Skilift und Bobbahn in Rohren vor dem Aus?

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
13737410.jpg
Zweimal eine Woche Arbeit und rund 2000 Euro kostete Sportzentrumsinhaber Manfred Stein jährlich das Umrüsten des großen Lifts vom Sommerrodel- auf den Winterbetrieb. In diesem Jahr hat er darauf verzichtet. Foto: H. Schepp
13737411.jpg
Auch die Zukunft der gemütlichen Skihütte ist offen. Foto: H. Schepp
13737412.jpg
Viel Geld und Energie hat er in die Ausstattung wie beispielsweise den Verleih gesteckt, doch Ende 2017 ist wohl Schluss damit. Foto: H. Schepp
13737406.jpg
Ein Bild aus besseren Tagen: 2010 war das bislang letzte, richtig gute Jahr für den großen Rohrener Skilift. Wochenlang war die Talabfahrt möglich. Foto: H. Schepp

Rohren. „Es lohnt sich einfach nicht mehr.“ Gerne sagt Manfred Stein, seit fünf Jahren Pächter und Betreiber des Wintersportzentrums in Rohren, diesen Satz nicht. Denn mit großen Hoffnungen hatte er Skilift, Abfahrts- und Rodelhänge und den Verleih der Wintersportausstattung am Rohrener Kluckhang vor dem Winter 2011/12 übernommen und in den Folgejahren viel Zeit und Geld in das Sportzentrum gesteckt.

Doch nach fünf Jahren Pachtbetrieb und fünf mehr oder minder milden Eifelwintern hat Manfred Stein die Konsequenzen gezogen: Wie im Winter zuvor wurde im Herbst der Sommerrodellift nicht zum großen Skilift umgerüstet. Auch in diesem Winter, der sich zu Wochenbeginn noch eher zaghaft breit machte, wird nur der kleine Lift am Übungshang die kleinen und großen Skisportler nach oben schleppen. Und wenn nicht alle Vorzeichen trügen, dann ist Ende dieses Jahres 2017 Feierabend mit dem alpinen Skifahren in Rohren.

„Uns fehlen hier einfach die 200 Meter an Höhe, die das Sauerland mehr hat“, rechnet Manfred Stein vor. Nach einem sehr frühen Wintereinbruch im Oktober 2016 fiel in der Nacht zum Montag auch in der Eifel der erste Schnee seit 53 Tagen. Und ob diese Woche oder in den kommenden, sogenannten Hochwinterwochen so viel Schnee fällt, dass man in Rohren Ski fahren oder snowboarden kann, ist höchst ungewiss.

Und mit einer Schneekanone den Winter künstlich herbeizuzaubern, wäre für den Liftbetreiber eine zu hohe Investition. „In Winterberg hat das Land vor Jahren die Anschaffung von 18 Schneekanonen subventioniert; heute bekäme man da keinen Cent mehr als Zuschuss“, weiß Stein.

40 bis 50 Zentimeter Schneeauflage braucht es, damit er den großen Lift startet und man bis ins Tal sausen kann. „Aber das hatten wir so richtig zuletzt 2010“, sagt Stein und hat „ganz sieben große Lifttage in fünf Jahren“ notiert.

Doch es ist nicht nur der Frust über die letzten ausgebliebenen, richtigen Eifelwinter, der bei Manni Stein die Erkenntnis hat reifen lassen, den Pachtvertrag, der Ende 2017 ausläuft, nicht zu verlängern. „Es spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, sagt Stein. Natürlich zählt dazu auch die Wirtschaftlichkeit. „Dass wir mit den Einnahmen der Sommerbobbahn letztlich den Wintersport subventionieren, ist nicht neu, das war auch schon vor meiner Zeit so“, berichtet der Betreiber.

„Aber wenn vom Skiliftbetrieb gar nichts mehr übrig bleibt, dann macht es alles keinen Sinn mehr“, sagt Stein und übt auch Kritik an der Stadt Monschau. Diese hatte nämlich im letzten Jahr die Fremdenverkehrsabgabe für Wintersportbetriebe mal eben verzwölffacht, wie Stein erzählt und fast schon amüsiert ergänzt: „Wenn eine solche Erhöhung mehrere Geschäftsleute betrifft, mag das ja okay sein. Aber in diesem Fall hätte man ja zuvor auch mal das Gespräch mit mir suchen können, denn so schrecklich viele Wintersportzentren gibt es in Monschau nicht...“

Fremdenverkehrsabgabe mal 12

Da die Fremdenverkehrsabgabe vom Umsatz erhoben wird, ist das Wintergeschäft nun noch weit unrentabler als zuvor. „Wenn ich von 1000 Euro Einnahme die Betriebskosten, Löhne, Mehrwertsteuer und Fremdenverkehrsabgabe abziehe, bleiben mir vielleicht 150 Euro Gewinn. Dafür muss ich viele Tage den Lift laufen lassen und viele Liftkarten verkaufen“, rechnet Stein vor. Zumal die Hütte am Rohrener Skihang für ihn keine Zusatzeinnahmen bringt, da sie noch von der Besitzerfamilie Hermanns betrieben wird.

Auch dort denke man aber über die Fortführung des Gastronomiebetriebs nach, da im Winter nur an guten Schneetagen das Geschäft lohne, wie der Liftbetreiber weiß. So habe der Besitzer auch bereits abgelehnt, „auch nur einen Cent in das Sportzentrum zu stecken“, da sich die Investitionen aufgrund der milden Winter nicht mehr lohnen würden. „Dabei wäre hier eine ganze Menge zu tun“, zeigt Manfred Stein auf den fast 45 Jahre alten großen Lift und die Sommerrodelbahn, die 2018 auch schon 40 Jahre auf dem Buckel hat. Auch auf dem Spielplatz, der zum Sportzentrum gehört, und an der gemütlichen Holzhütte sei einiges zu tun.

„Hier müsste man mal richtig Geld in die Hand nehmen“, sagt Manfred Stein und fügt augenzwinkernd an: „Vielleicht kommt ja noch irgendein reicher Holländer oder Belgier um die Ecke.“ Stein bezieht sich damit auf den Trend zu Ferienhäusern, der auch in Monschau gerade um sich greift: „Da kaufen Investoren aus den Nachbarländern alte Häuser in Monschau und Umgebung, renovieren diese aufwendig und vermieten sie als Selbstversorgerhäuser für größere Urlaubergruppen“, wie Stein beobachtet hat. „Und das lohnt richtig!“, weiß er.

Einen neuen Pächter für das Sportzentrum zu finden, werde aber wohl kaum so einfach werden, vermutet Manfred Stein, der sich nach Ende des Pachtvertrages noch stärker dem Verleih von Mountainbikes widmen möchte. Denn dieses Geschäft ist weitestgehend witterungsunabhängig.

Bis es so weit ist, will sich Manfred Stein aber noch in das reduzierte Wintersportprogramm in Rohren stürzen. „Wenn jetzt noch der Bombenwinter kommt, dann ärgere ich mich natürlich schwarz, denn dann kann ich nicht spontan den großen Lift umrüsten“, sagt er. Für den kleinen Hang und kleinen Lift aber genügen zehn Zentimeter Schnee im Eifelland – am Montag war es „nur 1 cm Schnee“, wie der Homepage zu entnehmen war. Im Web und telefonisch unter Telefon 02472/4172 (AB) oder auch unter Telefon 0171/7509724 erfährt man, ob der Rohrener Lift läuft.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert