Spendensammeln angesagt: Der Frauen-Notruf braucht Unterstützung

Von: Stephan Mohne
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„Wir schaffen es” ist sich Leiterin Agnes Zilligen sicher. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Es ist schon ein paar Jahre her, dass Petra C. (Name geändert) von ihrem damaligen Lebensgefährten vergewaltigt wurde. Es folgten Jahre des Leidens. Nach einer Anzeige bei der Polizei gab es massive Bedrohungen durch den Täter, in die auch Petras Tochter hineingezogen wurde. Dann kam der Prozess.

Vier Stunden lang stand sie ihre Zeugenaussage durch. Der Täter wurde verurteilt, ging in Berufung. Bis dahin hatte Petra C. eine Mauer um ihre Emotionen aufgebaut. Zwei Jahre dauerte es, bis es zum Berufungsverfahren kam. „Da habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr kann”, sagt Petra C. heute im Rückblick. Kurz vor dem Prozess griff sie zum Telefonhörer und wählte die Nummer des Notrufs für vergewaltigte Frauen und Mädchen.

Täter nur zu Bewährungsstrafe

„Ich hatte gar nicht daran geglaubt, dort schnell einen Termin zu bekommen”, erzählt die junge Frau. Doch sie erhielt schnell einen Termin, sofort nahm sich Beraterin Monika Bulin des Falles an. Und es gab noch einiges an Hilfe zu leisten. Petra C. wurde eine versierte Anwältin vermittelt, das Opfer wurde zudem im zweiten Verfahren begleitet - und musste „aufgefangen” werden, als der Täter nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Danach wurde Petra C. noch in eine Therapie vermittelt - und auch später, wenn die Gefühle wieder hochkamen, war Monika Bulin zur Stelle. Jetzt ist es Petra C., die helfen will, indem sie ihre Geschichte erzählt - und unterstreicht, was der Frauennotruf für sie bedeutet. Denn der Verein braucht selber Hilfe. Wie berichtet, war die Arbeit für den Rest des Jahres akut gefährdet, weil 15.000 Euro fehlten.

„Wir schaffen es”, sagt Agnes Zilligen, Leiterin der Beratungsstelle an der Kurbrunnenstraße, nun erleichtert. Nach einem Bericht in der AZ vor einigen Wochen gab es eine regelrechte Welle der Unterstützung. Fast 13.000 Euro kamen spontan zusammen - und auch die AZ-Leser wirkten über die Hilfsaktion „Menschen helfen Menschen” tatkräftig an der Rettungsaktion mit. Mehr noch: Agnes Zilligen und ihre Kolleginnen erhielten reihenweise Anrufe und Mails, die sie in ihrer Arbeit bestärkten. „Viele Menschen sagten uns, dass sie die ständig wiederkehrende Gefährdung der Beratunsstelle als Zumutung empfinden”, so Zilligen.

Klinkenputzen ist angesagt

Bei aller Freude über die Hilfsbereitschaft und den Zuspruch denkt die Diplom-Pädagogin schon weiter. Sie muss weiterdenken, denn 2011 steht vor der Tür. Und da muss der Frauennotruf wieder 45.000 Euro an Eigenmitteln aufbringen. 40.000 Euro gibt es derzeit als Landeszuschuss, 85.000 Euro kommen von der Städteregion. Agnes Zilligen ist vorsichtig optimistisch, dass der städteregionale Zuschuss vielleicht ein wenig steigt.

Beim Land ist alles offen, der Etat dort wird erst im Juni 2011 verabschiedet. Spendensammeln und Klinkenputzen ist also angesagt. Obwohl dafür kaum Zeit ist, denn eigentlich bräuchte der Notruf mehr Personal. 360 Beratungen hat es bisher dieses Jahr geben. Das sind jetzt schon 30 mehr als im gesamten Jahr 2009.

Petra C. rät indes allen Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, sich an den Notruf zu wenden. Sie selbst hat das fast zu spät erkannt. Heute sagt sie: „Ohne diese Hilfe hätte ich es nicht geschafft, das zu überstehen.”

Hilfsaktion für den Notruf geht weiter

Wer dem Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen helfen möchte, kann dies weiterhin über die Hilfsaktion der Aachener Zeitung „Menschen helfen Menschen” tun.

Das Spendenkonto steht unter dem Stichwort „Frauennotruf” bei der Sparkasse Aachen, Bankleitzahl 39050000, Kontonummer 776666.

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