Nordeifel - Sonntagsschüsse auf Kanadagänse in der Eifel? Touristen schockiert

Sonntagsschüsse auf Kanadagänse in der Eifel? Touristen schockiert

Von: Anke Capellmann
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Seit dem 16. Juli ist Jagdzeit für Wildgänse: Einen Abschuss zur Hochzeit der Wanderer und Spaziergänger, den eine Augen- und Ohrenzeugin mitbekommen haben will, finden aber viele Fachleute durchaus merkwürdig.

Nordeifel. Geplant war ein gemütlicher Sonntagsausflug in die schöne Eifel. Daraus sei allerdings nichts geworden. „Direkt vor unserer Nase hat jemand ein Tier erschossen“, erzählt Sofia Elsbeth Küppers-Hofmann. „Als Tourist hier anzukommen und das zu sehen, hat uns den Tag versaut.“

Die Geilenkirchenerin wanderte an besagtem Sonntag zusammen mit ihrem Mann Michael Hofmann und dem befreundeten Leo Plum von Rurberg nach Einruhr. Auf dem letzten Drittel des Wanderweges, etwa zehn Minuten von Einruhr entfernt, sei das Trio gegen 15.30 Uhr einem Mann mit Schrotflinte und einer Frau, die ein Gewehr mit Zielfernrohr bei sich getragen habe, begegnet.

Laut Leo Plum hatte die Dame einige Kanadagänse, die in etwa 70 bis 80 Meter Entfernung auf einer Wiese grasten, ins Visier genommen. Sie habe mehrmals geschossen. „Schließlich hatte sie Erfolg und holte dann die tote Gans von der Wiese“, sagt Plum.

„Ich kann nicht verstehen, dass man so etwas nicht in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden macht. Es waren an diesem Tag so viele Spaziergänger, auch mit Kindern, unterwegs, schließlich war auch ‚Rursee in Flammen‘“, sagt Sofia Elsbeth Küppers-Hofmann. Auf die Frage nach einer Erlaubnis hätten sie keine hinreichende Antwort bekommen. Die beiden seien beauftragt, hieß es lediglich.

Viele sind genervt

Auf Wiesen und Stegen an den Ufern des Rursees mussten Anwohner und Besucher in der vergangenen Zeit mit ständig zunehmendem Gekrächze und Kot leben. Viele sind genervt von den Kanada- und Nilgänsen, die sich hier pudelwohl fühlen – das Gras ist kurz gemäht und von so manchem Gast gibt es Brot.

In den vergangenen Jahren hat die Population der Kanadagänse in der Nordeifel rasant zugenommen. Auch Landwirte sind betroffen, denn Wildgansarten können auf Weideflächen und Getreideäckern beträchtliche Schäden anrichten.

Unverständnis äußern die drei Wanderer darüber, dass die beiden „Jäger“ Dienstkleidung des Zolls getragen haben sollen. Mark Gerner, Pressesprecher des Hauptzollamtes Aachen, kann sich das nicht vorstellen. „Wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst und haben alle Eventualitäten geprüft. Wir gehen nicht davon aus, dass das Zollbeamte waren“, sagt Gerner.

Beim Hauptzollamt beschäftigt seien nur zwei Jäger, die an diesem Tag keinen Dienst gehabt hätten und eine Jägerin, die seit zwei Jahren nicht mehr jage. Außerdem trage man beim Zoll weder Schrotflinte noch Kleinkaliber.

Als Bediensteter sei man auch für ein angemessenes Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit, insbesondere durch die Trageweise von Dienstkleidung, verantwortlich. Ein Problem sei allerdings, dass man mühelos Shirts im Internet bestellen könne, die vom Zoll-Logo geziert würden. „Falls sonst jemand etwas Verdächtiges gesehen hat, bitte unbedingt melden“, sagt Gerner.

Den zuständigen Jäger des Gebietes ausfindig zu machen, gestaltet sich indes schwierig – allein schon wegen des Datenschutzes, wie Günther Plum, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Aachen, sagt. Das Gebiet, das von Alsdorf über Eschweiler bis nach Monschau und rund um den Rursee reicht, ist in etwa 160 Jagdreviere aufgeteilt. Viele Reviere sind rund 350 bis 400 Hektar groß, manche auch kleiner. Pachten darf eine Person maximal 1000 Hektar.

