Seniorenresidenz: Zwischen Schock, Wut und Hoffnung

Von: P. St./ maxs
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Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Die Seniorenresidenz Simmerath bleibt nach dem Trägerwechsel vor Ort, aber bekommt einen neuen Namen. Foto: Stollenwerk

Simmerath. Um 18 Uhr am Donnerstagabend war der Spuk vorüber. Nach einer Woche, die von Schock, Wut und Hoffnung geprägt war, gehen die 58 Bewohner der Seniorenresidenz Simmerath davon aus, dass mit dem neuen Träger nun Ruhe in die Einrichtung am Rathausplatz einzieht und das Haus sein ramponiertes Image wieder aufpolieren kann.

Der Alloheim GmbH als bisherigem Träger folgen nun nach acht Jahren die Itertalklinik Seniorenzentren. Der neue Träger, der ab 5. Oktober die Verantwortung übernimmt, verfügt über insgesamt sieben Einrichtungen in der Region, fünf Pflegeheime und zwei Wohnheime. Wie berichtet hatte die Heimaufsicht der Städteregion Aachen nach einer Serie von Beschwerden und der Missachtung von Auflagen über einen längeren Zeitraum als letzte Konsequenz das Haus zum 4. Oktober geschlossen. Nach eilends gestarteten Übernahmeverhandlungen konnte die drohende Evakuierung abgewendet werden.

Die Betroffenen konnten am Donnerstagabend erleichtert aufatmen. Das rigorose Vorgehen der Heimaufsicht beendete einerseits schlagartig die wiederholt angemahnten eklatanten Pflegemissstände im Haus, aber die Tage der Ungewissheit hatten auch viele der Bewohner in Angst und Schrecken versetzt, dass sie nicht mehr in Simmerath bleiben könnten.

„Für die 58 Heimbewohner gibt es jetzt eine verlässliche Perspektive. Sie können in der Einrichtung bleiben“, hält die Städteregion Aachen als Fazit fest.

Auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg zeigte sich erleichtert, „dass eine Lösung zum Wohle der Menschen gefunden werden konnte“. In zahlreichen persönlichen Gesprächen hatten ihn Bewohner und deren Angehörige gebeten, sich für eine ortsnahe Lösung in Simmerath stark zu machen. Mit Dr. Christoph Kösters als geschäftsführendem Gesellschafter der Itertal Seniorenzentren habe man einen „erfahrenen Fachmann“ gefunden, der schon in Aachen, Roetgen und Stolberg tätig sei.

Etschenberg: „Ich erwarte, dass er die Missstände, die mich zur Schließung des Alloheim-Hauses gezwungen haben, unverzüglich ausräumt und eine angemessene Qualität der Betreuung der Bewohner langfristig sicherstellt. Ich bin sehr froh, dass damit die ‚Zwangsumzüge‘ abgewendet werden konnten“.

Die Heimaufsicht hatte vor allem angemahnt, dass zu wenig Stammpersonal vorgehalten wurde und dadurch die vorgeschriebene Versorgungsqualität nicht zu jeder Zeit gewährleistet werden konnte. Im Juli wurde deshalb schon die Neuaufnahme weiterer Bewohner untersagt.

Als die Städteregion am Donnerstag den Abschluss der erfolgreichen Vertragsverhandlungen verkündete, hatte der bisherige Träger bereits das Weite gesucht. Nach zwei intensiven Verhandlungstagen hatte man den Durchbruch geschafft. Die Alloheim GmbH hatte letztlich ohne großen Widerstand den Weg für einen Neubeginn in Simmerath frei gemacht.

„Wir konnten noch einmal die Kurve kratzen“, sagte der stellvertretende Regionaldirektor der AOK, Bernd Claßen, als Vertreter der Pflegekassen. Die Unterschriften unter den neuen Vertrag fehlten am Donnerstagabend zwar noch, aber eine Fortführung der Unterbringung zu den gleichen Bedingungen sei garantiert.

Das versicherte auch Dr. Kösters, der bereits seit 20 Jahren in der Altenpflegearbeit tätig ist. Man sei sehr schnell mit dem Vorgänger klar gekommen, „der die Lage erkannt hat“. Der neue Träger signalisierte weiterhin seine Bereitschaft, auch das Personal am Standort, das zur Zeit aus einer Stamm-Belegschaft von 60 Personen besteht, zu übernehmen. Außerdem könne sein Haus zur Weiterführung des Betriebs zusätzliches Personal einbringen. Kösters: „Wir hoffen, die aufgezeigten Missstände mit Hilfe des Personals in den Griff zu bekommen.“

Sofern Angehörige in der Zwischenzeit bereits anderweitig Verträge zur Unterbringung der Bewohner geschlossen haben und diese nun rückgängig machen wollen, haben auch die Pflegekassen ihre Unterstützung zugesagt. Kösters berichtete, dass bereits sechs Bewohner aus Simmerath für einen Wechsel ins Itertal Seniorenzentrum Roetgen angefragt hätten.

Bei der Infoveranstaltung am Donnerstag hatten die Betroffenen nur noch wenige Fragen; für Klärung der Details sollen in den nächsten Tagen genug Ansprechpartner vor Ort sein. Kösters sicherte zu, dass man bis zur Übernahme am 5. Oktober „Pläne erstellen“ werde, die sich auch mit dem großen Thema Personalschlüssel, also dem Verhältnis von Personal und betreuten Personen, beschäftigten. Auch sei er sich über den „Pflegenotstand und Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal in Deutschland“ im Klaren, so dass von den bisherigen Mitarbeitern keiner „leichtfertig in die Wüste geschickt“ werde.

Zur Frage nach der neuen Namensgebung erklärte er, dass es wohl auf „Itertalklinik Seniorenzentrum Simmerath“ hinauslaufen werde, „um den Standort des Heimes auch direkt zu erkennen“.

Auch Zeljko Turkalj, Pflegedirektor der Itertalklinik Seniorenzentren, machte den Anwesenden Mut: „Wir als neuer Betreiber stellen uns der Verantwortung und dem großen Berg an Aufgaben, mit hoher Motivation, Fachwissen und Engagement.“ Er plädierte an das „Vertrauen der Anwesenden“, das sie dem neuen Träger dafür im Gegenzug entgegenbringen sollten, damit man den „Prozess nun gemeinsam angehen“ könne.

Erleichterung war auch bei Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns spürbar. Nach dem „Tiefschlag“ zu Wochenbeginn könne man nun von einer „Wiederauferstehung“ sprechen. Er sei überzeugt davon, dass mit dem Trägerwechsel eine zukunftsweisende Lösung gefunden worden sei und nutzte die Gelegenheit, um noch eine weitere gute Nachricht zu verkünden: Die Umgestaltung des Rathausplatzes mit dem Ziel der Barrierefrei, werde in Kürze konkret.

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