Singender Hirte: Der Stall von Bethlehem steht bereits

Von: Andreas Gabbert
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Der singende Hirte und seine treuen Helfer haben wieder die riesige Landschaftskrippe in der Höfener Pfarrkirche aufgebaut: Günter Below, Reiner Jakobs, Erich Jakobs, Engelbert Roder, Rudi Rader und Klaus Schülter (von links). Foto: A. Gabbert

Höfen. Im Keller von Reiner Jakobs warten die 60 selbst gebastelten Schafe schon auf ihren Abtransport und den Einzug in die große Landschaftskrippe in der Höfener Pfarrkirche.

Den neuen Schafstall haben der singende Hirte Reiner Jakobs und seine treuen Helfer (Franz Roder, Engelbert Roder, Erich Jakobs, Klaus Schülter, Rudi Rader, Günter Below, Georg Hoppe und Karl-Heinz Domalewski), die ihm jedes Jahr beim Aufbau der riesigen Krippe helfen, schon aufgestellt. Auch die Zimmermannswerkstatt des heiligen Josef gleich daneben und der Stall von Bethlehem stehen schon.

Im Hintergrund erhebt sich ein Wald aus Nordmann- und Nobilis-Tannen, in deren Zweigen es sich einige Vögel gemütlich gemacht haben. Hoch oben an der Decke kreisen Greifvögel und beobachten die Männer bei der Arbeit. Auch Füchse und Marder streifen schon durch den Forst, andere der rund 250 präparierten Tiere liegen noch in den Kirchenbänken und warten auf ihren Einsatz. „Noch längst ist nicht alles hier“, sagt Jakobs.

Drei Wochen lang sind der singende Hirte und seine Helfer jeden Tag im Einsatz, um die 30 Meter breite und etwa 15 Meter hohe Landschaftskrippe im Chorraum der Höfener Pfarrkirche aufzubauen. „Mindestens acht Stunden am Tag wird gearbeitet. Es sind aber auch schon mal zehn oder 15 Stunden“, sagt Jakobs.

Nach fünf bis sechs Tagen steht der Rohbau. Anschließend beginnen dann die Feinarbeiten, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Auf Details wie die gekräuselten Hobelspäne in der Zimmermannswerkstatt legt Jakobs nämlich besonderen Wert. Deshalb darf auch nirgendwo eines der Kabel zu sehen sein, die die Lichterketten oder das Wasserrad der Sägemühle mit Strom versorgen. „120 bis 150 Meter Kabel haben wir verlegt“, meint Jakobs. Doch die Helfer protestieren. „Das waren mehr als 300“, sagen sie. Hinzu kommen mehr als 100 Meter eines eigens angefertigten kleinen Zauns aus Holz. Zusammengehalten wird das alles von tausenden Schrauben.

Eine Skizze oder eine Anleitung für den Aufbau der Krippe gibt es nicht. Den Plan hat Reiner Jakobs im Kopf. Er dirigiert seine Helfer und weiß genau, was wo aufgestellt werden soll.

Für seine Krippe ist Reiner Jakobs das ganze Jahr im Einsatz. Oft ist der 75-Jährige im Wald unterwegs, um Tannenzapfen, Kastanien und Moos zu sammeln. So kommen im Laufe des Jahres Dutzende Kisten mit Dekorationsmaterial zusammen, die er dann Ende November in die Kirche bringt, um die Krippe zu gestalten. „Wenn ich irgendwo was sehe, dann frage ich, ob ich das haben kann. Ich hol mir das nicht einfach so. Es hat aber auch noch keiner Nein gesagt“, erzählt Jakobs.

Sein Bart wird schon seit Wochen immer länger. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Weihnachtszeit näher rückt und Jakobs sich bald wieder in den singenden Hirten verwandeln wird.

Am kommenden Samstag, 3. Dezember, streift Reiner Jakobs im 26. Jahr seine Felljacke über, setzt den Hut auf und nimmt mit Panflöte, Mundharmonika und Gitarre in der Krippe Platz, um für die zahlreichen Besucher zu singen. Bis zum 29. Januar wird er dann jeden Tag von 10 bis 18 Uhr in der Kirche anzutreffen sein. Die Besucher danken ihm dafür mit einer Spende zur Unterstützung des Fördervereins „Hilfe für krebskranke Kinder“ am Klinikum Aachen. So kommen jedes Jahr mehrere zehntausend Euro zusammen.

Wenn Reiner Jakobs in der Krippe sitzt und singt, bewegt das viele Besucher tief in ihrem Inneren. Davon zeugen die vielen emotionalen Einträge in den ausliegenden Gästebüchern.

Wenn es nach Reiner Jakobs geht, wird er noch oft in die Rolle des singenden Hirten schlüpfen. „Ich mach das noch so lange der mich lässt“, sagt Jakobs und zeigt nach oben.

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