Rechtlich nicht ausgeschlossen

Wenn es sich bei dem Vorfall am Wochenende tatsächlich um Jäger gehandelt haben sollte, dann habe das laut Plum allerdings seine Rechtmäßigkeit. „Wir haben keine Kenntnis darüber, dass dort geschossen wurde“, sagt er. Allerdings sei es jagdrechtlich nicht ausgeschlossen. „Wildgänse haben seit dem 16. Juli Jagdzeit. Zu denen zählen die Kanadagans, die Nilgans und die Graugans.“

Petra Leckner, Leiterin des Hegerings Simmerath, versichert, dass niemand aus ihrem Bereich an diesem Wochenende auf Gänse geschossen hätte. „Ich fände es schon ungeheuerlich, wenn man bei soviel Betrieb auf die Jagd gehen würde – zumal bei dieser Hitze. Außerdem sind Ferien. Wenn überhaupt, dann schießen wir morgens um halb sechs, sechs Uhr“, sagt Leckner.

Matthias Greifenstein von der Forstverwaltung Simmerath sagt zu dem Vorfall: „Grundsätzlich sollte man morgens oder abends jagen. Und die meisten tun das auch, es sei denn, die Situation macht es anders erforderlich.“ Koteten Gänse also beispielsweise Wiesen zu und Rinder fräßen das Gras, könnten die Bakterien dem Vieh durchaus schaden. „Wenn also Handlungsbedarf besteht, dann ist das Verhalten berechtigt“, sagt Greifenstein.

Die Gemeinde Simmerath hat indes schon auf die zunehmende Verschmutzung durch die Wildgänse reagiert. „Bürgermeister Hermanns ist schritflich an den Jagdpächter in Rurberg herangetreten mit der Bitte, gegen die Gänse vorzugehen“, sagt Bruno Wilden vom Ordnungsamt.

Die Betonung liege dabei auf „Bitte“, denn einen Auftrag dazu geben könne die Gemeinde nicht. Diese Bitte sei allerdings nur an den Jagdpächter in Rurberg gegangen und nicht an den Verantwortlichen in Einruhr, wo sich der besagte Vorfall ereignet haben soll. Das dort jemand am helllichten Tag jage, kann sich auch Wilden nicht vorstellen.

Zwei erlegt am Rurseezentrum

Bisher wisse die Gemeinde von zwei Wildgänsen, die im Rurseezentrum am Eiserbachsee erlegt worden seien. Um direkt am See jagen zu dürfen, bedürfe es einer Genehmigung seitens des Wasserverbandes Eifel-Rur. „Vor einigen Wochen hat sich die Gemeinde Simmerath mit Vertretern des Wasserverbandes Eifel-Rur und einem Vertreter der Seglerschaft zusammengesetzt.

Der Wasserverband hat dem Pächter in Rurberg seine Zustimmung zur Jagd im Uferbereich gegeben“, sagt Wilden. Allerdings würde man als Jäger auch in diesem Falle früh morgens jagen und sich vergewissern, dass keinerlei Gefahr für andere bestehe. Wer also verantwortlich für den angeblichen Abschuss der Wildgänse kurz vor Einruhr am Sonntagnachmittag war, möglicherweise vor den Augen von Touristen, bleibt ungeklärt.

Laut Günther Plum ist übrigens jeder Landbesitzer dazu verpflichtet, sein Gebiet zu bejagen oder bejagen zu lassen – „schon allein wegen der Seuchengefahr“. Viele nähmen ihr Jagdrecht allerdings nicht wahr, weswegen sie ihr Land an Privatpersonen verpachteten. Dazu müssten sie sich einer Jagdgenossenschaft anschließen, die das Jagdrevier dann vermittelt.

Die Jagdbeute, die ein Jäger auf einem gepachteten Stück Land erlege, gehöre damit ihm selbst und nicht dem Grundstücksbesitzer. „Dafür zahlt der Jäger ja auch“, sagt Plum. Für die Bauern oder Landbesitzer sei das ein gutes Zubrot. Vor allem, wenn man selbst nicht jagen wolle. „Lehnt jemand allerdings die Jagd aus ethischen Gründen absolut ab, kann es ausnahmsweise sein, dass in dessen Gebiet nicht gejagt werden muss“, sagt Plum.

Für Rotwild und Muffelwild gibt es sogenannte Abschusspläne. Erlegt ein Jäger ein Tier dieser Art, muss er das melden. Bei Wildgänsen sehe das anders aus, wie Josef Kaiser vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde auf Nachfrage erklärt. „Wildgänse dürfen zum Beispiel bejagt werden, ohne dass das gemeldet werden muss“, sagt Kaiser.

 

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