Die Musiker Ingeborg Gäb (Klavier) und Uwe Gäb (Violine) setzten mit ihrem hervorragenden, musikalischen Vortrag ganz eigene Höhepunkte. Mit Werken von Jean-Marie Leclair, Jules Massenet, Fanny Hensel und Efrem Zimbalist hatten sie Kompositionen gewählt, die nicht nur einen wohltuenden Kontrapunkt setzten.

Höhepunkt der Veranstaltung aber war die von dem Musikerehepaar vorgetragene Uraufführung des jungen Komponisten Anno Schreier. Die eigens für diese Ausstellung komponierte Musik „Spiegelbilder – für Violine und Klavier“, trugen die Titel „Grazioso“, „Grave“ und „Vivace“. Der aus Imgenbroich stammende freischaffende Komponist schreibt erfolgreich für Theater und Opernhäuser, wie beispielsweise die Oper „Prinzessin im Eis“ für das Stadttheater Aachen.

Der 35-jährige Anno Schreier lebt nun in Karlsruhe und arbeitet unter anderem auch als Lehrbeauftragter für Musiktheorie. Seine moderne Klassik erinnert in manchen Passagen an die musikalische Sprache des berühmten Karlheinz Stockhausen – nicht einfach zu verstehen, aber durchaus mit jeder Menge Charisma, Können und hoher Musikalität.

Ein junger Komponist, von dem sicher noch einiges zu erwarten sein wird. „Die Komposition von Anno Schreier war für uns eine besondere Herausforderung, auf die wir uns gut vorbereitet und gefreut haben“, sagten Ingeborg und Uwe Gäb. Dr. Josef Schreier, der Vater von Anno Schreier, fand vor allem den Umstand, dass die Gesamtvorstellung in künstlerischen Sparten getrennt war, aber ein gemeinsames Ziel verfolgte, herausragend. „Der Mensch muss ein übergeordnetes Ziel haben – über den Alltag hinaus. Das vermag die Kunst“, so der gelernt Bibliothekar.

Jósef Górka fand durch das Gemeinschaftsprojekt mit Harpreet Sodhi erst nach vielen Jahren wieder zum Schreiben. Der Projektentwickler einer Computerfirma fand so wieder zu einem wichtigen Anknüpfungspunkt seiner Jugend zurück, in der er Lyrik und Poesie verfasste. „Ich habe die Entstehung der Bilder miterlebt und habe deshalb einen ganz persönlichen Bezug“, so Górka.

Der Dritte im Literatenbunde war der 19-jährige Vincent Rudolf, der das Publikum mit seiner Wortgewaltigkeit aufhorchen ließ. Der in Monschau aufgewachsene und jetzt in Heidelberg Kunstgeschichte und Germanistik studierende Literat brillierte mit seiner bildreichen, sensiblen und lebenserfahrenen wie abgeklärten Literatur, die man einem jungen Menschen in dieser Intensität und Professionalität nicht zutrauen würde.

Die Veranstaltungsreihe zu der Ausstellung „Spiegelwelten“ geht am Sonntag, 29. Juni, 16 Uhr, in die nächste und letzte Runde. Im Bürgersaal des Auklosters erwartet Interessierte dann Bilder und Gedichte in moderner Choreographie mit den Künstlern Annalisa Derossi (Tanz) und Markus Berzborn (Klavier).

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