Spedition als gewachsener Teil des Dorfes

Von: P. St.
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Am Lenker: Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling besuchte jetzt das Speditionsunternehmen Hermanns & Kreutz in Kalterherberg. Zu Seite standen Juniorchef Axel Kreutz und der Monschauer SPD-Fraktionsvorsitzender Gregor Mathar (re.) Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. Vielleicht hat Stefan Kämmerling, wie einst viele junge Männer, ja auch einmal davon geträumt, als Kapitän der Landstraße hinter dem Lenkrad eines Lkw zu sitzen und hinaus in die Welt zu fahren. Jetzt hatte der SPD-Landtagsabgeordnete aus Eschweiler die Gelegenheit, einmal die Perspektive eines Brummifahrers einzunehmen, als er zu Gast beim Speditionsbetrieb Hermanns & Kreutz in Kalterherberg war.

Nachhaltiger als dieser Eindruck aber dürfte für Kämmerling der Rundgang durch den Betrieb gewesen sein, der in den 28 Jahren seines Bestehens mit konsequenter und weitsichtiger Unternehmensphilosophie auf Kurs gehalten wurde.

Am Ortsrand von Kalterherberg, wo man eigentlich nur noch unberührte Landschaft erwartet, hat einer der größten Arbeitgeber innerhalb der Stadt Monschau seinen Platz gefunden, und obwohl sich die Lkw-Flotte täglich durch enge Dorfstraßen schieben muss, steht der Standort nicht zur Diskussion. 241 Mitarbeiter, darunter 21 Auszubildende, beschäftigt Hermanns & Kreutz derzeit, 220 sind es am Standort Kalterherberg.

Die Verkehrsanbindung des ländlichen Raumes und die Pkw-Maut waren beim Besuch des Landtagsabgeordneten zwei naheliegende Themen, wobei Stefan Kämmerling die geplante deutsche Pkw-Maut als „eine der größten politischen Fehlentscheidungen der letzten Jahre“ bezeichnete.

Auch Axel Kreutz, der Juniorchef des Unternehmens und seit drei Jahren Leiter der Niederlassung München, ist mit dieser Thematik ständig konfrontiert, auch weil einige Beschäftigte im nahe gelegenen Belgien wohnen.

Ein anderer Standort als in der Kuhlengasse mit seinen gewachsenen Strukturen ist trotz vieler Nachteile für das Unternehmen undenkbar. Axel Kreutz spricht von der hohen Identifikation der Mitarbeiter mit dem Betrieb und der damit verbundenen Bodenständigkeit. Diese Verlässlichkeit könne kein noch verkehrstechnisch besserer Standort ersetzen. Dies bestätigt auch Thomas Palm von der Geschäftsleitung: Man arrangiere sich mit den Anwohnern, und hilfreich dabei sei, dass zahlreiche Mitarbeiter im Ort selbst lebten und das Unternehmen selbst gut in den Ort integriert sei.

Aber auch noch andere Aspekte bedeuten eine ständige Herausforderung für das Unternehmen. Da ist vor allem die Konkurrenz der osteuropäischen Transportunternehmen mit 40 Prozent niedrigeren Lohnkosten. Dieses starke Lohngefälle fängt das Speditionsunternehmen aus Kalterherberg mit der Spezialisierung auf anspruchsvolle Ladungen und logistischen Sachverstand auf: „Wir sind gefragt, wenn mehr verlangt wird, als vier Paletten zu verladen“, erläutert Axel Kreutz. Im Lebensmittel- und Liquidbereich hat sich Hermanns & Kreutz einen guten Ruf am Markt erworben.

Was dem Unternehmen aber zu schaffen macht, sind unabwendbare Belastungen wie sie beispielsweise seit dem vorigen Jahr durch die Einführung der belgischen Maut anfallen. Das bedeute 500 000 Euro jährlich an Zusatzkosten, erläutert Thomas Palm. Im Wege stehe dem Speditionsunternehmen aber auch manchmal die Bürokratie, sowohl innerhalb der EU-Grenzen als auch im innerdeutschen Raum. So wünsche er sich dringend einheitliche Transportrichtlinien in den Bundesländern. „Das ist jetzt sehr kompliziert“, erläutert Palm.

Auch noch eine weitere Anregung nahm der Landtagsabgeordnete mit. Das Kalterherberger Unternehmen beklagt einen „absoluten Fahrermangel“, weil das Problem der langen Abwesenheit den Beruf für viele Arbeitnehmer nicht attraktiv mache. Hilfreich sei hierbei, so der Vorschlag der Geschäftsleitung, wenn auch Rentner über die gesetzlich festgelegte 450-Euro-Grenze der Mini-Jobs hinaus eingesetzt werden dürften und das Unternehmen sich deren langjährige Erfahrung zunutze machen könnte.

Auch wenn Stefan Kämmerling das leidige Dauerbrenner-Thema der Verkehrsanbindung über die B 258 in Richtung Aachen im Landtagswahlkampf eigentlich nicht verheizen wollte, kam er beim Besuch eines Unternehmens, für das gut ausgebaute Straßen bares Geld bedeuten, natürlich nicht an diesem Punkt vorbei. Kämmerling betonte, dass er seit fünf Jahren an dieser Problematik arbeite und er weiter den Weg verfolge, „alle unterschiedlichen Interessen an einen Tisch zu bringen“.

Das sei leider bislang nicht gelungen. Der Landesbetrieb Straßenbau sei in der Planungsphase und werde demnächst einen Ausbauvorschlag einbringen. Ein wesentlicher Faktor sei dabei, dass der gesamte Bereich der B 258 zwischen Relais Königsberg und Autobahn Lichtenbusch betrachtet werde. Wenn man sich jetzt nur auf die Situation in Oberforstbach konzentriere, dann sei ein umfassender Ausbau für immer vom Tisch.

Eine gute Nachricht zur Bundesstraße 258 konnte aber am Ende dennoch verkündet werden: Der Kalterherberger SPD-Ratsherr Gregor Mathar sagte, dass dem Ausbau der B 258 einschließlich eines Radwegs zwischen Wahlerscheid und Höfen nach Einigung mit der Nationalparkforstverwaltung nun nichts mehr im Wege stehe.

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