Simmerath/Städteregion - Simmerath stößt in neue Dimension vor

Simmerath stößt in neue Dimension vor

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Höher als der Kölner Dom:  I
Höher als der Kölner Dom: Im Wald bei Lammersdorf sollen 17 Windkrafträder über den Bauwipfeln rotieren. Sie sind nach derzeitger Planung 186 Meter hoch und sollen jährlich 35 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Simmerath/Städteregion. Die Energiewende im Kleinen, die hat Simmerath eigentlich bereits hinter sich: drei Biogasanlagen, ein Biomasse-Heizkraftwerk, zwei Windkraftparks und eine Vielzahl von Photovoltaik-Anlagen, zählt Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns auf und rechnet vor: „70 Prozent des Stromverbrauchs in Simmerath wird regenerativ erzeugt.”

Das ist schon eine ganze Menge, meint denn auch der erste Bürger der Gemeinde - aber noch lange nicht alles. Denn der Stadtwerkeverbund Trianel schickt sich an, mit der großen Energiewende ernst zu machen und für 700 Millionen Euro ein 640-Megawatt-Wasserspeicherkraftwerk an den Rursee zu setzen. Dies wäre nach Trianel-Angaben die größte Investition in der Geschichte von Stadt und Altkreis Aachen. Und dazu kommt für 85 Millionen Euro noch ein Windkraftpark, der sich dies- und jenseits der B399 bei Lammersdorf erstrecken soll. 17 Anlagen je 186 Meter hoch und mit einer Leistung von je drei Megawatt. Es könnte künftig ziemlich viel Energie für die gesamte Region erzeugt werden in Simmerath.

Und nicht nur das, wie Hermanns und Städteregionsrat Helmut Etschenberg betonen. Während der Bürgermeister auf einen Imagegewinn und mehr Gewerbesteuereinnahmen hofft, verweist Etschenberg auf die Jobs, die durch den Bau der Anlagen und deren Betrieb dauerhaft entstehen würden. „Die Wertschöpfung bleibt im Lebensraum”, nennt er das und billigt Simmerath zu, „Maßstäbe mit bundesweiter Relevanz” setzen zu können: „Wenn die Energiewende gelingen soll, muss es Kommunen geben, die bereit sind, diesen Weg zu gehen.”

Dass dem kein Strich durch die Rechnung gemacht wird, daran wollen alle Projektpartner - mit Unterstützung der Landesregierung - arbeiten. „Wir messen beiden Projekten große Bedeutung zu”, bekannte Abteilungsleiter Michael Geßner in Vertretung von NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger: „Was in Simmerath geplant wird, hat eine neue Dimension. Und dafür brauchen wir größtmögliche Akzeptanz.” Und so wird das hohe Gut der Transparenz gleich bei der ersten Pressekonferenz beschworen. Denn die Bürger sollen mitgenommen werden. Schließlich gehe es um „starke Eingriffe in die Umgebung”, wie Trianel-Projektleiter Dr. Markus Hakes mit Blick auf das möglicherweise bei Simmerath-Strauch auszubaggernde Oberbecken unumwunden zugibt. Dabei haben die Planer jenes Areal im Blick, auf dem derzeit noch der Windkraftpark Strauch-Michelshof steht, für deren Kommanditisten es keine Nachteile geben wird, wie der Bürgermeister mit Blick auf den neuen Park in Lammersdorf versichert. Aber auch Nutzer und Anrainer des Rursees werden betroffen sein. Schließlich könne der Wasserpegel durch das neue Pumpkraftwerk um bis zu zwei Meter schwanken, sagt Hakes, der weiß: „Solch ein Projekt ist nur im Konsens möglich.”

Das gilt sicherlich auch für den neuen Windkraftpark, dessen 17 Anlagen mit 186 Metern höher als der Kölner Dom sind. Und man muss nur einige Kilometer weiter in Richtung Aachen zum Münsterwäldchen blicken, um zu wissen, dass nicht jeder einen Windkraftpark in seiner Nachbarschaft möchte. Wobei Jörn Preuth vom Projektbetreiber Stawag-Solar auf Akzeptanz in der Bevölkerung hofft. Schließlich stehen die Räder komplett im Wald und mindestens 1200 Meter von der nächsten Bebauung entfernt. Und er sagt einen schonenden Umgang mit der Natur zu. „Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der Forstwirtschaft und werden die Flächen, die gerodet werden müssen, an anderer Stelle natürlich ersetzen.” Dabei benötigt jede der Windkraftanlagen eine Fläche von 3000 Quadratmetern.

Doch soweit sind die Projekte noch nicht gediehen. Zunächst habe der Gemeinderat am Donnerstag mit seiner einstimmigen Entscheidung lediglich den „Startschuss zur Prüfung der Machbarkeit” gegeben, sagte Hermanns. Eine Einmütigkeit der Politik, vom der sich Hermanns Signalwirkung verspricht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert