Simmerather Frühjahrsmarkt: „Das Wetter ist gut für Socken”

Von: Peter Stollenwerk
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Socken laufen auch bei Regen: Regina Martiny (li.) und Rebecca Nolte gewinnen dem tristen Wetter beim Simmerather Frühjahrsmarkt ein paar heitere Momente ab. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Montag ist auch noch ein Tag. Der muss den 330 Händlern des Simmerather Frühjahrsmarkt die Löcher in den Kassen stopfen, das das ungemütliche Wetter am Sonntag ins Geschäft gerissen hat.

Regenschauer, unangenehmer Westwind und unterdurchschnittliche Temperaturen fegten viele Marktbesucher von dannen, und der eigentlich als Vergnügen angelegte Marktbesuch wurde zur großen Parade der Regenschirme.

Wieder einmal bewahrheitete sich die alte Simmerather Wetterweisheit, dass schönem Wetter zu Pfingsten eine Woche später miserables Marktwetter folgt.

Der einzig positive Nebeneffekt des überschaubaren Besucherandrangs: Jeder Marktbesucher fand leichter als als sonst einen Parkplatz; da hätte es gar nicht der etwas befremdlich wirkenden Maßnahme bedurft, dass einige Betriebe im Gewerbegebiet ihre Großflächen-Parkplätze hermetisch abriegelten.

Wenig begeistert schaut auch Ronald Schiewey aus seiner Schießbude auf den Platz vor dem Musikpavillon, auf dem sich nur ein paar Menschen verlaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass hier auch diesmal der große Autoscooter fehlt, der wegen der Baustelle im Gewerbegebiet seinen angestammten Platzt nicht ansteuern konnte. Also ist hier als Ersatz der kleine Autoscooter aus der Fuggerstraße zum Rummelplatz umgezogen.

„Die Leute kommen einfach nicht mehr, und außerdem gibt es zu viele Veranstaltungen”, klagt der Schießbudenbesitzer aus Pulheim, der seit 40 Jahren zum Simmerather Markt kommt. Und auch der Spaß an der Schießbude, auf Tonröhrchen zu zielen, um Seidenblumen und Schraubenzieher zu ergattern, sei einfach nicht mehr so gefragt.

Schon etwas aufgeheiterter ist die Stimmung bei Regina Martiny, die seit 25 Jahren mit ihrem vielfältigen Angebot an Socken aus dem Westerwald nach Simmerath kommt. „Das Wetter ist gut für Socken”, gewinnt sie dem tristen Tag noch ein paar helle Momente ab. Sie kann sich an so einige Marktveranstaltungen in Simmerath erinnern, wo das Wetter nicht mitspielte, „und außerdem ist es hier immer so windig,” lacht sie. Auch wenn sie in Konkurrenz mit rund einem Dutzend Sockenhändler auf engem Raum steht, ist Simmerath immer noch ein attraktiver Platz: „Auf unsere Stammkundschaft können wir uns verlassen.”

Die treue Stammkundschaft lässt auch den Stand von Josef Wolczyk nicht links liegen. Seit 1984 kommt der Händler für Kurzwaren und Haushaltsartikel aus Mechernich nach Simmerath als klassischer Vertreter des Krammarktes. Zweieinhalb Stunden braucht er, um seinen Stand mit den unzähligen Kleinteilen auf dem Rathausplatz aufzubauen. Er weiß, dass besonders die Nähartikel gefragt sind; „die sind heute kaum noch zu bekommen.” Auch er kann sich an so einige Wetterkapriolen erinnern. „Als wir vor 26 Jahren zum ersten Mal beim Herbstmarkt waren, hat es sogar geschneit.”

Von alten Zeiten erzählt auch Christian Fuhrmann gerne. Der Imbissbetrieb aus Aachen ist eine Institution beim Simmerather Markt. Seit 65 Jahren steht das Geschäft an der Hauptstraße, aber auch Fuhrmann spürt, dass bei vielen Märkten die Leute weg bleiben, wobei Simmerath noch zu den besseren Adressen zählt. „Früher war das hier richtig romantisch,” erinnert sich der Chef des Unternehmens, das mit 12 Mitarbeitern angereist ist. „Da wurden die Verkaufstische aus Dachlatten gezimmert und schnell ein Laken darüber geworfen,” schmunzelt er.

Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß er, dass früher beim Herbstmarkt in der Eifel das Geschäft immer noch ein wenig besser lief: „Da hatten die Bauern die Kartoffel im Keller und sie wussten dann, wo es lang geht.” Und schließlich sei es auch nicht gut, wenn der Markttermin ans Monatsende falle.

Ob den Marktbesuchern nun schon das Geld ausgegangen ist, wird sich am Montag zeigen. Wer noch etwas übrig hat, wird reichlich Gelegenheit finden, es auszugeben. Morgen ist ja auch noch ein Tag, dann ist wieder der Erste des Monats.
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