Nordeifel - Sind Ölspuren noch ein Fall für die Feuerwehr?

Sind Ölspuren noch ein Fall für die Feuerwehr?

Von: Andreas Gabbert und Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Die Feuerwehr wird nicht nur zur Brandbekämpfung gerufen. Mehr als jeder vierte Feuerwehreinsatz in der Eifel steht in Zusammenhang mit einer Ölspur: Das ist für die Ehrenamtler wenig motivierend und führt oft auch zu Problemen mit dem Arbeitgeber. Foto: Archiv/Stollenwerk

Nordeifel. Müssen gut ausgebildete Feuerwehrleute jedes Mal ausrücken, um Ölspuren auf Fahrbahnen zu beseitigen? Der Landesverband der Feuerwehren NRW sieht das nicht so und würde die Aufgaben gerne anders verteilt wissen. Dass die Beseitigung von Ölspuren nicht Sache der Feuerwehren sein kann, betonen auch die Leiter der Wehren aus Monschau, Simmerath und Roetgen, Falk Claßen, Christian Förster und Joachim Wynands.

Bei 30 bis 40 Prozent der Feuerwehreinsätze im Stadtgebiet Monschau handele es sich um Ölspuren, sagt Claßen. Der Anteil der Einsätze in Zusammenhang mit Ölspuren habe im Gemeindegebiet Simmerath in den vergangenen fünf Jahren bei 28 Prozent gelegen, seit Anfang 2012 sei man 258 Mal wegen einer Ölspur ausgerückt, sagt Förster. Im Gemeindegebiet Roetgen habe die Feuerwehr im vergangenen Jahr rund 100 Einsätze gehabt, bei 30 davon habe es sich um die Beseitigung einer Ölspur gehandelt, sagt Wynands.

Theorie und Praxis

Dabei ist die Beseitigung der Ölspuren in der Theorie eigentlich klar geregelt. In der Praxis würde der Landesbetrieb Straßen.NRW zu seinen Dienstzeiten die Beseitigung von Ölspuren auf Landes- und Bundesstraßen übernehmen. „Das hat sich schon verbessert“, sagt Claßen. Zu anderen Zeiten sei dann aber wieder die Feuerwehr gefragt.

„Wir fahren immer noch raus, weil der Landesbetrieb Straßen.NRW nach 16 Uhr und am Wochenende keinen Bereitschaftsdienst vorhält. Manchmal rücken wir auch tagsüber aus, um eine Ölspur zu beseitigen, weil der Bereitschaftsdienst anderweitig beschäftigt ist. Seltsamerweise ist der Landesbetrieb aber im Winter zeitweise in der Lage, einen Notdienst für die Räumung der Straßen zu stellen“, sagt Wynands.

Förster formuliert es noch etwas schärfer: „Das Land drückt sich davor, einen Bereitschaftsdienst vorzuhalten“ sagt er und verweist auf die Gesetzeslage. Für ihn ist klar, dass die Beseitigung von Ölspuren nicht Aufgabe der Feuerwehr sein darf. „Egal ob auf gerader Strecke oder in einer Kurve – wir fahren ja auch nicht raus, wenn es im Winter glatt ist, oder wenn es im Herbst durch das Laub rutschig auf den Straßen ist“, sagt Förster.

Anders sehe das bei Verkehrsunfällen aus. „Wenn wir vor Ort sind, können wir uns natürlich darum kümmern“, sagt Förster. Oft handele es sich bei den Ölspuren aber nur um wenige Tropfen, die bei Regen nach viel aussehen würden, aber nicht unbedingt eine Gefährdung darstellen würden. Wenn aber die Ölwanne aufgerissen oder Hydraulikschläuche geplatzt seien, sei schon die Feuerwehr gefragt. In anderen Fällen müssten aber bezahlte Kräfte diese Aufgabe übernehmen. Das dürfe nicht auf dem Rücken der Ehrenamtler ausgetragen werden. „Ich habe das Gefühl, dass die Aufgabe vom Land auf die Feuerwehr abgewälzt wird, um Geld zu sparen“, sagt Förster.

Für das Autobahnnetz, so erläutert Gerd Dahmen, im Betriebssitz des Landesbetriebs Straßenbau in Gelsenkirchen zuständig für Fragen des betrieblichen Umweltschutzes, bestehe eine Rufbereitschaft rund um die Uhr. Nicht aber für die rund 20 Prozent des Straßennetzes, für die der Landesbetrieb noch zuständig sei. Mit Blick auf Aufwand und Kosten bestehe folglich die Tendenz, auf einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst „möglichst zu verzichten“. Vielmehr setze man darauf, dass im Zuge der eigens eingesetzten übergeordneten Arbeitsgruppe „Ölspuren“ Optionen geprüft werden, etwa Rahmenverträge mit anderen Partnern abzuschließen. Der zum Jahresende avisierte erste Zwischenbericht der AG „Ölspuren“ wird von den Wehrleuten erklärtermaßen heiß erwartet.

Auch die Arbeitgeber der freiwilligen Feuerwehrleute hätten wenig Verständnis, wenn ihre Beschäftigten wegen einer Ölspur der Arbeit fern bleiben würden. Für die Ehrenamtler sei dies eine hohe Belastung, betonen die Feuerwehrchefs. Daher tendiere die Motivation der Einsatzkräfte „Richtung null“. „Das ist unser Problem“, sagt der Monschauer Feuerwehrchef Falk Claßen.

Für qualifizierte Feuerwehrleute, die Hunderte Stunden in ihre Ausbildung investiert hätten, sei es demotivierend zum Kehren der Straße eingesetzt zu werden, sagt sein Roetgener Kollege Joachim Wynands.

„Ingenieure und Handwerksmeister sollen ihren Arbeitsplatz verlassen und dann Arbeiten übernehmen, die schon mit Steuergeldern bezahlt wurden. Außerdem entstehen für die Gemeinde hohe Kosten, weil sie den Lohnausfall der Feuerwehrleute ersetzen muss“, erklärt Wynands. „Das führt dazu, dass einige Kameraden nicht kommen, weil sie Auswirkungen auf das Betriebsklima fürchten“, erläutert Christian Förster. Besonders häufig gebe es diese Art der Einsätze im Rurtal. Kürzlich habe die Löschgruppe Kesternich innerhalb einer Woche vier Mal wegen Ölspuren ausrücken müssen. „Da kann man sich vorstellen, was die Arbeitgeber sagen“, sagt Förster.

Die Simmerather Feuerwehr ist inzwischen mit einem eigenen Vorschlag an die Gemeinde herangetreten, der vorsieht, dass der Bauhof während seiner Arbeitszeit die Beseitigung von Ölspuren übernehmen soll, um die Belastung der Feuerwehrleute zu verringern. Man habe vereinbart aber zunächst die Ergebnisse der Gespräche auf Landesebene abzuwarten, erklärt Förster.

Das Problem sei die Beseitigung auf den Bundes- und Landesstraßen, betont Wynands. Mit Blick auf die Gemeindestraßen habe man sich mit dem Bauhof der Gemeinde Roetgen arrangiert. „Das funktioniert gut“, sagt Wynands.

Auch Claßen lobt die Kooperation mit dem Bauhof der Stadt Monschau, die Zusammenarbeit sei einwandfrei und optimal. „Wenn wir Unterstützung brauchen, bekommen wir die immer“, sagt Claßen.

Aber auch in Monschau blicken die Feuerwehrleute gespannt auf das Ergebnis der Gespräche auf Landesebene.

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